San Silvan und Steiner & Madlaina wünschen sich „Ein bisschen Frieden“
Das Schlager-Genre ist nicht zu Unrecht in unseren Kreisen etwas verpönt – obwohl so manche Indie-Jungs-Band hin und wieder auch ganz schön schlageresk zu Werke geht. Silvan Kuntz alias San Silvan und unser liebstes Schweizer Songwriterinnen-Duo Steiner & Madlaina haben sich trotzdem an einen Schlagerklassiker gewagt – und daraus eine Indie-Ballade gemacht, die so düster klingt, dass man mit einem bombastic side eye in Richtung Weltgeschehen durchaus beim Hören nervös werden kann.
Ein politischer Schlager aus dem Jahr 1982
Aber der Reihe nach: Silvan, Nora und Madlaina covern „Ein bisschen Frieden“ von Nicole. Der Song stammt aus dem Jahr 1982 und war der deutsche Beitrag beim Eurovision Song Contest im britischen Harrogate. Die damals 17jährige Sängerin Nicole gewann damit den ersten Platz. Produziert und komponiert von Ralph Siegel und geschrieben von Bernd Meinunger traf das Lied inmitten des Kalten Kriegs, des ersten Iran-Kriegs, des Falkland-Kriegs und des Libanon-Kriegs einen Nerv.
Die Melodie ist zwar fröhlich und reiner Schlager, aber der Text erstaunlich nachdenklich und im Kontext der Zeit politisch aufgeladen. Im Chorus heißt es: „Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen / Und dass die Menschen nicht so oft weinen / Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe / Dass ich die Hoffnung nie mehr verlier.“ Der Wunsch nach „Ein bisschen Frieden“ als leise hoffende Minimalforderung.
San Silvan: „Ich habe die Klangfarbe schon gehörig verdunkelt.“
San Silvan hat in seiner Version die Schlager-Vibes fast völlig gekillt. Sein „Ein bisschen Frieden“, für das er die befreundeten Steiner & Madlaina an Bord holt, klingt eher wie ein Song, den man in einer endzeitlichen Serie am Tag nach dem Atomschlag oder der Zombie-Apokalypse spielen würde, während die Kamera über Trümmerfelder und Leichenhaufen gleitet. Aber ehrlich gesagt kann man ihn auch sehr passend hören, wenn man sich nur kurz durch den Newsfeed gescrollt und von den aktuellen Kriegen und Konflikten im Sudan, in Israel, in Gaza, in Syrien, in der Ukraine, im Jemen und in Myanmar gelesen hat.
Silvan sagt dazu: „Es war anfangs gar nicht so einfach, einen musikalischen Zugang zu bekommen, weil das Original halt schon sehr schlageresk und fröhlich daherkommt. Mir war es wichtig, mir den Song zu eigen zu machen und etwas Neues zu schaffen. Der Text ist tatsächlich sehr präzise und klar, und er berührt mich auf eine besondere Weise – gerade auch im Kontext der aktuellen Weltlage, die ja von zahlreichen Kriegen und Konflikten geprägt ist. Ich habe die Klangfarbe der Strophen schon gehörig verdunkelt, und das Lied wechselt erst im Refrain zur originalen Melodie in Dur. So wurde das Lied mehr und mehr zu einer neuen, sehr eigenen Version, finde ich. Es ist zugleich zerbrechlich und emotional stark. Wir sind sehr gespannt, was der Song bei den Menschen auslösen wird.“

Steiner & Madlaina, die ab März auf einer von uns präsentierten Duo-Tour sind, erzählten uns ebenfalls, warum sie nur zu gerne beim Song mitmachten: „‘Ein bisschen Frieden und dass die Menschen nicht so oft weinen.‘ Da ist ja tatsächlich genau das, was wir uns alle gerade wünschen. Der Song drückt das so liebevoll und in den einfachsten Worten aus. Als Silvan uns seine eigene, düster-verzweifelte Version schickte, waren wir sofort berührt. Manchmal braucht es eben so eine Version, um den Text noch einmal neu zu hören. Wir freuen uns, dass wir mit Silvan diesen Song und das Video machen durften und fühlen uns geehrt, dass wir ein Teil von diesem speziellen und zeitgemäßen Cover sind.“
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