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Videopremiere: Die Wände liefern Post-Punk in Graustufen

Posted in: Premieren
Tagged: Die Wände

Die Wände waren zuvor als Girlie bekannt und gründeten sich 2013 unter diesem Namen. Damals studierten alle drei Mitglieder der Band in Berlin an der Universität der Künste. Wie es eben oft ist, fanden Carsten von Postel, Jann Petersen und Mathias Wolff eher durch Zufall zueinander. Mit Wurzeln in verschiedenen Musikrichtungen verband die drei Studenten, dass sie alle neu an ihrem jeweiligen Instrument waren. Der gemeinsame Nenner war dann Post-Punk und alternativer Indie nach dem Vorbild von Kult-Bands der 80er und 90er wie Sonic Youth oder Dinosaur Jr. 

In diesem Sound probiert man sich mit zwei EPs aus, bevor die Band dann 2019 alles auf Neuanfang setzt. Aus Girlie wird Die Wände, die englischen Texte werden deutsch. In diesem neuen Gewand erscheint im selben Jahr das Langspieler-Debüt des Trios: „Im Flausch“. So flauschig klingt das allerdings gar nicht, stattdessen gibt es ruppigen Band-Sound in klassischer Besetzung: Gitarre, Schlagzeug und Bass.

Nach ihrem Debüt gehen Die Wände nun in eine neue Schaffensphase über und veröffentlichen heute ihre erste Single seit zwei Jahren: „Müssen nur Sollen“.

Die Wände – Müssen nur sollen

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Zwischen Post-Punk und Wir Sind Helden-Hommage

Wie wir alle, wurden auch die Jungs von Die Wände eiskalt von der Pandemie erwischt. Rückzugsort und Anker im surrealen Alltag der Pandemie wird der Proberaum der Band. Hier werkeln Die Wände fleißig weiter, während die Straßen draußen wie leer gefegt sind. Tage ziehen sich in die Länge, Monate fliegen schlagartig vorüber, das Konstrukt „Zeit“ wird noch abstrakter als es ohnehin schon ist.

Diese Isolation und das Gefühl einer kollektiven Flaute kommt gleich zu Beginn ihrer neuen Single auch auf. Straßenlaternen, Wohnblocks und vereinsamte Industrie-Anlagen ziehen im Nebel vorbei während uns ein Grunge-Riff auf „Müssen nur sollen“ einstimmt. Mit diesem Titel und nicht zuletzt dem repetitiven Refrain erscheint wie die düstere Kehrseite zum Wir Sind Helden-Klassiker „Müssen nur wollen“. Statt deren Gitarren-Pop liefern Die Wände morbiden Post Punk, der wie eine Maschinerie vor sich hin grummelt. Über diesen stoischen Apparat erhebt sich die helle Stimme von Carsten von Postel mit nachdenklichen, kryptischen Zeilen. 

Albtraum-Material

Im zugehörigen Graustufen-Video irren zwei surreale Gestalten durch eine menschenleere Stadt – vielleicht inspiriert durch die vergangenen Corona-Lockdowns, die ja zeitweise auch mit Ausgangssperren verbunden waren. Die beiden Figuren sehen aus wie aus einem Albtraum entsprungen: Die übergroßen Köpfe erinnern an Insekten oder Vogelschädel, in den schwarzen Gewändern funkeln kleine Lichter. Diese Darstellung lässt viel Raum für Interpretation – genau wie der Song an sich.

Sicher ist aber: Die Wände sind zurück aus der Corona-Pause und haben neben „Müssen nur wollen“ gleich ein ganzes Album gemacht. Das soll dann im kommenden Frühjahr erscheinen und mehr vom kernigen Band-Sound bereit halten, der die Wände ausmacht.

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