Porij verarbeiten Wachstumsschmerzen zu clubbiger Pop-Musik
Das Vermächtnis der britischen Club-Musik ist bunt, vielfältig – und quicklebendig, wenn man sich einmal anschaut, wie erfolgreich Artists wie PinkPantheress, Nia Archives und Fred again.. dieser Tage sind. Das Quartett Porij dürfte schon bald Teil solcher Who’s Who-Auflistungen werden. Am Freitag hat die Band ihr Debütalbum „Teething“ veröffentlicht und zeigt dabei einen Sound zwischen Dance und Pop, der sich perfekt in den Zeitgeist einfügen könnte.
2019 fanden die vier Mitglieder durch ihr Musik-Studium in Manchester zusammen. Zwischen ihrer akademischen Ausbildung und der turbulenten Club-Szene der Stadt finden Porij auf ersten Releases schnell einen Mittelweg, den vor ihnen auch schon London Grammar oder die Mitglieder von The xx eingeschlagen haben. Dance-Musik, aber ohne DJ und ohne Tanzfläche, dafür mit echten Instrumenten, Vocals und im bekömmlichen Format eines Pop-Songs. Mit einigen EPs machen sich Porij bei den Tastemaker:innen und Booker:innen beliebt, die ihren Namen begeistert in die britischen Radio-Shows und Festival-Line-Ups weitertragen.
Wachstumsschmerzen und ein neues Kapitel
Inzwischen sind die vier Musiker:innen nach London gezogen und sind bereit, sich in die nächste Etappe ihrer Karriere zu stürzen. Passend dazu heißt ihr neues, erstes Album „Teething“ – also „Zahnen“. Ein Begriff, der nach Wachstumsschmerzen klingt, nach quälender Weiterentwicklung, trotzdem bleibt dieses Leid bei Porij immer untergründig. An der Oberfläche ist „Teething“ ein softes Album, dass britische Club-Genres wie Liquid Drum’n’Bass, Jungle, Garage und House fein säuberlich abschmirgelt. Trotzdem klingen Porij nie weichgespült, sondern behalten sich manche Ecken und Kanten bei.
Bedroom-Breakbeats
„Unpredictable“ wird seinem Namen gerecht und lässt uns jedes Mal kurz im freien Fall hängen, bevor der Chorus einbricht. Die Stimme von Sängerin Egg ist weich in die Breakbeats gebettet, ähnlich wie wir es schon vom Bedroom-D’n’B von PinkPantheress oder Kenya Grace kennen. Sie singt von zwischenmenschlichen Intimitäten, mit verschiedenem Effekt. Auf „Ghost“ entsteht eine verträumte Sehnsucht, „Stranger“ verhandelt auf klagenden Piano-Loops das Gefühl, sich in seinem Spiegelbild nicht wieder zu erkennen. Dabei wird es selten so aufbrausend wie auf dem Highlight-Stück „You Should Know Me“, das 90er-Rave-Nostalgie beschwört und nochmal Tempo aufbringt, bevor das Album dann mit „Slow Down“ buchstäblich wieder abbremst und sanft ausklingt.
Ihre Gefühle verstecken Porij auf „Teething“ hinter dreamy Gitarren und Vocals, die den Breakbeats und Wachstumsschmerzen ihre Schärfe nehmen. Zurück bleibt ein Album für nächtliche Spazier- und Gedankengänge, eine halbe Stunde, in der man Porij beim Blick nach Innen zusieht – und herzlich eingeladen ist, es der Band gleichzutun.
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