Rahel mit neuer Doppelsingle „bitte nicht in blicken“ und „Zum Tag des Barsches“
Vor anderthalb Wochen gab Rahel bei der Party der Kolleginnen von „Zwischen Zwei und Vier“ ihr allererstes Berlin-Konzert. Zwar nur ein kleiner Gig, gut 25 Minuten, und nur mit Drummer und nicht mit Band, doch man merkte trotzdem: Dieser Mensch gehört auf die Bühne! Aber so ansteckend euphorisch die Performance auch war, grübelte man über viele ihrer Lieder noch Stunden später nach. Denn die funktionieren auf wundervoll perfide Weise. Was an ihrer Erfolgsformel liegt: liebliche Gitarrenmelodien, ihre warme Stimme, interessante Dreampop-, Shoegaze- und Indie-Einflüsse, wie man sie in der Kombination selten hört, und vor allem: poetische Texte, die zwar schon beim ersten Hören gut runtergehen, sich aber erst nach und nach erschließen. Nicht auf die verkopfte, verquastete Art und Weise, wie bei manchen Strebern der Hamburger Schule, sondern eher spielerisch. Sie klingen oft wie die verschmitzte Einladung zu einer Bedeutungs-Schnitzeljagd, die fast immer bei guten Pointen und/oder deepen Feelings endet.
„Tiefe(r) ist ok / Aber bitte nicht in Blicken“
Klingt jetzt selbst ein wenig verquastet, aber lasst euch doch einfach mal die erste Strophe von „bitte nicht in blicken“ auf der Zunge zergehen: „Schau mich bitte nicht so an / Weil ich sonst nicht so gut kann / Sag mir lieber nicht zu viel / Es ist so schön wenn ich was fühl / Die Nacht sie reitet schnell / Und schon bald ist es zu hell / Deine Augen sind ein Land / In das ich lieber nicht gehen will.“ Ganz ehrlich: Ist ein One-Night-Stand, der bitte einer bleiben soll, jemals besser beschrieben worden? Ja, im darauffolgenden Refrain: „Tiefe(r) ist ok / Aber bitte nicht in Blicken / Es wird noch besser sein / Mit ein bisschen Luft dazwischen / Ich bin gekommen / Nur um wieder zu gehen / Du bist geblieben / Du bliebst in Strümpfen stehen.“
Echte, ungewollte Gefühle – ausgerechnet am Tag des Barsches
Während Song eins ihrer Doppelsingle also feiert, dass man die Gefühle auch mal beiseitelassen kann, wenn man sich nur für eine Nacht auf körperlicher Ebene verstehen will, „entrüstet“ sich Rahel in „Zum Tag des Barsches“ über eine Situation, in der vielleicht aus so einer Nummer dann doch mehr wurde, als ihr lieb war. Auch hier findet Rahel eine ganz eigene Sprache für das wohl am meisten ausgelutschte Thema im Deutschpop. Bei ihr klingt das so: „Ich saß da entrüstet / Hast du es geschafft / Ein Panzer ist was Schweres / Vielleicht hat was geknackt.“ Und weiter: „Die Leute sagen Sachen / Die uns gar nicht interessieren / Sind wir misanthrop / Oder was / Was ist hier passiert.“ Ein Rätsel bleibt allerdings der Titel: Wer nach einem „Tag des Barsches“ sucht, findet ein in Osnabrück ansässiges Angel-Online-Magazin, das angeblich die eigene Barsch-anbetende Freikirche namens „Church Of Perch“ gegründet und als solche in Niedersachsen den 14. November als „Tag des Barsches“ angemeldet hätte. Das dürfte Quatsch sein, weil man im Netz wirklich nur diese Spur und nun Rahels Song findet, aber hey! Wenn nun alle alle Jahre wieder zum Tag des Barsches „Zum Tag des Barsches“ von Rahel singen, sprechen auch wir das „Gebenedeit sei Dein Barsch!“ der Church of Perch mit …
Das neue DIFFUS Print-Magazin
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Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.