Videopremiere: SALÒ gibt sich in „Bonjour Tristesse“ der Einsamkeit hin
Irgendwo zwischen den späten 80ern und frühen 90ern, da ist die Musik von SALÒ einzuordnen. Entsprechende Einflüsse hören wir auch auf den Singles und EPs, die der österreichische Musiker bis dato veröffentlicht hat: Schillernder Synth-Pop, ruppige Post-Punk- und Elektro-Sounds und dazu eine gehörige Portion Exzentrik, wie sie von den großen Bands der Neuen Deutschen Welle vorgelebt wurde.
80er-Anleihen stehen aktuell ja ohnehin hoch im Kurs, aber SALÒ schafft es mit diesem Sound konsequent und authentisch dazustehen, statt wie ein weiterer Trittbrettfahrer. Und so wirkt auch seine neueste Veröffentlichung wie ein folgerichtiger Schritt in seiner stetig wachsenden Diskographie: „Bonjour Tristesse“.
SALÒ – Bonjour Tristesse
Die Entstehung von „Bonjour Tristesse“ wurde von drei anderen Werken beeinflusst. Zum einen wäre da der Titel, der an das gleichnamige Buch von Françoise Sagan angelehnt ist – SALÒ’s Lieblingsbuch. Wo wir schon beim Französischen sind: Eine wichtige Rolle spielt auch der Synth-Pop-Hit „Voyage voyage“ von Desireless. Dessen Einfluss schlägt sich nicht nur musikalisch wieder, sondern lieferte vor allem Inspiration für die Thematik von „Bonjour Tristesse“. SALÒ schließt mit einer gescheiterten Beziehung ab und gibt sich mit der Einsamkeit zufrieden. Die dritte Referenz, die er in seine Single einbaut, bezieht sich auf den Thriller „Funny Games“ von Michael Haneke. SALÒ inszeniert sich im rauschenden VHS-Look als Psychopath und stellt immer wieder Bilder aus dem Film nach.
Zuwachs für Mom I Made It
Das Wiener Label Mom I Made It war bisher vor allem für Künstler:innen aus dem Rap-Untergrund bekannt – man denke nur an Eli Preiss, Gola Gianni oder Lent. Jetzt bekommt der MIMI-Kader überraschenden Zuwachs aus einer ganz anderen Richtung: Ab heute veröffentlicht auch SALÒ auf dem Label.
Erste Hinweise in diese Richtung gab es bereits im vergangenen Juli. Damals veröffentlichte SALÒ gemeinsam mit Eli Preiss die Single „Heißes Blei“. Die Newcomerin ist ebenfalls bei Mom I Made It gesigned und normalerweise vor allem für Laid-Back-Hip Hop im Kreis von Künstlern wie Makko oder Beslik Meister bekannt. Für die Zusammenarbeit mit SALÒ begibt sie sich nun in neue Gefilde.
Nun macht SALÒ mit „Bonjour Tristesse“ sein vielversprechendes eigenes Debüt auf dem Mom I Made It-Label. Dieses kann inzwischen eine ernstzunehmende Aufstellung von spannenden Newcomer:innen vorweisen – bleibt abzuwarten, wie SALÒ in dieses Konstrukt passt und ob wir uns vielleicht in Zukunft auf weitere Kollaborationen mit seinen neuen Labelkolleg:innen freuen können.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.