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Tidal macht Welle: Neues Bezahl-Modell soll für mehr Fairness sorgen

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Erst in der letzten Woche war Spotify mit dem Jahresrückblick „Wrapped 2021“ in aller Munde. Die meist gehörten Künstler:innen und Songs sorgten für angeregte Gespräche und Diskussionen, aber darunter mischte sich auch immer wieder Kritik am Streaming-Giganten. Viele Musikhörer:innen machten ihrem Ärger via Social Media Luft, ganz nach dem Motto: Ein Feature wie Wrapped ist schön und gut, aber kümmert euch doch endlich mal um eine faire Bezahlung der Künstler:innen. Dieser Problematik möchte sich nun ein anderer Streaming-Anbieter annehmen: Tidal. 

Vor einigen Wochen hat die Streaming-Plattform schon mal via Instagram zwei Neuerungen eingeführt. Diese wurden jetzt in einem neuen Post noch einmal aufgegriffen und weiter erklärt: Fanbasierte Tantiemen und direkte Künstlervergütung. Aber was genau meint das? 

Das Pro-Rata-Modell

Um hinter diese sperrigen Begriffe zu steigen, sollte man sich zu erst das Bezahlungs-Modell anschauen, das aktueller Standard bei allen gängigen Streaming-Plattformen ist: Das Pro-Rata-Modell. Hierbei werden die Streams aller Nutzer:innen zusammen gezählt und anteilig an die Künstler:innen ausgezahlt. Das Problem daran: Alle Streams landen quasi in einem gemeinsamen Pool. So weit, so gut. Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass man beim Hören indirekt Artists bezahlt, die man nie gestreamed hat. So richtig fair und befriedigend fühlt sich das nicht an.

…muss weg

Hier will Tidal mit einer neuen Methode Abhilfe schaffen: Die oben erwähnten fanbasierten Tantiemen. Damit schüttet die Firma die Einnahmen der Streams völlig personalisiert aus. Wer Haftbefehl hört, kann sich sicher sein, dass sein bzw. Ihr Geld auch wirklich an Haftbefehl und nicht an Helene Fischer geht. 

Außerdem möchte Tidal in Form der direkten Künstlervergütung noch einen Drauf setzen. Jeden Monat sollen bis zu 10% der Abo-Gebühr direkt an denjenigen Artist gehen, den man am meisten gehört hat. Damit kann man also seine:n Lieblingskünstler:in durch besondere Loyalität und häufiges Hören nochmal zusätzlich unterstützen.

Fairness hat ihren Preis

Wo kommt also der Haken? Vorerst hat Tidal diese beiden Neuerungen nur für Nutzer:innen ihres Premium-Angebots „HiFi Plus“ eingeführt. Das kostet alllerdings statt den üblichen 10€ satte 20€. Wie angemessen diese Bepreisung ist, darüber lässt sich streiten. So oder so bleibt abzuwarten, ob den Hörer:innen die faire Bezahlung der Musiker:innen so viel wert ist, dass sie bereit sind die doppelten Abo-Gebühren zu zahlen. Gerade „Casual“-Hörer:innen, die nicht besonders tief in der Materie stecken und einfach ab und an Musik hören wollen, werden diesen Schritt wohl kaum gehen. Zusätzlich hat diese Exklusivität eine gewisse Ironie: Tidal möchte für mehr Fairness sorgen, teilt die Hörerschaft damit aber in zwei Klassen.

Aber wer weiß, vielleicht weitet Tidal dieses Angebot ja auch auf das normale Abo aus, wenn das Modell gut anläuft und viele Anhänger:innen findet. Schon jetzt äußern sich viele Musiker:innen positiv und teilen auf den sozialen Medien mit, dass man sie neben dem Kauf von Merchandise, Tonträgern und Live-Tickets mit Streaming via Tidal am Besten unterstützen könne.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Wenn ihr es besonders ernst mit eurem Musikkonsum nehmt und möchtet, dass eure Lieblingskünstler:innen Essen auf dem Tisch haben, schaut euch die Neuerungen bei Tidals Premium-Abo mal genauer an. Wenn euer Geldbeutel dann doch eher Modell „Gähnende Leere“ ist, wartet erstmal ab und behaltet die Sache trotzdem im Auge. Denn vielleicht hat das Pro-Rata-Modell ja wirklich langsam ausgedient und muss in Zukunft Platz machen für fanbasierte Tantiemen als neuer Standard.

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