Videopremiere: Rahm eröffnet in „all the things“ seine ganz eigene Welt
Experimentell, klangvoll und nicht ganz von dieser Welt – so in etwa lässt sich die Musik des Künstlers Rahm in wenigen Worten umreißen. Und auch wenn viele Musiker:innen gerne die Grenzen von gängigen Genres und Praktiken in ihren Werken überwinden, übertrifft Rahm die Meisten spielend mit seiner Unkonventionalität.
Das beweist der Künstler in seinem erst heute erschienenen Album „So Close But So Far“ sowie der daraus ausgekoppelten Single „all the things“. Mit einem Klanggebilde, von dem man neben dröhnendem Meeresrauschen, gepeitschten Synthsgeräuschen und abstrakten Chören alles erwarten muss – außer erwartbar zu sein – nimmt Rahm seine Hörer:innen mit in seine ganz eigene geräuschvolle Welt.
Rahm – all the things
Rahm selbst vergleicht seine Musik mit dem Bergbau. Denn genau wie die Arbeiter:innen in den Bergwerken sucht auch er in seiner Musik in den Tiefen seines eigenen Seins nach raren Schätzen und tut alles daran, diese an die Oberfläche – in seine Musik – zu tragen.
Laute Schale, tiefer Kern
Er ist ein Künstler, der die Extremen liebt und bis auf die Spitze treibt, alles Erdenkliche aus jedem Song herauskitzelt und mit scheinbar willkürlichen Geräuschen arbeitet. Doch was sich beim ersten Anhören als Experiment vermuten lässt, stellt sich spätestens bei näherer Betrachtung der Lyrics als ein durchdachtes, inhaltsstarkes Werk heraus.
Denn der Künstler erzählt von seinen eigenen Schwierigkeiten im Leben. Es geht um die Probleme, Gefühle zuzulassen, Liebe zu zeigen und das bedrückende Gefühl in einem Paralleluniversum stattzufinden, in dem man körperlich zwar viele Menschen um sich hat, aber auf Gefühlsebene nicht distanzierter von allem sein könnte – „So Close But So Far“.
Das Innere nach außen getragen
Im Musikvideo zu „all the things“ werden all diese Extreme und Besonderheiten von der auditiven auf die visuelle Ebene übertragen. Es handelt sich um die sehr abstrakte Szene eines Mannes, der regungslos am Strand liegt. Er scheint von innen heraus zu leuchten, wie er so daliegt und was zu Beginn noch eine nachdenkliche Atmosphäre ist, wandelt sich im Laufe des Songs zu einer immer lebhafteren Performance. Der Körper des Mannes erwacht buchstäblich zum Leben und beginnt in einer Art Ausdruckstanz das Innere nach außen zu tragen.
Fazit: Das Album sowie der Song „all the things” sind keine leicht verdaubare Kost. Sie zwingt den:die Hörer:in zur Introspektion und wirft ungenehme Fragen auf, lullt nicht ein sondern erfordert volle Aufmerksamkeit – und bildet somit einen unverzichtbaren weiteren Stern am großen Musikspektrumhimmel.
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