Videopremiere: Dottie Andersson löst sich von den „Heavy Objects“
Wer kennt es nicht: Selbst, wenn wir denken, dass wir eigentlich ganz zufrieden mit unserem Leben sind, gibt es da Dinge, die doch immer wieder zum Vorschein kommen und uns belasten. Dottie Andersson bezeichnet diese als „Heavy Objects“, die sie herunterziehen, und für sie ist klar, wie man mit ihnen umgehen sollte: Denn obwohl es in diesen Momenten schwer ist, sich aufzuraffen und etwas zu tun, ist es doch die beste Lösung, sich aktiv diesen Problemen zu stellen und sie loszulassen. Selbst bei kleinen Sachen wie saurer Milch, die schon ein paar Tage zu lang im Kühlschrank steht, ist der Akt des Wegkippens für Dottie sehr befreiend. „In ,Heavy Objects‘ geht es darum, nicht den Bullshit anderer Leute zu tragen. Nicht deren schwere Gegenstände anzunehmen, sondern nur zu schweben“, schreibt sie auf Instagram.
Ein überzeugendes Debüt
Dass die Singer-Songwriterin aus Småland (nicht das bei IKEA, sondern tatsächlich eine Provinz in Schweden) mit „Heavy Objects“ erst ihre Debüt-Single präsentiert, überrascht. Denn dafür ist der Sound schon ziemlich gefestigt. Indie-Pop, der gleichermaßen Elemente aus Indie-Rock der 2000er wie auch elektronischerem Pop einfließen lässt. Im Arrangement schwingt auf jeden Fall ein wenig Lucy Dacus mit, als Inspirationen gibt sie aber auch Bon Iver oder Caroline Polachek an. Und zugegeben: musikalisch unerfahren ist Dottie nicht, schließlich durfte sie in ihrer Band Ason, die sie mit ihren jüngeren Schwestern hatte, auch schon als Support für Milow oder Matt Simons spielen.
Musikalische Sorglosigkeit
Eine ähnliche Leichtigkeit, wie durch das inhaltliche Loslassen erzielt wird, findet sich auch im Instrumental wieder. Es geht mehr in Richtung der Indie-Rock-Seite von Dotties musikalischem Spektrum, trotzdem fühlt sich der Song total luftig und sorglos an. Na ja, nicht ganz sorglos: Die Strophen wirken etwas reserviert, ihre Stimme klingt ermüdet, doch der Refrain fühlt sich groß und optimistisch an. Wie der Moment, in dem man sich dann eben endlich vom Ballast löst. Über die trockenen Drums, Basslines und Rhythmus-Gitarren kommen hohe Lead-Gitarren mit viel Hall, die das Ganze auflockern und ein paar Sonnenstrahlen hereinlassen.
Wie das Musikvideo, eine spontane One-Take-Aufnahme, die lediglich Dottie Andersson beim Singen und Tanzen in einem weißen Raum zeigt, funktioniert der Song vor allem wegen seiner Simplizität. Zwei Strophen, zwei Refrains, am Ende nochmal wiederholt und das war’s. So einprägsam der Song auch ist, so schnell geht er wieder vorbei, nur zwei Minuten nimmt Dottie sich für die „Heavy Objects“ Zeit. Dadurch sieht man sich aber auch umso öfter den Repeat-Button drücken.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.