Saiya Tiaw veröffentlicht neue EP – sechs kurze Songs aus dem Wiener Winter
In den letzten zwei Jahren hat sich Ilja Danzinger mit geheimnisvollen und stillen Sounds zu einem heißen Geheimtipp entwickelt. Sei es die Musik, die er als Saiya Tiaw veröffentlicht oder die Songs, die unter seinem zweiten Alter Ego Danziger 99 entstehen – in Wien arbeitet der Musiker an einer verheißungsvollen Zukunft. Der Schmelztigel dieser Zukunft ist das Band- und Labelprojekt Neunundneunzig, das Ilja Danzinger mit seinem kreativen Partner Leonidas Braith alias Nicki Papa bildet. Beide schaffen es, ein Mysterium um ihre Personen und Kunst zu bewahren. So gibt es beispielsweise nur wenige, obskure Aufnahmen der Musiker. Wenn man sie sehen möchte, dann ist das auf ihren (wirklich eindrucksvollen und energetischen) Konzerten möglich.
Die Zurückhaltung von Ilja Danzinger passt jedoch sehr gut zu seiner Musik, in der er immer wieder Referenzen an die Rave-Kultur einarbeitet. Die euphorischen Synth-Melodien und flatternden Vocals kollidieren dabei mit der kühlen Ästhetik der Neuen Neuen Deutschen Welle und der Leichtigkeit von Cloudrap. Ilja Danzinger schmeißt unterschiedlichste Genres in einen Topf und kreiert dabei überraschende Sounds – so auch auf der neuen EP „Beton“, die er solo unter seinem Alias Saiya Tiaw veröffentlicht hat.
„Beton“ oder: Schweben im kurzweiligen Dämmerzustand
Zuletzt erschien im Jahr 2021 eine Solo-EP von Saiya Tiaw. Auf „tränen von dir“ sind damals sieben Songs zu finden, die meist keine zwei Minuten lang und oftmals mehr vage Ideen von Texten, Melodien und Gefühlen sind, als ganze Songs. Daran schließt die neue Veröffentlichung „Beton“ nahtlos an. Die EP ist eine kühle Momentaufnahme aus der Lebensrealität von Ilja Danzinger. In den wenigen, uns vorliegenden Informationen heißt es: „Für die zweite EP von Saiya Tiaw wird die Kulisse zum Titel. Der Musiker ist umgezogen. In eine dieser Gegenden, in denen der Wiener Winter wirkt, als käme er nur, um Betonfassaden und der kühlen Hektik der vierspurigen Asphalt-Straße eine kleine Ehre zu erweisen.“ Und genau diese Trostlosigkeit ist es, die Ilja Danzinger auf seiner neuesten EP in großartige Pop-Stücke komprimiert. Er braucht nicht viel um Emotionen auszulösen. Zurecht hieß es letztes Jahr schon „Neunundneunzig in dein Herz“.
Vor allem lebt „Beton“ aber von der oben angesprochenen Komprimierung. Wenn Ilja Danzinger im EP-Opener singt „Ja ich hab die ganze Nacht im Stiegenhaus verbracht und an dich gedacht“ und der Song in verstrahlten Trance-Klängen endet, möchte man direkt auf den „Replay“-Button drücken. Die Kurzlebigkeit seiner Songs führt dazu, dass man die Stücke immer und immer wieder hört, damit sich die melodramatischen Hooks nochmal ins eigene Herzen brennen können. Im Streaming-Zeitalter ein cleverer Schachzug, dennoch wünscht man sich bei der zehnten Wiederholung von „Eine Träne rinnt über dein Gesicht“ auch mal einen wirklich ausformulierten Track. Letztlich ist es aber auch genau das, was die Musik von Saiya Tiaw, Danzinger 99 und Neunundneunzig ausmacht. Sie gibt uns gerade so viel, wie wir brauchen, um anzubeißen.
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