Schöne Bescherung für Rap-Fans: Überraschungs-Album von Little Simz
In den meisten Musikredaktionen glühen dieser Tage die Laptop-Tastaturen: Die Listen mit den besten Alben, Songs und allerlei anderem Kram wollen diskutiert und runter geschrieben werden oder sind sogar bereits fertig. Für alle Kolleg:innen, die dachten, sie seien hier schon durch: Herzliches Beileid. Denn kurz vor Jahresende crasht die britische Rapperin Little Simz nochmal die Weihnachts-Feier und veröffentlicht quasi aus dem Nichts ihr neues Album „No Thank You“.
„No Thank You“ zur Musikindustrie
Die LP kommt nur etwas mehr als ein Jahr nach dem Vorgänger „Sometimes I Might Be Introvert“, der Little Simz einen Mercury Award und die Aufmerksamkeit der internationalen Hip-Hop-Community eingebracht hat. Das perfekte Sprungbrett, um auf die nächste Etage zu kommen, aber Little Simz erteilt dem plötzlichen Ruhm eine Absage: “No Thank You“ funktioniert nach ihren eigenen Spielregeln und nicht nach denen der Industrie. Angekündigt hat die Rapperin aus London das Projekt erst am Wochenende via Instagram-Story, auf Vorab-Singles und aufwändige Musikvideos verzichtet sie völlig, das Cover ziert ein simples Analog-Portrait von ihr.
50 Minuten Spielzeit versteckt in elf Songs
“No Thank You“ zählt elf Songs, ziemlich tight möchte man meinen, aber auch hier überrascht Little Simz: Drei Stücke bewegen sich um die 6-Minuten-Marke, „Broken“ dauert sogar ganze siebeneinhalb Minuten. Trotzdem wird es hier nie zäh, was vor allem an Simz fokussierten Flows liegt, mit denen sie ihr Leben und Erleben als erfolgreiche, schwarze Frau im Vereinigten Königreich beschreibt, aber auch persönliches wie ihren Glauben verhandelt.
Große und kleine Momente
Dabei erscheint es nur passend, dass „No Thank You“ maßgeblich vom Gospel beeinflusst ist und immer wieder mit ausgedehnten Chor-Passagen aufwartet. Aber auch die großen orchestralen Arrangements, die wir schon von „Sometimes I Might Be Introvert“ kennen, finden hier wieder statt – eine beeindruckende Leistung, wenn man den kurzen Produktionszeitraum bedenkt. Am Ende sind es aber auch die ganz kleinen Momente, die „No Thank You“ abrunden, wie beim Closer „Control“, der mit einem bloßen Piano als Begleitung auskommt. Mit diesem Überraschungs-Album stellt sich Little Simz auf sympathische Art und Weise quer und veröffentlicht einen späten Anwärter auf das Album des Jahres beiläufig, als wäre es ein Mixtape.
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