Sero sucht nach Halt an seiner methaporischen „Wand“
Sein letztes Album „Regen“ erschien erst Ende November 2020, doch an eine Pause ist für den Schöneberger Rapper Sero scheinbar nicht zu denken. Denn mit „Wand“ veröffentlicht der selbst ernannte Regenmacher eine nagelneue Single, die nahtlos an die düstere Stimmung seines letzten Albums anknüpft. In „Wand“ besingt und berappt Sero diesen einen Menschen, der ihm (schon fast zu) nahesteht – so nah, dass nur ebenjene Person ihn zu verletzen und sein Herz zu brechen vermag. Gleichzeitig wird in „Wand“ eine konfuse Rastlosigkeit transportiert, die man sowohl im atmosphärischen Sound von Alexis Troy vernehmen als auch im Subtext lesen kann: „Ich drück‘ auf’s Gas, fahr‘ so schnell wie ich kann und ich halt‘ nicht an / In letzter Zeit weiß ich nicht mehr so ganz wo ich bin und wo lang / Ich verlier‘ die Kontrolle verdammt und ich glaub‘ ich verlier‘ meinen Verstand / Halt‘ mich auf, wenn du kannst. Bitte sei meine Wand“, heißt es treffenderweise in der Hook.
Sero – Wand
Mit seinem emotional anregenden Songwriting schafft es Sero, die Zweischneidigkeit und Macht von zwischenmenschlicher Nähe gekonnt auf den Takt zu bringen. Wie Mitglieder der Holygang sicher bereits in Erfahrung bringen konnten, stellt „Wand“ den ersten Vorboten auf das nächste Projekt von Sero dar, welches auf den ominösen Namen „Hello Darkness“ hören wird. Wir sind jedenfalls gespannt, was das Schöneberger Talent als Nächstes für uns in petto hat.
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