„Rap über Hass“: K.I.Z tun das, was sie am besten können
Als mit „Und das Geheimnis der unbeglichenen Bordellrechnung“ letzten Dezember die vielleicht vulgärste, unterhaltsamste und spannendste Musik-gewordene Geschichte aus 2020 veröffentlicht wurde, wurde die Frage, ob der spezielle Humor von K.I.Z in einer PC-Welt überhaupt noch zündet, mit einem Schlag beantwortet. Das Album wurde von Szene und Fans gleichermaßen aufgesogen und hochgelobt. Die Kannibalen in Zivil räumten zum Release ein, dass das kürzlich veröffentlichte Projekt als eine Art Appetizer für ihr am 28. Mai erscheinenden Album „Rap über Hass“ fungieren soll. Wie waschechte K.I.Z-Ultras bereits aus der öffentlichen Telegram-Gruppe von Maxim, Nico und Tarek vorab wussten, erschien heute die gleichnamige titelgebende erste Single samt blutrünstigem Musikvideo.
„Rap über Hass“ steigt ein mit einem Ausschnitt aus einer Rede des Bundestagsabgeordneten und ersten Geschäftsführers der AfD, Bernd Baumann, der sich im Zuge der #WirSindMehr-Veranstaltung über die Unterstützung des Bundespräsidenten Frank Walter Steinmeier echauffierte und Textzeilen von K.I.Z zitierte, welche er für „gewaltverherrlichend“, „deutschfeindlich“ und „christenfeindlich“ hält. Für die Klosterschüler im Zölibat ist das offenbar gefundenes Kanonenfutter, nehme man nur die ersten Zeilen des nubischen Prinzen: „Es sind 30 Grad, aus dem Benz kommt Baby-Geplärr / denn ich brate mir den Säugling gerade Medium-Rare / „Ich werd’ dich umbringen“ steht in meinem Tinder-Profil / Wenn ich sterbe, dann entsorgt mich auf der Mülldeponie / Ich schick’ deinen Opa, deine Tochter, deine Schwester ins Licht / doch es ist schwer richtig zu zielen wenn der Cadillac wippt“. Auf einem treibenden und düsteren Beat, der aus einer Zusammenarbeit der Drunken Masters, Nico K.I.Z und Torky Tork entstanden ist, ballern K.I.Z noch mehr menschenverachtende Quotables (Zeilen, die sich besonders gut zum Zitieren eignen) in unser Ohr, als wir bei dem Titel vermutet hätten – und wir lieben es. Das dazugehörige Video zeigt zunächst Tarek in einer düsteren Fabrik, welche „Rap über Hass“ Premium-Boxen am Fließband herstellt, scheinbar mit lila-funkelndem, energiegewordenem Hass füllt und bereit für den Transport macht. Als Nächstes können wir Maxim verfolgen, welcher auf einem heruntergekommenen Schlitten über den Wolken fliegt und als einäugiger und glatzköpfiger Santa eben erwähnte Boxen hageln lässt. Offensichtlich haben die Boxen einen teuflischen Effekt, denn kurz nach Erhalt bricht an einigen Orten zerstörungswütige Gewalt aus, von welcher der Reporter Nico live aus dem Krisengebiet berichtet. Kurz: Es ist ein K.I.Z Movie der obersten Klasse, aber seid gewarnt – Angucken auf eigene Gefahr!
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