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Trainspotting, Festivalhopping und Newsdropping

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Hallo zusammen!

So langsam kommt der Teil des Sommers, in dem uns die Festivalsaison schon ein bisschen in den Knochen steckt. Keine Panik, wir können und wollen noch ein paar weitere besuchen. Aber die Redaktionsreisenden, die auf dem Way Out West in Schweden, dem Øyafestivalen in Norwegen und natürlich dem von uns heiß geliebten MS DOCKVILLE in Hamburg waren, würden an diesem Montagmorgen sicher unterschreiben, dass sie alle mal einen Tag brauchen, an dem man den Akku aufladen und die Euphorie einsinken lassen kann. Auf dem MS DOCKVILLE hatten wir allerdings zum Glück spannende Unterstützung in der Berichterstattung: Der von uns sehr geschätzte Johnny Mahoro hat unseren Insta-Account übernommen und viele Behind-the-Scenes-Storys gepostet. Das Gute an einem Open-Air-Besuch bleibt ja weiterhin die Chance zur kurzen Realitätsflucht. Klar, gute Festivals machen auf ihrem Gelände auch Politik zum Thema, aber da sind wir zumindest so von guter Musik abgelenkt, dass wir nicht allen Scheiß im Internet mitkriegen. Und da war wieder einiges los! Wir wissen zum Beispiel immer noch nicht, ob wir schreien oder weinen wollen über die Geschehnisse rund um die Volksbühne hier in Berlin. Wer es nicht mitbekommen haben sollte: Dort ist gerade das „Volksbad“ aufgebaut, eine eigentlich sehr smarte Aktion, die man zugleich als reines Schwimmbad nutzen kann. Dort hatte am Freitag der Verein Each One Teach One, ein Community-basiertes Bildungs- und Empowerment-Projekt für People of Color, das Bad für zwei Stunden gemietet, um einen Safespace für schwarze Kids zu schaffen. Die junge CDU-Kommunalpolitikerin Aileen Weibeler hatte daraufhin ein Insta- und TikTok-Video hochgeladen, in dem sie sich beklagte, dass sie dann dort exakt zu diesem Termin nicht schwimmen dürfte. Sie fühle sich diskriminiert. Was ihr anscheinend in anderen Freibädern nie passiert, wenn mal das Rentnerschwimmen angesetzt ist oder ein Sportverein trainiert. 

Ganz ehrlich, wir hatten das Video erst für Satire gehalten, aber sie meinte das wirklich todernst. Beziehungsweise: Sie sah eine gute Gelegenheit, den rechtskonsverativen bis rassistischen Teil ihrer Follower:innen zu triggern. Damit setzte sie etwas in Gang, das wieder einmal zeigte, wie am Arsch unsere Gesellschaft gerade ist, wenn sie vornehmlich im Internet „diskutiert“. Rechte Medien, die gut getrimmte AfD-Empörungsbubble und sogenannte „Medien“ wie NIUS, machten einen Skandal draus – und am Ende musste das Event aus Sicherheitsgründen abgesagt werden. Aileen ist seitdem abgetaucht und hat sicher gerade auch keine gute Zeit im Internet, aber zu viel Mitleid fällt da irgendwie schwer. 

Was uns am meisten aufregt – bei diesem Thema und bei vielen anderen – ist diese immer größer werdenden Diskrepanz zwischen dem Leben da draußen und dem, was das Internet daraus macht. Dieser geifernde Mob, diese Empörung, dieses völlig nachlässige Herumschmeißen von Wörtern wie „Apartheid“, diese so offensichtliche Zuspitzung einer ganz normalen Aktion, die bei anderen Vereinen niemanden gestört hätte, dieser immer unverhohlener gezeigte Rassismus, das Hochschaukeln der Bubbles und die ganz bewusste Verstärkung von Medien wie zum Beispiel der BILD-Zeitung – das alles ist so frustrierend, dass wir manchmal am liebsten fordern würden: Alle raus aus dem Internet! 

Oder besser: Da nur noch über Dinge lesen, die ihr liebt. Musik zum Beispiel.

Irvine Welsh reagiert auf „Trainspotting” und „Men in Love”

Mit „Trainspotting“ hat Irvine Welsh Anfang der 90er eine Geschichte geschrieben, die weit über die Literatur hinaus Popkultur geprägt hat. Danny Boyles Verfilmung machte Renton, Sick Boy, Spud und Begbie endgültig zu Kultfiguren – und ist bis heute genauso eng mit ihrer Musik verbunden wie mit ihren Bildern. Für unsere neue Reaction haben wir den Autor deshalb mit Szenen aus „Trainspotting“ und natürlich seinen neuen Roman „Men in Love“ konfrontiert.

Unsere Lieblingssongs der Woche

Dani Lia und Yola bleiben musikalisch und zwischenmenschlich ein wundervolles Team – auch wenn die Teaser-Videos zu „disstrack“ uns immer das Gegenteil weismachen wollen. Der 22jährige Berliner Mika Noé hat mit „new york / berlin“ den bittersüßen Schmerz einer Trennung perfekt eingefangen und wir fragen uns wieder einmal: Was wäre Popmusik bloß ohne Heartbreaks? Zwischen Dreampop und Shoegaze schwebt Lone Aires auf „Alone“, das auch der Titeltrack seiner kommenden EP werden wird. Summer Cem und Shirin David erteilen den Hatern und Neidern mit „MO‘ MONEY MO‘ HATERS“ eine Lektion. Last but not least: selenes Indie-Banger „du bist schön“, die allen performativen Pseudo-Feministinnen sagt: „du bist und bleibst ein Hundesohn.“

Album der Woche: Phoebe Bridgers – Lost Weekend

Auf „Lost Weekend“ blickt Phoebe Bridgers auf sechs turbulente Jahre zurück, in denen sich Trauer, Beziehungen, Familie und persönlicher Wandel immer wieder überlagern. Musikalisch bleibt sie ihrem melancholischen Indie-Pop treu, öffnet den Sound aber stärker für Ambient, elektronische Verfremdungen und große, flächige Arrangements. Statt alles bis ins Detail auszuerzählen, reiht Bridgers Erinnerungen, Beobachtungen und Gefühle aneinander und lässt dabei immer wieder Platz für trockenen Humor und kleine absurde Momente.

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Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.