Videopremiere: Newcomer Arctic8 ist unterwegs im „Canyon“
Wenn man Arctic8 nach seinen Inspirationen fragt, fallen Stichworte wie der norwegische Abenteurer Thor Heyerdahl, die Kunst von Caspar David Friedrich oder „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Der Berliner Newcomer ist spürbar anders als seine Zeitgenossen, schafft es allerdings trotzdem Musik zu machen, die sich in den Zeitgeist einfügt. „Psychedelic Post-Punk“ nennt Arctic8 seinen Sound, irgendwo zwischen 80er-Synthies und Trap-Flows. Für seine neueste Single „Canyon“ ist der Newcomer mit seinem Team weit hinaus in die Provinz gefahren, um irgendwo im nirgendwo ein Musikvideo zu filmen.
Genres Adieu
Arctic8 ist im weitesten Sinne Rap-Newcomer aus Berlin. Trotzdem ist er nie ein Teil von dem gewesen, was gerne irreführend als „New Wave“ betitelt wird. Stattdessen interessiert ihn, das hört man seinen jüngsten Veröffentlichungen an, eine ganz andere New Wave. Das ist diese spannende Schnittstelle von Synthesizern und Band-Sound, die in den 80er Jahren die ganze Welt ordentlich durchgeschüttelt hat. Nachdem seine ersten Releases aus dem Jahr 2020 noch mehr auf seine Rap-Wurzeln schließen lassen, macht sich Arctic8 zunehmend von singularen Genrebegriffen frei. Das lies zuletzt schon die Synth-Pop-Single „Rapsfeld“ vermuten, dann auch der trippy Post-Punk von „Herz aus Stein“ und nun der Song „Canyon“, der sich dazwischen ansiedelt.
Alleine im Canyon
„Wir fahren durch die Wüste / Gibt nichts zu sehen außer Schakale, die uns grüßen“, heißt es in der Hook von „Canyon“. Obwohl Arctic8 augenscheinlich in der Wüste unterwegs ist, klingt der Song, von den ersten klagenden Synth-Tönen an, nach schneidender Kälte. Ein wärmender Puls in diesem musikalischen Winter ist der satte Bass, umgeben von einem Skelett aus der Drum Machine. Vor diesem Hintergrund zeigt sich Arctic8 mit seiner hallenden Stimme poetisch, singt und rappt von Zweisamkeit im endlosen Canyon. Außer Schakalen gibt es hier nicht viel zu sehen, Arctic8 und sein lyrischer Gegenpart sind allein mit sich selbst und der erhabenen Natur.
Mit Improvisation zum Musikvideo
In ähnlichen Bildern spricht auch das Musikvideo. Als Location hatten sich Arctic8 und sein Team eine alte, post-sowjetische Bushaltestelle gewünscht, von der sie Fotos im Internet gesehen hatten. Aber es sollte anders kommen: „Dort angekommen, mussten wir feststellen, dass die bushaltestelle abgerissen wurde und das einzige, was übrig geblieben ist, waren ein paar der blauen steine, die jetzt die zufahrt zum garten gegenüber pflastern. Als wir mit der nachbarin gegenüber ins gespräch kamen, meinte sie, dass die leute in ihrem ort die kunst der post-sowjetischen architektur nicht wertschätzen würden“. Also galt es eine kreative Lösung zu finden. Auch ohne post-sowjetische Baukunst, ist das Musikvideo zum neuen Song geradezu durchdrungen von Isolation, Leere und Verlorenheit. Es lässt sich nur erahnen, in welcher Beziehung Arctic8 und seine Beifahrerin mit einander stehen, aber es scheint eine intime, wenn auch zerrissene zu sein.
Wo es in Zukunft für Arctic8 hingeht, ist noch schwer zu sagen. Die Cover-Artworks seiner letzten drei Singles sind allesamt Nahaufnahmen von verschiedenen Oberflächen – vielleicht bahnt sich hier also eine Verknüpfung via EP oder sogar Album an. Bis es aber soweit ist, steigen wir zur Arctic8 ins Auto und drehen noch ein paar Runden im „Canyon“.
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