Provinz und $oho Bani treten die Tür ein, damit du merkst: „Draußen ist Krieg“
Da sind wir wieder auf dem Schlachtfeld des politischen Popsongs. Die geliebte und gehasste Königsklasse. So ein Song kann groß werden. Oder aber belehrendes Wedeln mit dem Zeigefinger. Man kann einen Nerv treffen, aufputschen. Oder aber Slogans bellen, die nur die eigene Zielgruppe feiert.
Provinz gehen mit „Draußen ist Krieg“ ihren eigenen Weg. Mit viel gutem Pathos und Pop-Wucht geben sie nicht die besserwissenden Klugscheißer, sondern suchen Worte für ein Gefühl der Hilflosigkeit, das wir alle kennen. Perfekter Featuregast dafür ist $oho Bani, der eine ähnliche Dringlichkeit in der Stimme hat wie Vincent Waizenegger.
Der singt gleich zu Beginn im ersten Chorus: „Draußen ist Krieg / Du schließt die Augen, bis du gar nichts mehr siehst / Träumst du vom Paradies? / Wenn der Hass seine Grenzen verschiebt?“ Später, in der Strophe, heißt es: „Und keiner kämpft mehr gegen Lügen / Jeder braucht Urlaub für die Seele / Hörst du die Nachrichten schreien? / Der Kalte Krieg längst wieder heiß.“ $oho Bani gesteht später, dass er die Welt mit Musik ausblendet. „Spiel ‚Mr. Brightside‘, mir egal, wie laut du schreist“, heißt es an einer Stelle. Mahnende Worte gibt es aber auch: „Kopf in Wolken, Kopf in Sand / So hat es schon mal angefangen.“
Eine Welt dir brennt
„Draußen ist Krieg“ dürfte vielen aus der Seele sprechen. Dieses Gefühl, dass die Welt an allen Ecken und Enden brennt. Die Feststellung, dass alle schreien und keiner mehr zuhört. Die Erkenntnis, dass es Leute gibt, die auf Wahrheit und Fakten scheißen und mit Hass, Unzufriedenheit und Nach-unten-Treten aufwiegeln, damit wir uns irgendwann an die Gurgel gehen. Wer will sich da nicht verkriechen und das Lieblingslied hören, bis einem die Augen zufallen. Oder sich im TikTok-Algorithmus verlieren. Aber das macht die Sache eben nur temporär besser. Weil die Arschlöcher da draußen weiter für ihren Krieg trommeln.
Es wundert nicht, dass die erste Idee für Song „Draußen ist Krieg“ kurz nach dem 7. Oktober 2023 aufkam. Nachdem Vincent von den Ereignissen in Gaza und Israel gehört hatte, fand er sich etwas später in einem Fitnessstudio wieder, wo er eine so bestürzende wie banale Beobachtung machte: „Es war komisch zu sehen, dass die Leute einfach weitermachen – und ich auch. Manchmal scheint es die einzige Möglichkeit zu sein, Scheuklappen aufzuziehen und sich blind zu stellen“, erzählt Vincent. Aber: „Genau die wollen wir mit dem Song wegreißen und den Leuten vor Augen führen, wie leicht es ist, sich ablenken zu lassen, und wie gefährlich das sein kann.“
Neues Album im Februar 2025
Auch wenn Provinz in ihren Liedern oft von privaten Dingen singen, waren sie von Anfang an durchaus politisch aufgestellt. Sie positionierten sich gegen den Rechtsruck in Deutschland, beziehen Stellung zu gesellschaftspolitischen Themen, unterstützen Fridays For Future. Und sie wissen: Mit der Plattform, die man als Band auf immer größeren Bühnen bekommt, wächst auch die gesellschaftliche Verantwortung. „Gerade in einer Zeit wie dieser, wo politisch so viel auf dem Spiel steht und man eigentlich wach werden und an schlimmere Zeiten erinnert werden sollte, gerade da wird das alles überspielt von Social Media und weirden Werbeclips“, sagt Schlagzeuger Leon Sennewald. Deshalb jetzt also das drängende „Draußen ist Krieg“ – die zweite Single aus ihrem neuen Album „Pazifik“, das am 21. Februar kommt.
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