Zwischen blinde Augenzeugen und psychisch labile Einzeltäter – Pimf setzt 23-jährigen Freundeskreis-Klassiker fort
„Indes, ne Mutter mit Sohn in Kambodscha den Schuss zu spät sah, er wär‘ wie ich jetzt 23“ formuliert es Max Herre auf dem 1997 erschienenen Track „Leg dein Ohr auf die Schiene der Geschichte“. Damals ist mit besagtem Song nicht nur einer der bis heute bekanntesten Freundeskreis-Tracks erschienen, 1997 überhaupt sollte das Jahr sein, in dem die Formation rund um Max Herre ihr gern als für Deutschrap wegbereitend oder epochal umschriebenes Album „Quadratur des Kreises“ veröffentlicht hat. Herre selbst hat den Song später nicht nur als Zeitdokument eingeordnet, sondern über die Entstehung auch folgendes erzählt: „Geschichte und Politik (sind) nicht abgetrennt von den Menschen – und eben auch nicht abgetrennt von meiner Biografie. (…) Dass jeder, einfach weil er da ist, auch eine politische und geschichtliche Person ist“. Exakt 23 Jahre später versucht sich mit Pimf erneut ein Mittzwanziger Rapper an der Kontextualisierung aktueller, politischer Ereignisse, indem die eigene Geburt und das Aufwachsen inmitten von Rostock Lichtenhagen, Oury Jalloh, einem alles übertönenden WM-Turnier, Lübcke, Halle und Hanau platziert wird. „Wenn man unter anderen Umständen geboren wird – und das ist einfach ein Zufall -, dann verläuft so ein Leben auch ganz anders“ sagt Herre damals über die erzählerische Intention seines mittlerweile Klassikers und auch die Neuinterpretation von Pimf führt schmerzliches, mit der Geburt mitgegebens Schicksal vor Augen. Zeilen wie „dann komm‘ ich auf die Welt knapp ein Jahr später, zwischen blinde Augenzeugen und psychisch labile Einzeltäter“ greifen zwar inhaltlich auf sein Geburtsjahr 1993 zurück, lesen sich aber immernoch wie ein Kommentar zur Gegenwart. So gut der Rap-Klassiker aus musikalischer Sicht auch umgesetzt wurde, so erschreckend ist leider die Tatsache, dass 2020 wieder Gehörgänge ans symbolische Gleisbett zitiert werden müssen. „Rassismus ist die schlimmste Konstante in unserem Leben“.
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