Videopremiere: Märchenhafter Indierock mit fluppe und „Seerosenräuber“
Eine Fluppe ist was, das man aufraucht und wegwirft. Die gleichnamige Band aus Hamburg dagegen ist gekommen, um zu bleiben. Musikalisch irgendwo zwischen dem gesellschaftkritischen, rauen Post-Punk aus UK und dem Erbe der Hamburger Schule, trifft hier Chaos auf Pathos. So auch in der neuen Single „Seerosenräuber“, mit der das Quartett mit verklärtem Blick auf die Vergangenheit schaut.
Fluppe gibt es eigentlich erst seit 2019, trotzdem hat das Quartett in den Pandemiejahren schon die Zeit gefunden, ihr Debütalbum „Blüte“ zu produzieren und zu veröffentlichen. Darauf finden sich großer Gitarren-Kitsch und Punk-Getrommel gleichermaßen und nicht zuletzt auch großartiges Songwriting, wie es schon vorangegangene Hamburger Ikonen wie Thees Uhlmann und Kettcar oder, wenn man noch weiter Richtung Norden schaut, Turbostaat, vorgemacht haben. Wie letztere verstehen sich fluppe bestens darauf, kantige Klänge und Themen neben melodische Momente zu stellen – gerne auch auf dem selben Song!
Die letzte Single der vierköpfigen Bande lehnte sich eher in Richtung von kreischenden Gitarren und Dissonanz, umso eingängiger fällt nun aber der neue Song „Seerosenräuber“ aus. Schwere Piano-Akkorde eröffnen das Stück und nehmen dem treibenden Punkrock der Band den Wind aus den Segeln, das Steuer wird gewendet in Richtung Indie.
Im Sog der Vergangenheit
Dazu passt auch der vorgetragene Text, der sehnsuchtsvoll auf Bilder aus der Vergangenheit schaut: „Im Wasser spiegelt sich der Mond / Wie eine gold’ne Illusion / Die Grillen spielen das alte Lied / Weil es ihnen seit jeher gut liegt“. Bei fluppe wird der Mond zur Illusion und die Welt zu einem Märchen, zwischen Erinnerungen und den Lücken, die diese lässt.
Wem das noch nicht kryptisch genug ist, kommt spätestens im zugehörigen Musikvideo auf die Kosten. Hier zeigt sich die Band in Schwarz-Weiß, die Gesichter bleich geschminkt wie bei Pantomimen. Wie diese verhalten sich die Musiker dann auch, spielen auf Instrumenten, die nicht da sind, unbehelligt von vorbeilaufenden Passanten. Das grundlegende Piano lullt uns dazu in eine Trance, während um uns herum der Rest der Band zu voller Sound-Größe anschwillt. Mit melancholischem Pathos und hypnotischen Klängen beschwören Fluppe den Strom der Vergangenheit herauf und geben uns abschließend den Tipp mit: „Lass dich treiben“.
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