Videopremiere: Alexander Winkelmann und das Wettrennen der Spielzeugfiguren
Die Kunst war eine beständige Konstante im Leben des in Berlin lebenden Alexander Winkelmanns. Der früherer Design-Student versuchte sich an den bildenden Künsten, aber irgendwie war es auch immer die Musik, die ihn seit seinem 16. Lebensjahr durch einen Auslandsaufenthalt in Alabama begleitete. Die Verbindung aus Wort und Ton wurde irgendwann zu seiner Form des Ausdrucks. Denn zu erzählen hatte er schon immer aus seinen selbstkreierten Universen. Musikbegeisterteren könnten eventuell auch frühere Songs unter dem Sammeltitel „Das Neue Album“ bekannt vorkommen. Jetzt wird es jedoch noch ernster um die Musikkarriere, denn mit „Babies“ erscheint nun ein Song des kommenden offiziellen Debütalbums „Danke der Nachfrage“.
Der Plot-Twist liegt in den eigenen Händen
„Wenn Du denkst das wird nix mehr, wird’s noch was“ ist wohl die prägnanteste Zeile des Songs und fasst das Stück auch sehr gut zusammen. In „Babies“ geht es um das Leben und das genau dieses in den eigenen Händen liegt. Man selbst entscheidet also wohin es geht und es ist dabei nie zu spät für eine 360° Wende, egal wie verfahren oder dunkel alles gerade erscheinen mag, denn die Hoffnung stirbt zuletzt heißt es doch so schön.
Man kann nur Vermutungen anstellen, ob diese Songzeile auch auf Alexander Winkelmann zutrifft, doch trotz aller Banalität ist es doch sehr auf den Punkt gebracht. Der Feststellung fügt er folgend hinzu: „Es geht weiter, immer weiter, bis es nicht mehr weitergeht“. Was auf den ersten Blick sehr naiv klingt ist auf den zweiten eine sehr heruntergebrochene und ungeschönte Essenz des Lebens. „Babies“ wirkt wie das auf Blatt Papier gebrachte Gedankenkarussell, dass sich immer wieder um dieselben Wörter im Kreis dreht.
Genauso repitetierend sind die hämmernden Drums und die dröhnenden Gitarren, die verstärkt werden durch die unverkennbare Stimme vom Alexander Winkelmann. Mittels der charaktersitischen Stimmfarbe und Aussprache dringen die hellen und kratzigen Worte in die Köpfe und brennen sich dort ein.
Alexander Winkelmann – Babies
Nicht weniger auffällig ist das farbenfrohe Musikvideo, welches in Zusammenarbeit mit Stefan Korsinsky (Expander Film) entstanden ist. Vielleicht haben den Künstler die Kindheitserinnerungen an seine Actionfiguren dabei inspiriert, jedenfalls findet im Musikclip ein Rennen der Spielzeuge statt. Gestaffelt machen sich die auf hochglanzpolierten und aufziehbaren Gestalten auf den Weg. Ohne jede Rücksicht wird dabei durch die verschiedensten Fortbewegungsarten in eine Richtung gestartet, egal ob intuitiv und schnell oder mit langsamen und ausdauernden Schritten. Am Ende gleicht das Spektakel einem Schlachtfeld zwischen Stillstand, Bewegung und dem Fall.
Eine weitere Analogie für das Leben: Den jeder Mensch startet mit unterschiedlichen Voraussetzungen und begibt sich auf seinen Weg, ob nun gemeinsam oder einsam, mit kämpferischen Ellbogen oder der ausgestreckten helfenden Hand einem Ziel entgegen. Am Ende stellt sich nur die Frage, ob die finale Linie für jede:n eine andere ist, oder ob es endet, wie im Video im weißen Licht.
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