„Tangk“ von Idles: Eine Platte für die Liebe
Bereits die Vorauskopplungen des neuen Idles-Albums „Tangk“ sorgten für ordentlich Redebedarf. Melodische, Disco-ähnliche Parts statt rotzigen Passagen dominieren in „Dancer“, dem Feature mit LCD Soundsystem, das als erster Vorgeschmack veröffentlicht wurde. Und dann folgt der weiche, an Coldplay erinnernde Song „Grace“ (im Video sogar von Chris Martin selbst performt), der so gar nicht nach der brachialen Post-Punk-Energie klingt, für welche die Idles so bekannt sind.
Vielfältiger, offener, lieber
Machen die Briten jetzt also Pop? Ja und nein. „Tangk“ ist ein Album der Experimentierfreude, auf dem sich die Gruppe reifer und offener zeigt als je zuvor, sowohl neuen Sounds als auch anderen Themen gegenüber. Denn laut Statement des Sängers Joe Talbot ist die Platte der Liebe gewidmet – was noch lange nicht heißt, dass jeder der elf Tracks einen ruhigen Lovesong-Charakter hat.
Während das Intro „Idea 1“ zwar fast schon unheimlich ruhig daherkommt und man förmlich auf die Explosion wartet, die aber einfach nicht kommt, dürfte bereits der zweite Song „Gift Horse“ alle eingefleischten Idles-Fans beruhigen. Denn sie ist noch da, die pöbelnde Hau-Drauf-Energie Talbots. Der Song schafft endlich Abhilfe und fährt mit verzerrten Gitarren, starken New-Wave-Einflüssen und vollem Band-Sound ordentlich auf.
Das bislang reifste Album
Der Nachfolger des Grammy-nominierten Albums „Crawler“ aus 2021 ist alles andere als ein Fanpleaser und entwickelt sich trotz eindeutig düsterem Ansatz in viele verschiedene Richtungen weiter. Der Track „Roy“ zum Beispiel lockt eingängige, melodische Vocals aus dem Frontmann hervor, mit denen er in der von verzerrten Gitarrenriffs eingeläuteten Hook fast schon an Bands wie die Arctic Monkeys erinnert. „A Gospel“ stellt eine träumerische Piano-Melodie in den Vordergrund, der mit verschiedenen Effekten ein unheilvoller Vibe gegeben wird. In den reduzierten, gehauchten Lyrics widemt sich Joe Talbot, wie auf dem gesamten Album, der Liebe – in diesem Fall leider in ihrer unglücklich, bitteren Form.
Anstatt die Musik in irgendeiner Form zu verwässern, schafft es „Tangk“ vielmehr, die Soundpalette der britischen Band zu erweitern und einen Schritt weg vom sonst gesetzten Post-Punk der vergangenen vier Alben zu machen. Vielmehr genießen die Idles auf dem Werk die wohlverdiente Narrenfreiheit, die man sich über die Jahre völlig zurecht mit starken Releases erarbeitet hat. Auf „Tangk“ ist vieles anders – aber auch vieles sehr gut.
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