Sam Vance-Law: Auf „Goodbye” wird‘s persönlicher denn je
Es ist immer einfach, über andere zu reden. Aber was ist, wenn es mal nur um einen selbst geht? Wenn man sich nicht mit den Taten anderer, sondern nur mit sich selbst und seinen Gefühlen auseinandersetzen muss? Eine Phase, in der dieser Prozess der übereiferten Selbstreflexion wohl besonders oft eintritt, ist nach einer Trennung. Und genau so eine bringt Sam Vance-Law nach dem Release seines Debütalbums „Homotopia“ im Jahr 2018 nicht nur zum Nachdenken, sondern schließlich auch zu den Themen seines Folgealbums: Trennungsschmerz und Liebeskummer.
Sam Vance-Law – Homotopia
Doch genau hier muss sich Sam Vance-Law einer Schwierigkeit stellen, erzählt er: „Der größte Unterschied ist, dass ich auf ‚Homotopia‘ die Geschichten anderer erzählt habe. Dieses Mal hatte ich keine andere Wahl, als meine eigene zu erzählen.“ Mit der Veröffentlichung seiner Doppelsingle „Get Out / Been Drinking“ erhaschen wir nun einen ersten Blick auf das, was „Goodbye“ am 06. Mai thematisch so mit sich bringen und wie persönlich Sam Vance-Law auf Album Nummer zwei wird.
Erstes Kapitel
Bei dem Release einer Doppelsingle fragt man sich nicht ohne Grund, was den:die Künstler:in dahinter wohl dazu veranlasst hat, gerade diese beiden Songs zusammen zu schmeißen. Im Fall von „Get Out / Been Drinking“ liegt der Zusammenhang sehr nah, denn die beiden Songs erzählen aufeinander aufbauend das Ende einer Liebesgeschichte. Das erste Kapitel bildet „Get Out“: Ein Song über die Konflikte in einer Beziehung, die Wut, den Streit und das anschließende Vermissen. Und obwohl es auf Sound-Ebene mit 80er-Jahre Synthies und treibenden Drums munter zugeht und der Song positive Vibes versprüht, ist „Get Out“ thematisch absolut kein klassischer Feelgood-Track.
Im Musikvideo, das ebenfalls gemeinsam mit der Doppelsingle erschienen ist, wird genau das nochmal deutlich. Max Gruber aka Drangsal, der sich auch hier mal wieder in ein weiteres Indie-Musikvideo geschlichen hat, schlüpft in die Rolle des Ex-Partners von Sam Vance-Law. Gemeinsam stürzen sich die beiden ins Gefühlschaos, das irgendwo zwischen vergöttern, verabscheuen und vermissen, taumelt – durch die Gegend fliegende Rotweingläser und Tische inklusive.
Zweites Kapitel
Nach knapp dreieinhalb Minuten Laufzeit endet „Get Out“ und damit auch das erste Kapitel der Doppelsingle. Im Split-Video sehen wir passend dazu, wie die Kamera von einem Set ins andere Set, samt kleinem „Behind The Scenes“-Einblick schwenkt und so beginnt mit den ersten Tönen von „Been Drinking“ das zweite Kapitel des Liebes-Aus und die Phase der Einsamkeit. Sam Vance-Law findet sich allein in einer 1-Zimmer-Wohnung-ähnlichen Kulisse wieder und lässt die Beziehung, vor allem aber das Ende dieser Revue passieren.
„And I’m sorry to have to say / That I’m somehow glad it went this way / Cause I haven’t seen the man I loved / For so long / Cause sometimes love ain’t enough / Ain’t enough”, singt der Kanadier über die minimalistischen, schleppenden Klavier-Chords und verbreitet mit seiner wohlig-warmen Stimme diese ganz besonderen „Feuerzeug-in-die-Luft-und-mit-winken-Vibes“, die man von Konzerten kennt.
Die Doppelsingle „Get Out / Been Drinking“ beweist damit, dass uns auf Sam Vance-Laws neuem Album „Goodbye“ sehr persönliche und nachdenkliche Geschichten erwarten, aber auch, dass diese manchmal eine sommerlich-leichte und manchmal eine bedrückendere Atmosphäre versprühen werden.
Sam Vance-Law „No Love“ Tour:
16.05.2022 Leipzig – Naumanns
17.05.2022 Berlin – Hole 44
19.05.2022 Köln- Artheater
20.05.2022 Heidelberg – Queer Festival
21.05.2022 Esslingen – Dieselstrasse
23.05.2022 (AT) Wien – Chelsea
24.05.2022 Erlangen – E-Werk / Kellerbühne
25.05.2022 München – Milla
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