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Videopremiere: OY entfliehen dem „Place des Clichés“

Posted in: Premieren
Tagged: OY

Seit mehr als zehn Jahren feilt das Schweizer Duo OY an seinem ganz eigenen Entwurf von Afrofuturismus. Dieser wandelt sich im Laufe der Zeit, nimmt mal die Gestalt von tanzbarem Space Pop an, verbaut dann wieder experimentelle Field Recordings oder wird als Buch („Notes from Outer Space“) veröffentlicht. Der jüngste Stop ihrer kosmischen Reise bringt OY an den imaginären „Place des Clichés“, wo man vorschnell in oberflächliche Schubladen und Kategorien gesteckt wird. Die Konsequenz ist nur logisch: Nichts wie weg hier!

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Ambitioniertes Musikvideo

„Place des Clichés“ ist eins dieser Musikvideos, die man gut und gerne als Gesamtkunstwerk bezeichnen kann. Zu Beginn hören wir erstmal keine Musik und bekommen dafür kryptische Bilder zu sehen. Eine aufwändig mit Trotteln verzierte Maske, eine rauschende Brandung, Menschen in weißen und schwarzen Stoffgewändern und schließlich ein ölig glänzendes, glibberndes Etwas, das vom Himmel herab steigt und sich über die Landschaft legt. Das alles erinnert mehr an einen anspruchsvollen Kurzfilm, der mehrmals geschaut und analysiert werden will, als an ein konventionelles Musikvideo. 

Flucht vom Platz der Klischees

Die Musik dazu ist genau so Pop wie Experiment. OY starten mit eindringlichen Synthesizern, die beinahe an den G-Funk von der amerikanischen Westküste erinnern. Überhaupt ist „Place des Clichés“ eine regelrechte Synth-Spielwiese. Sie stolpern und taumeln ineinander und sorgen für Rhythmus und Tanzbarkeit, obwohl zu keinem Zeitpunkt ein richtiger Drum-Beat vorkommt. 

Der dazugehörigen Text von Sängerin Joy Frempong lässt sich gesellschaftspolitisch lesen, vor allem besticht er aber durch seine poetischen Qualitäten: „Sur la place des clichés / Tu ne vois pas qui je Suis / Tu entends seulement le bruit“, heißt es gleich zu Beginn. Zu Deutsch lässt sich das ungefährt so übersetzen: „Auf dem Platz der Klischees / Siehst du nicht, wer ich bin / Du hörst nur den Lärm“. Und wenig später: „Auf dem Platz der Klischees / Kenne ich von jedem die Rolle / Die Fette, der Schwarze und die Verrückte“.

Durch den repetitiven Aufbau und die bewussten Wortwiederholungen entsteht in Verbindung mit dem mysteriösen Instrumental eine regelrechte Trance. Vom titelgebenden „Place des Clichés“ entfliehen OY im Laufe des Stücks, während es im Video zum (getanzten) Konflikt zwischen den beiden Fraktionen in Weiß und Schwarz kommt. Fesselnde Bilder, die uns mit einem Fragezeichen im Kopf und viel Material zum Zerdenken zurücklassen.

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