„Subjektiv betrachtet“ sehr gut: Salò veröffentlicht sein Debütalbum
„Subjektiv betrachtet gibt es mich eigentlich gar nicht mehr“, was für eine Aussage, die Andreas Binder alias Salò da im Opener seines Debütalbums tätigt. Aber irgendwie kann man da manchmal doch relaten – in Anbetracht der kleinen Ärgernisse und Kuriositäten, die unser modernes Leben so kennzeichnen. Ob das verworrene Labyrinth des Online-Datings, der Schlussverkauf des Arbeitsmarkts oder die betonverliebte Industrialisierung, Salò kennt sie alle und führt sie uns auf „Subjektiv betrachtet“ vor.
Aber wie würde man das überhaupt musikalisch kategorisieren? Naja, fangen wir mal bei Post-Punk an. Die stoischen Basslines und verzerrten Gitarren geben dem, was man als Salòs Pop-Entwurf bezeichnen könnte, einen verschrobenen, ausgefransten Touch – ja nicht zu glattgebügelt! Aber doch, er hat ein klares Verständnis und eine Liebe für Pop, nur eben mit Ecken und Kanten, etwa in Form von minimalistischen Drum-Machine-Patterns und expressivem Gesang à la NDW.
Salò schafft es, Gefühle zu vertonen, die durch verschiedene Ebenen gehen: Themen von Liebe, Leid oder Lust verpackt er in Plattitüden, die beim genaueren Hinhören in die Tiefe gehen. Denn der Ort, „wo die Neurosen blühen“, scheint omnipräsent und die allgemeine innere Zerrissenheit lauert in jeder noch so kleinen Interaktion. Deswegen ist so ein Schwank aus seinem Leben erst unterhaltsam, dann ein wenig schmerzhaft und schlussendlich lacht man dann doch wieder drüber und denkt sich leicht besorgt „hmm, ja, stimmt schon, was der da sagt“. Aber naja, egal, bald existieren wir ja sowieso bestimmt schon nicht mehr, oder vielleicht ist das auch jetzt schon der Fall. Also ganz subjektiv betrachtet.
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