Skrillex erfindet sich neu: Gleich zwei neue Alben mit Yung Lean, Justin Bieber und vielen mehr
Wie kein anderer Künstler hat Skrillex in den 2010ern den Weg für Dubstep in den Mainstream und auf die großen Festivalbühnen geebnet. Eine Pionierleistung, die heute nicht immer positiv betrachtet wird, denn so wurde aus der einstigen spannenden Subkultur in kurzer Zeit der dröge Soundtrack für breit gepumpte Bro-Dudes auf Collegeparties. Aber auch Skrillex hat sich weiterentwickelt und fährt mittlerweile einen neuen Sound, den er uns nun im Doppel-Pakets auf den Alben „Don’t Get Too Close“ und „Quest For Fire“ vorstellt.
Brostep war gestern
Wer bei dem Namen Skrillex noch an kreischende Dubstep-Banger wie „Bangarang“ oder „Scary Monsters and Nice Sprites“ denkt, hat einiges an Nachhol-Bedarf. Schon seit einigen Jahren bewegt sich der DJ und Produzent weg von dem „Brostep“, den er selbst etabliert hat. So tat er sich 2015 gemeinsam mit Diplo zusammen, um das spannende Elektro-Pop-Projekt Jack Ü ins Leben zu rufen, das Hits wie „Where Are Ü Now“ mit Justin Bieber hervor gebracht hat. Für letzteren produzierte er außerdem das Erfolgsalbum „Purpose“, das eine Art Post-Teeny-Bieber-Ära einläutete.
Seitdem war es eher still um Skrillex, doch schaut man dieser Tage auf die Dubstep-Legende wird man Zeuge einer spannenden zweiten Blüte. Erst vor wenigen Tagen hat Skrillex gemeinsam mit Four Tet und Fred Again.. einen gigantischen Rave im New Yorker Madison Square Garden angekündigt – eine unwahrscheinliche, aber doch irgendwie stimmige Fusion von verschiedenen Bubbles wie auch Generationen von elektronischer Tanzmusik. Dass Skrillex auch bei neuen Releases inzwischen längst über den Dubstep-Horizont hinaus denkt, bewiesen schon seine letzten Singles.
Wobble Bass zum Zähne knirschen
Nun erschienen mit „Quest For Fire“ und „Don’t Get Too Close“ gleich zwei Alben an einem einzigen Wochenende, die diese These eindrucksvoll bestätigen und trotzdem auch die Fans von damals zufrieden stellen dürften. Denn vor allem „Quest For Fire“ enthält eigentlich alles, was das EDM-Herz begehrt: Wobble-Bässe zum Zähne knirschen, überraschende Sound-Effekte und spannende Feature-Gäste, mit deren Stimmen Skrillex umgeht wie mit Bausubstanz. Nur eben alles etwas subtiler und erwachsener, nicht mehr mehr so aufgedreht wie zu „Bangarang“-Zeiten, sondern mit sicherer, geübter Handschrift gezeichnet.
Keine Berührungsängste
Auf „Don’t Get Too Close“ gibt es weniger EDM-Drops und mehr klassische Songs im Pop- und Hip-Hop-Format. Hingucker sind auf beiden Projekten in jedem Fall die zahlreichen Features. Da gibt es große Namen wie Justin Bieber, Don Toliver, Swae Lee und Bibi Bourelly zu sehen, viel spannender sind aber diejenigen, die Skrillex aus einem gänzlich anderen Kosmos in seine Welt holt. Zeitgeistige Hyperpopper wie Yung Lean, Bladee und Porter Robinson, der erst 16-jährige Newcomer Prentiss, der aufstrebende Afrobeat-Star Beam, Drill-Ikone Chief Keef, Bedroom-DnB-Queen PinkPantheress und so weiter und so fort. Skrillex ist sich seines Erbes bewusst, weiß aber auch die zu schätzen, die in der nächsten Generation für Furore sorgen. Das ist nicht nur sympathisch, sondern sorgt für ausgefallene Kombinationen – und zwar auf einer Spielzeit von insgesamt eineinhalb Stunden.
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