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Shirin David überrascht mit brutalen „Babsi Bars“

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Für Shirin David dürfte mit 2020 ein überaus erfolgreiches Jahr zu Ende gehen. Auch wenn sie mit „90-60-111“, dem kontroversen Release um „Hoes Up G’s Down“ und ihren Features mit Haftbefehl und Luciano gerade mal auf einer Hand voll Songs zu hören war, die wenigen Erscheinungen hatten es in sich. Mit ihren spitzen, provokanten, aber vor allem brutalen „Babsi Bars“ setzte Shirin David vergangenen Sonntag auf YouTube ein weiteres Statement, welches ihren vielen KritikerInnen und der Deutschrap-Szene gewidmet sein dürfte. In der Vergangenheit standen Blackfishing-Vorwürfe gegen sie im Raum und auch ein Feature mit Xavier Naidoo sorgte für viel Aufsehen. Während sie sich zum ersten Vorwurf zwar kaum äußerte, ließ Shirin diesen November immerhin ihren gemeinsamen Song mit Naidoo offline nehmen. Doch wie die „Babsi Bars“ zeigen, sollte das nicht ihr letztes Statement in diesem Jahr bleiben. „Von „Bei Gott ist sie sexy“ hin zu „Vallah, sie’s ’ne Schlampe!“ / Die deklarier’n ein’n Minirock zu maximaler Schande / Doch ’ne Frau mit Grips im Kopf wird abgetan zu ’ner Emanze (Ja) / Tanze einen Dirty Dance (Wuh), Spießer kriegen German Angst“ rappt eine hungrige Shirin im neuen Freetrack und räumt damit mal eben mit sämtlichen Hatern auf, die ihr vorwerfen ein schlechtes Frauenbild zu transportieren. Doch in den „Babsi Bars“, die Shirin scheinbar mal eben auf einen Beat von Juh-Dee & Young Mesh gespuckt hat, steckt noch so einiges mehr, was es zu erforschen gilt.

Shirin David – Babsi Bars

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Schon in den ersten Zeilen zeigt die Rapperin, wodurch sich ihrer Ansicht nach ein selbstbestimmtes Frauenbild trüben lässt: Nämlich durch Disney-Märchen und das Warten auf einen starken Prinz. Statt eines Schaumschläger-Prinzen hatte Shirin ihre Mutter. Auch raptechnisch kann ihr kein Mann mehr etwas vormachen. „Jeder Penner macht vor mir auf Playboy, so wie Charlie Harper / Aber ist bankrott und muss Steine pushen, wie Ali Baba / Trag’ ein’ feinen Stoff auf meiner Haut, so wie der Dalai Lama / Doch hab’ mehr zu bieten als einen dummen Reim auf Balenciaga“. Die Frage danach, wer hier für wen schreibt, lässt die Hamburgerin übrigens mit ihrer lockeren und doch unglaublich energetischen Performance im eigenen Homestudio bei violettem Zwielicht im Nu vergessen. Es ist egal wer Shirin zu diesen mächtigen Bars verholfen hat, schließlich ist sie diejenige, welche die Zeilen ausfüllt und verkörpert und das muss man erstmal schaffen.

Auch auf Attitüden-Ebene macht ihr niemand etwas vor. Protzende Zeilen, die Bezug zu aktuellen Rap-Ereignissen in Übersee nehmen, finden auf den mittlerweile auf Platz Zwei trendenden Babsi Bars genau so statt, wie empowernde Zeilen, die der schweizer Fußballspielerin Alicia Lehmann gewidmet sind. Gleichzeitig gibt sich Shirin David herrlich selbstreferentiell, erinnert nebenbei an die dreckige Wäsche, die sie bewusst nicht in der Öffentlichkeit wäscht und geht auf den Skandal um „Hoes Up G’s Down“ ein. Das wirklich Schöne an Shirins Babsi Bars ist aber der schiere Unterhaltungsfaktor. Deutschraps vermeintlich hartnäckigster Misfit fabriziert mit den „Babsi Bars“ ganz großes Hiphop-Kino und beschert Fans einen besinnlichen Rap-Moment. Shirin David ist unangepasst und zu extravagant, zu groß, schlicht zu „Supersize“, als dass alt-eingesessene RaphörerInnen ihren Aufstieg in den deutschen Hiphop Olymp verhindern könnten. Bis sie ihr Ziel erreicht hat, kann man sich wohl gerne noch das Maul zerreißen, doch wie schon damals bei Marshall Mathers, dessen ignorante Zeilen aus „The Way I Am“ sie zum Schluss zitiert, wird das nichts bringen. Shirin David ist zu unangepasst, zu „Supersize“, schlicht zu groß, als dass sie sich von alteingesessenen Oldheads aufhalten ließe. Ich bin jedenfalls geschockt und werde den Namen Shirin David so schnell nicht vergessen.

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