Das Buch zur Woche: Imbolo Mbue – „Wie schön wir waren“
Diesmal geht es um das Buch „Wie schön wir waren“. Geschrieben hat es Imbolo Mbue, aus dem Englischen übersetzt wurde es von Maria Hummitzsch, erschienen ist es beim KiWi-Verlag.
Es ist ein Roman, der schon jetzt in vielen Jahresbestenlisten auftaucht, obwohl er erst im Herbst auf den Markt kam. Zu Recht, muss man sagen, denn „Wie schön wir waren“ hat nicht nur diesen wunderschönen Titel, es ist auch ein Buch, das man nicht alle Tage in die Finger bekommt.
Die in Kamerun geborene afroamerikanische Autorin Imbolo Mbue erzählt darin von einer wahren Begebenheit, allerdings mit fiktiven Charakteren und Handlungsorten. In den 70er-Jahren hat der vom Tanken bekannte Konzern „Shell“, der jetzt so gerne auf Umwelt macht, durch eine rücksichtlose Ölförderung in Nigeria ganze Landstriche vergiftet. Vor allem Ende der 60er hatte sich die dort angesiedelte Tochterfirma SPDC mit der korrupten Militärführung der Region verbündet und die ölreiche Region ohne Rücksicht auf Verluste ausgebeutet. Durch zahlreiche Öllecks wurden Brunnen, Flüsse, Seen und Grundwasser vergiftet und zahlreiche Menschen – vor allem Kinder – starben oder erkrankten schwer.
Imbolo Mbues Roman ist ein kraftvolles Klagelied, das sich den Raubtierkapitalismus und den Reiche-Weiße-Leute-Kolonialismus zur Brust nimmt. Sie lässt starke Stimmen singen – pessimistisch, kritisch, aber hörbar stolz, weil sie nie wirklich aufgegeben zu haben. Ein Happy-End gibt es natürlich trotzdem nicht – und zwar eigentlich für alle Beteiligten.
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