Wiener Rapper T-Ser bezieht sich in „Block Brennt“ auf seine Erfahrungen mit rassistischer Polizeigewalt
TRIGGERWARNUNG: Die anfänglichen Sequenzen des Videos zeigen George Floyd unter dem Knie des weißen Polizisten. Vor allem auf unsere Schwarzen FollowerInnen könnte das traumatisierend wirken, daher haben wir das Video nicht verlinkt. Im Oktober 2018 hält der Wiener Rapper T-Ser mit seinen Kollegen ein Label-Meeting in einem Park ab – keine zehn Minuten dauert es, bis ein Streifenwagen der Polizei auf T-Ser und seine Freunde aufmerksam wird und schließlich Polizisten in besagtem Park auftauchen, um eine Ausweiskontrolle durchzuführen. Eine halbe Stunde werden T-Ser und seine Freunde ohne ersichtlichen Grund von der Polizei aufgehalten, zusätzliche Einsatzkräfte angefordet, um die Gruppe rund um T-Ser schließlich des Parkes zu verweisen. Während weiße ModeratorInnen in Talkshows immer noch diskutiert wissen wollen, ob sich die Polizei wirklich regelmäßig des Racial Profilings schuldig macht und ob Machtmissbrauch der Polizei ein Phänomen ist, das vor allem Rappern zuteil wird, trägt T-Ser in einer Diskussionsrunde im österreichischen Fernsehen die traurige Faktenlage vor: Insgesamt sieben Verfahren wurden gegen T-Ser und seine Kollegen eingeleitet, darunter eine Klage wegen Veröffentlichung eines Videos, dass den Vorfall im Park dokumentiert, außerdem Strafverfahren wegen Beleidigung, Rufschädigung und Ehrenbeleidigung, Anzeigen wegen Verletzung öffentlichen Anstands, aggressiven Verhaltens und Wiedersetzung einer Wegweisung und damit ist immer noch nicht alles aufgezählt, was dem Rapper zur Last gelegt wird. Auf eine Maßnahmenbeschwerde, die in diesem Rahmen von T-Ser und seinen Freunden gegen die Polizei ausgesprochen wurde, ist nie etwas zurückgekommen. Anderthalb Jahre nach diesem Vorfall, könnte der Künstler von einer handvoll neuer Fälle dieser Art erzählen, die ihm seitdem wiederfahren sind. Im Zuge der Aufmerksamkeit um den Mord an George Floyd und der öffentlichen Diskussion über das Thema Polizeigewalt gegenüber Schwarzen, teilt T-Ser einen Song auf Instagram, den er vor fast zwei Jahren im Kontext seiner eigenen Erfahrungen geschrieben hat. Das IGTV-Video zu „Block Brennt“ zeigt brennende Polizeiwagen, Amerika-Flaggen, Dollarscheine und Häuserzeilen, während T-Ser sich alles andere als eingeschüchtert von rassistischer, polizeilicher Willkür zeigt – „Wer will mir sagen, was ich tun oder lassen muss, bin und bleiben Revoluzzer, schönen Gruß an Verfassungsschutz“.
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