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Videopremiere: Hendrik Otremba ist „Der Gräber“ einer vergangenen Zivilisation

Posted in: Premieren

Ein erfahrener alter Hase begeht neue Wege: Hendrik Otremba kennt man bisher vor allem als Sänger der Band Messer, die auf der Basis von Post-Punk verschiedenste Einflüsse zu einem vielfältigen künstlerischen Portfolio morpht. Nun aber tritt er auch allein ins Rampenlicht, um sein erstes Soloalbum „Riskantes Manöver“ zu veröffentlichen.

Solo setzt Hendrik sich, wie mit der Band, keine Genregrenzen. „Der Gräber“ etwa ist ein schleppender Art Rock-Song, getragen von sanften Drums und einem ruhigen Gitarren-Arpeggio, doch unterschwellig brodeln unheilvolle, atmosphärische Ambient-Flächen. In der zweiten Hälfte bricht der Song dann aus in eine donnernde Dissonanz aus wilden Free Jazz-Bläsern.

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Spurensuche in der Dystopie

Das Musikvideo, im Stil eines alten Expressionismus-Films gehalten, passt wie angegossen auf die theatralische und experimentelle Natur des Songs. Protagonist des Videos ist Hendrik als ’66, die Figur mit bandagiertem Gesicht, die uns auch durch das Album führt, wie Hendrik erklärt: „Für mich ist ‘66 so eine Art Zeuge des zivilisatorischen Niedergangs, im Sinne eines Unsterblichen oder Zeitreisenden, der alles gesehen hat, der das Scheitern der Menschheit beobachten konnte. Er sucht nach Spuren der Erinnerung, nach Artefakten, sucht auf einer poetischen Ebene nach Überbleibseln.“

Dieser „zivilisatorische Niedergang“ ist hier abgebildet durch eine düstere, dystopische Landschaft, zwischen monumentalen Hochhäusern und Feldern aus Trümmern. ’66 ist hier der titelgebende „Gräber“, welcher im Chaos nach den Spuren der Menschheit sucht: „In einen Abgrund tauch ich ein / Leb von der Menschen Vielzahl Fehler“. An der intensivsten Stelle des Songs zieht er eine Maske auf, durch die er Bilder und Erinnerungen der vergangenen Gesellschaft sieht, ein Anblick, der ihn erschrickt, als ’66 zurück in seine Welt kehrt.

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Ein künstlerischer Drahtseilakt

Welche Erinnerungen ’66 noch entdeckt, erfährt man dann diesen Freitag, wenn das Album „Riskantes Manöver“ erscheint. Mit diesem Titel beschreibt Hendrik hoffentlich nicht den Schritt in die Solokarriere, da sollte er sich keine Sorgen machen. Und schließlich ist auch Messer nicht dafür pausiert, denn die Band arbeitet auch im Moment an einem neuen Album. Das Soloprojekt ist für Hendrik auch eher ein Produkt der Ideen, die in den letzten zwölf Jahren nebenher entstanden, „räudige Demos und Skizzen auf, immer auf Basis von Text“, die nun in vollständige Stücke transformiert wurden. Der Titel ist eine Selbstreflexion des Nihilismus in der eigenen Kunst, der zu ihm als Mensch im Widerspruch steht: „So macht auch der Titel für mich Sinn – weil es für mich als Mensch ein Drahtseilakt ist, die Apokalypse zu besingen, mit Inbrunst, obwohl ich doch eigentlich ein Optimist und Humanist bin.“

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