Videopremiere: Fluppe bewegen sich zwischen Euphorie und Niedergang
Die Gruppe Fluppe ist nicht nur musikalisch eine richtig gute Indie-Rock-Band aus Hamburg, sondern glänzt immer wieder mit kreativen Sprachzusammensetzungen im Songwriting. Bestes Beispiel: Ihr Song „Aals“, der den Aal, also das Tier und den Begriff „Aas“ miteinander verbindet. Mit der neuesten Single „Williams Christ Superstar“ bleiben sie ihrem Erfolgsrezept treu und setzten diesmal wesentlich leichter zu erkennen auf den Birnen Schnaps und das Musical „Jesus Christ Superstar“.
Ein Erklärungsversuch
Warum gerade diese Konstellation? Ein Erklärungsversuch: Fluppe haben ihr Debütalbum aufgenommen und sich zur Aufgabe gemacht, die Euphorie und den damit auch zu erwartenden Niedergang einzufangen – quasi die Achterbahnfahrt des Lebens auf elf Songs, zusammengefasst unter dem Namen „Blüte“ . Was wäre als Inspiration also passender geeignet als das neuronale Hoch im Alkoholrausch, dass gegen Ende des Abends einer Talfahrt entgegensieht, genauso wie in dem Musical, nur eben weniger theatralisch.
Mit dem Musikvideo bekommt „Williams Christ Superstar“ jedoch noch eine zusätzlich Metaebene, denn vermutlich sprechen die vier Bandmitglieder darin den Beginn ihrer musikalischen Karriere an, den sie sozusagen gerade in der „Blüte“ sehen.
Fluppe – Williams Christ Superstar
Es beginnt dabei alleine singend in der Dusche, doch wie es der Zufall so will, findet alles seinen Weg und die vielen Hände der Bandmitglieder finden in der Stadt zusammen. Das geschulte cineastische Auge erkennt in den schwarz-weißen Sequenzen sogar die Kamera von Arthur Gepting in der Reflexion des Duschkopfs.
Doch mit dem „Williams Christ in meiner Birne / Die volle Blüte mittelspät“ wurde die Option Musik erst mal auf die Ersatzbank des Lebens gestellt und nur an wenigen Tagen an den eigentlichen Positionen auf dem Spielfeld aufgestellt. Metaphorisch wird das auch visuell noch mal aufgegriffen, sodass die komplette Band als Projektion hinter dem Sänger performt.
Im Songwriting wird also auf Metaphern gesetzt, um das eigene musikalische Feuerwerk zu verdeutlichen, das zu lange in einem selbst gebrodelt hat, bevor es endlich mit folgenden Worten in der Öffentlichkeit entzündet wurde: „Es ist alles da, wir sind frei und wir sind jung“. Die ganze Euphorie wird durch die drängenden Gitarrenriffs spürbar und bei diesen Tönen wird die Vorfreude um das im Herbst erscheinende Debütalbum „Blüte“ noch ein Stückchen größer.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.