DIFFUS

Tagsüber Tanke, nachts Princess of SoundCloud: ketacat übernimmt den Underground

Tagged: Ketacat

Der Titel „beste neue Künstlerin“ passt bei Ketacat eigentlich nur halb. Denn Loraine aka Ketacat veröffentlicht nicht erst seit gestern Musik. Ihr erster SoundCloud-Track, übrigens ein Ukulele-Song, erschien schon vor neun Jahren. Der zweite Track aus 2017 ging dann bereits deutlich mehr Richtung Trap-Beat, auf dem dritten war dann schon ihr jetzt charakteristischer Rap zu hören. Ketacat war also nicht einfach Early Adopter der 2016er-DIY-Ästhetik, die gerade wieder überall auftaucht, sondern damals schon dabei. Dass die selbsternannte „Princess of SoundCloud“ heute als eine der spannendsten Stimmen aus dem deutschen Untergrund gehandelt wird, kommt also keineswegs aus dem Nichts.

Ketacat: Mehr als nur SoundCloud-Hype

Seit 2023 veröffentlicht Ketacat nicht mehr nur auf SoundCloud, sondern auch auf anderen gängigen Streamingplattformen. Ihr erster Track auf Spotify heißt „Oct28 :/“. Danach wurde die Diskografie schnell umfangreicher: 2024 erschien die erste EP „Girl Next Door“, ein Jahr später folgte „RUN IT BACK“. Dazu kamen die Alben „ROACHES“ und „SUPA NETT“. Darauf enthalten Songs wie „Sizzurp“ mit Miss Marla, inklusive Sample von Far East Movement und The Cataracs’ „G6“, sowie „Pop mir irgendwas“ mit BALTHASAR. Außerdem ist Ketacat mit mikeycyrus und Clarry Berry auf „OHR TUT WEH“ zu hören.

Underground-Artists wie LUVTHREX, Reverse Playback und Punk Christ haben ebenfalls schon Features mit ihr ergattert. Und als wären diese Releases nicht schon beachtlich genug, hat Ketacat diese Woche am 25.05. einfach noch ein ganzes neues Album, „Pink Cemetery“, gedroppt.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Das Genre Deutschrap weitet Ketacat gehörig aus, denn die Heidelbergerin liefert eine Mischung aus Rap, Trap und Mikrogenres wie Indiecore und Plugg. Dabei mischt sie deutsche und englische Texte mit verspielten Baton-Rouge-Type-Beats. Trotz klarer DIY-Ästhetik alles andere als trashy also. In „Ciabatta“ rappt sie: „Mein Sound geht bis nach Amiland“ – und damit liegt sie nicht falsch. Denn in ihren Kommentarspalten merkt man längst, dass ihre Tracks nicht nur im deutschsprachigen Raum ankommen. Dort betteln US-amerikanische und andere internationale Künstler:innen um Features.

Trotz ihrer langen musikalischen History hatte Ketacat ihre erste richtige Performance erst im September 2025 bei der dritten Big Franky Big Show in Düsseldorf. Inzwischen stand sie aber schon auf mehreren Bühnen, etwa beim „Keine Halben“ in Hamburg. Auch Ikkimel hat anscheinend ihr Potenzial gespottet: Im Dezember letzten Jahres spielte Ketacat in Mannheim als geheimer Support-Act für sie.

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Bei diesem Output könnte man meinen, Musik sei gerade ihr Main Hustle. Gleichzeitig macht Ketacat ziemlich offen klar, dass sie einem stinknormalen Job nachgeht. Sie hängt nicht wie RAPK an der Aral, sondern arbeitet dort. Auf TikTok postet sie Videos aus der Tankstelle. Zurecht heißt es in ihrem Track „Ciabatta“ also: „Ich bin ’ne independent Königin, die sich Sachen leisten kann.

Spätestens hier wird klar: Ketacat ist durch und durch selfmade. Auch in ihren Lyrics geht es immer wieder darum, Geld zu machen, rauszukommen und sich selbst etwas aufzubauen. „I’m chasing big big big, I want that happy ending / I wanna hand back mom what she handed me / Pay my debt and finally live a little“, rappt sie in „CYBER TRUCK“. Klingt nach einem guten Plan.

Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.