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Reaktionen auf die „Anschuldigungen sexualisierter Gewalt“ gegen Feine Sahne Fischfilet

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Am Donnerstagmorgen der letzten Woche posteten Feine Sahne Fischfilet ein Statement, das für Unruhe sorgt. Unter einem Bild mit dem Slogan „Niemand muss Täter sein“ heißt es: „Wir haben mitbekommen, dass es eine Seite im Internet gibt, die vermutlich demnächst gegen uns verschiedenste Vorwürfe veröffentlicht. Wir wollen offen damit umgehen. Und wir wollen euch einfach sagen: Wir wissen nicht worum es geht, aber wir werden diese Vorwürfe ernst nehmen und uns damit auseinandersetzen.“

Dass man zumindest eine Ahnung hatte, in welche Richtung diese Vorwürfe gehen, konnte man aus diesem Satz herauslesen: „Uns ist bewusst, dass eine Band, die nur aus Typen besteht zu Problematiken führen kann. Genau aus diesem Bewusstsein heraus, haben wir verstanden, dass wir zuerst bei uns anfangen wollen und befinden uns hier mitten im Prozess.“

Am Ende des Beitrags wird auf eine Zusammenarbeit mit der Agentur „Misc Berlin“ verwiesen, die sich für kulturellen Wandel einsetzt und u. a. Mitarbeiter:innen in der Medien- und Musikbranche in Sachen „Diversity“ und „Empowerment“ und „Education“ einsetzt. Misc wurde im letzten Jahr gegründet – von drei Menschen, die in der Musikindustrie als feministisch, kritisch, engagiert und integer bekannt sind. Misc hatte schon mit der Plattenfirma Audiolith zusammengearbeitet, als das Label mit #metoo Vorwürfen konfrontiert war, die auf der Seite und unter dem Hashtag #audioleid diskutiert wurden. Feine Sahne Fischfilet schreiben, man arbeite „schon seit längerem mit Misc und anderen Menschen zusammen, die uns dahingehend beraten, sensibilisieren und uns immer wieder auch konfrontieren.“ An die Mailadresse awarenessfsf@miscberlin.com können sich „alle wenden […], die das Bedürfnis haben, Vorwürfe abzuarbeiten.“ Die Band werde dort nicht mitlesen.

Noch am Abend gingen dann die ersten Posts der besagten Seite online. Auf dem Instagram-Account @keinermusstaetersein und auf einem Blog mit dem Titel „Niemand muss Täter sein“ werden Feine Sahne Fischfilet, bzw. Jan Gorkow alias Monchi direkt, mehrmals als „Täter“ bezeichnet. Der Instagram-Account wurde wohl zuvor unter anderem Namen genutzt, um feministische Treffen für FLINTA* Personen in der linken Szene zu organisieren. Fast alle älteren Postings wurden gelöscht. In einem Posting am 3. Mai 2022 hieß es dann: „Letzte Woche haben wir angekündigt, dass wir alle Social Media Präsenz löschen werden. Jedoch wurden wir vor einigen Tagen von einer Gruppe angesprochen, die ein in unseren Augen starkes Ziel verfolgen will und dafür schnell Reichweite braucht. Da wir dieses Ziel absolut großartig finden und wissen, was für tolle Menschen uns hier folgen, geben wir unseren Account deshalb gerne an diese Menschen weiter.“ Es werde dabei „um jemanden gehen, den ihr wirklich alle kennt, viele die Gerüchte schon gehört und viele sich nicht getraut haben, gegen ihn und seinen Einfluss vorzugehen.“

Diese „Gruppe“ hat nun in ihrem Posting sehr deutliche Worte benutzt und nennt Monchi gleich mehrfach einen „Täter“. „Gegen Jan Gorkow gibt es Anschuldigungen sexualisierter Gewalt und des Machtmissbrauchs. Wir wissen, dass er ein Täter ist.“, heißt es. Aber: „Wir wollen hier allen Betroffenen größtmöglichen Schutz bieten und werden daher an dieser Stelle keine Einzelheiten über die Taten veröffentlichen.“ Später schreiben sie: „Wir sagen: Keine Bühne DEM Täter! Solidarisiert euch mit den Betroffenen sexualisierter Gewalt! Hinterfragt Jan Gorkow und die Rolle, die er sich mit seiner Band und dem Buch Niemals satt geschaffen hat!“ Außerdem schreibt man: „Sollten die noch bevorstehenden Termine seiner Lesereise ohne kritisches Hinterfragen und ohne Widerspruch stattfinden?“ Die Initiator:innen erklären am Ende des Statements, man werde bald eine E-Mail-Adresse einrichten und betont: „Uns liegt dieses Thema sehr am Herzen, da wir teilweise selbst betroffene Personen sexualisierter Gewalttaten sind.“

Aus dem Posting von @keinermusstaetersein wird nicht direkt klar, ob man das Label, die Band und das Management von Feine Sahne Fischfilet mit den Anschuldigungen konfrontiert hat: „Wir können das Handeln und das Schweigen des Labels audiolith, des Managements JKP und vor allem von Feine Sahne Fischfilet in keinster Weise verstehen und sind erschüttert, wie sich das öffentliche Bild dieser Person, die sich nach außen mit solidarischen und politischen Aktionen schmückt, halten kann.“

Die Band Feine Sahne Fischfilet hat in ihrer Instagram-Story auf die Vorwürfe reagiert und erklärt, dass bisher keine Vorwürfe an die Band herangetragen worden seien: „Liebe Leute, auch wenn wir gestern schon etwas dazu geschrieben haben, wollen wir euch auf dem Laufenden halten. Wir wurden von verschiedenen Menschen auf die Seite und die Ankündigungen hingewiesen, die gestern Abend Anschuldigungen gegen die Band und Monchi veröffentlicht haben. Darauf wollen wir reagieren – offen und transparent. Für uns ist das der beste Umgang mit diesen diffusen Anschuldigungen. Es gibt keine Vorwürfe, die an uns oder die extern betreute E-Mailadresse herangetragen wurden. Das wollen wir noch mal betonen. Wir werden uns weiterhin intensiv mit diesen Themen beschäftigen, versuchen zu lernen, nichts verschweigen und uns Konflikten stellen.“

Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Beitrags wurden keine konkreten Vorwürfe gegen die Band veröffentlicht – es gilt die Unschuldsvermutung. Auf unsere Interview-Anfrage an @keinermusstaetersein erhielten wir die Antwort, man wolle „betroffene Personen unterstützen und nicht das Augenemerk auf unsere Gruppe zu lenken.“ Deshalb werde man nicht für Interviews oder ähnliches zur Verfügung steht. Man werde die Anfrage aber gerne an die betroffenen Personen weiterleiten, wenn sichergestellt werden kann, dass der Schutz der Betroffenen an erster Stelle stehe. Eine Haltung, die man verstehen kann, wenn man noch in Erinnerung hat, wieviel Druck auf die Initiatorinnen von #deutschrapmetoo ausgeübt wurde.

Wenige Tage nach diesen Postings bekräftigen die Aktivist*innen noch einmal ihr Anliegen in einem Instagram-Post und richteten ebenfalls eine Kontaktadresse ein, die in dem Post zu finden ist.

Nun gibt es eine weitere Reaktion von Monchi beziehungsweise Feine Sahne Fischfilet, die auch die laufende Lesetour betrifft. In einem Posting auf der Instagram-Seite der Band schreibt er: „Ich merke, dass die diffusen Anschuldigungen eine große Belastung für mein Umfeld sind und ganz bestimmt auch für viele andere Menschen, die ich gar nicht sehe. Ich kann absolut verstehen, dass es für einige Läden, in denen ich lesen wollte, einfach eine beschissene Situation ist. Bis jetzt sind nach wie vor keine konkreten Vorwürfe an mich herangetragen worden, zu denen ich mich entsprechend verhalten könnte. Ebenfalls bin ich weiterhin bereit, mich konkreten Vorwürfen zu stellen und verantwortungsbewusst damit umzugehen.“

Update vom 31. Mai:

Mittlerweile haben sich Band und Monchi ein weiteres mal geäußert und bekräftigt, dass bisher keine konkreten Vorwürfen angetragen wurden. In einem Statement, dass über die Facebook-Seiten von Monchi und die Band sowie über die Instagram-Kanäle verbreitet wurde, heißt es unter anderem: „Trotzdem wollen wir klar betonen: es gibt keine Fälle der sexualisierten Gewalt, die von uns ausging und derer wir uns bewusst sind.Daher war es uns auch wichtig, von Anfang an zu signalisieren, dass wir ansprechbar sind. Und das gilt. Sollten Menschen mit konkreten Vorwürfen an uns herantreten, dann werden wir uns mit diesen verantwortungsbewusst auseinandersetzen. Genauso bedeutet das aber nicht, dass, wenn niemand auf uns zukommt, wir uns dann sagen, ‚Ach, is ja alles gut. Müssen wir uns doch nicht mit uns auseinandersetzen‘. Völlig unabhängig von den letzten Wochen wollen wir Sachen bei uns weiter verändern. Wir können einfach nicht behaupten, dass wir noch nie respektlos, peinlich oder sexistisch gegenüber Frauen gewesen sind.“ Das komplette Statement gibt es hier:

Wir werden die aktuellen Entwicklungen weiterhin im Blick behalten und mit euch teilen.

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