Videopremiere: Schockverliebt in den Avantgarde-Pop von Benzii
Der Rücken ist von Pfeilen durchbohrt, die Haut mit Schlamm verschmiert. Stetiges Tropfen, atemloses Stöhnen, wummernde Beats. „Drip Drop“, die neue Single der Berliner Newcomerin Benzii ist eine Herausforderung für alle Sinne. Wer sich dem audiovisuellen Spektakel stellt, wird mit einem experimentellen Techno-Pop-Song belohnt.
Benzii hat Großes vor. Im August hat die Berlinerin nach zahlreichen Singles ihr Debütalbum „Bare Skin“ veröffentlicht und damit für die Dauer von acht Songs eine eigene Parallelwelt erschaffen, in der nur nackte Haut und elektronischer Avantgarde-Pop existiert. Dass die unschuldigen Anfänge dieser Künstlerin bei Pop-Ikonen wie Nelly Furtado und Britney Spears liegen, ist kaum zu glauben. Aber auch wenn es solche Musikerinnen waren, die Benzii ursprünglich angefixt haben, so sind es heute doch eher experimentelle Songs von Eartheater oder Crim3s sowie der omnipräsente Techno-Puls der Hauptstadt, aus denen die Newcomerin Inspiration zieht. Dabei scheint jeder Schritt von Benzii die Intention zu haben, etwas zu hinterlassen, das Bestand hat.
Experimentelle Kunst statt MTV
So auch das neue Musikvideo zu „Drip Drop“. Der Clip hat dabei mit einer künstlerischen Performance oder Installation deutlich mehr zu tun als mit einer kommerziellen Produktion nach MTV-Vorbild. In einem kahlen Raum windet sich Benzii im Schlamm, während eine zweite Protagonistin mit Pfeilen gespickt hinter ihr liegt. Dazu sagt die Künstlerin: „Wenn mich jemand fragt, wie sich für mich das Verlieben anfühlt, würde ich ‚Drip Drop‘ vorspielen. Es trifft mich meistens wie ein Pfeil, den Amor mir aus dem Nichts in den Körper rammt, gefolgt von dem unaufhaltbaren Bluten meiner Gefühle. Was ich damit sagen möchte: Liebe tut weh und doch ist es eines der besten Gefühle überhaupt. Genau diesen Widerspruch wollte ich einfangen – musikalisch, als auch lyrisch.“
Die kryptische Bildsprache untermalt den neuen Song perfekt: Produzent RGB1 liefert Benzii einen dynamischen Elektro-Untergrund mit reduzierten Synth-Flächen, die gnadenlos von der stampfenden Kickdrum zerhämmert werden. Über die Scherben tänzelt Benziis Stimme, als würde sie jederzeit selbst zerbrechen, klar wie gefrorenes Wasser, das langsam taut und tropft.
„Drip Drop“ ist aber erst der Anfang. Erst kürzlich hat Benzii gemeinsam mit befreundeten Musiker:innen wie Emi X oder Fiese Luise das Nemesis-Kollektiv erschaffen, um eine Plattform für FLINTA zu schaffen und fe*male Artists mit einander zu connecten. Die erste Veranstaltung im Berliner Humboldthain ging bereits erfolgreich über die Bühne. Hier entsteht also ein Projekt mit viel Potenzial, von dem wir in Zukunft sicher noch mehr hören werden.
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