Videopremiere: XING begibt sich mit „Rain“ in Jazz-Gefilde
XING heißt eigentlich Xing Li und hat ein Ziel: Sie möchte es als chinesisch-österreichische Sängerin ins Rampenlicht der Musikindustrie schaffen. Für sich und für alle anderen, die nicht in das übliche Raster passen. Dabei ist Xing Österreicherin, geboren und aufgewachsen in Linz. Ihre Eltern kamen auf der Suche nach einem besseren Leben aus China nach Oberösterreich und gründeten dort ein Restaurant. Um sich in der neuen Heimat eine Lebensgrundlage zu schaffen, mussten beide Eltern hart arbeiten – und Xing blieb den Großteil ihrer Kindheit sich selbst überlassen. Nur einen Sache verlangte ihr Vater von ihr: Sie sollte Klavier spielen. Damals noch widerwillig, lies Xing den Unterricht also über sich ergehen.
Den eigentlichen emotionalen Zugang zur Musik bekam sie dann allerdings erst Jahre später. Bei einem Abschlusskonzert auf dem Gymnasium beschließt Xing, Klavier zu spielen und zu singen. Beim Publikum kommt das gut an – und Xing wird süchtig nach dem Gefühl, auf der Bühne zu stehen. Sie stürzt sich mit Inbrunst in diese neu gefundene Leidenschaft und nimmt fortan Gesangsunterricht.
Parallel zu ihrer klassischen Piano- und Gesangs-Ausbildung begeistert sich Xing aber auch früh für populäre Musik. Sie klickt sich durch die Intro-Songs von Anime-Serien und stolpert über Alben von Erykah Badu und Lauryn Hill – Einflüsse, die sich festsetzen und Xing nicht mehr los lassen. Aber die eigene ambitionierte Solo-Karriere lässt noch auf sich warten. Stattdessen tut sich Xing mit ihrem Klassenkameraden Lou Asril zusammen und singt seit 2016 bei seinen Auftritten im Hintergrund.
Nach der Matura verschlägt es die junge Musikerin nach Wien, wo dann auch 2020 die ersten eigenen Songs entstehen. Erst ein Jahr später, im vergangenen Oktober, bündelt Xing diese Stücke zu einer ersten EP, die sie schlicht nach sich selbst benennt. Die fünf Songs verbinden unter dem großen Schlagwort Neo-Soul Elemente aus Jazz, Hip Hop und R&B und zeigen zu jedem Zeitpunkt, dass Xing genau weiß, was sie da tut.
Schon kurz nach der Veröffentlichung von „Xing“ legt die Sängerin nun mit einer neuen Single nach: Heute erscheint das Musikvideo zum Song „Rain“ und feiert bei uns Videopremiere.
XING – Rain
Mit „Rain“ eröffnet Xing eine neue Facette ihrer Musik. Schon im instrumentalen Intro merkt man: Hier ist nochmal viel mehr Jazz im Spiel, als wir es bisher von Xing gewohnt sind. Die Produktion klingt verträumt und trotzdem verspielt, warme Klavier-Akkorde geben die Richtung vor. Dieses musikalische Bett füllt Xing mit Inbrunst, ihre rauchige Stimme trifft jeden einzelnen Ton. Der bisherige fließende Wechsel von Gesang und Sprechgesang, ganz in der Tradition ihrer Vorbilder Lauryn Hill und Erykah Badu, weicht einer Performance, die eher an die volle Stimme von Adele erinnert.
Inhaltlich ist „Rain“ ganz musik-gewordene Liebeserklärung. Das kommt besonders im Refrain zum Ausdruck: „Rain on the water/ Your love pours into mine“. Ein Liebespaar, das im strömenden Regen verschmilzt und eins wird – ein cinematisches Bild, dass Xing hier entstehen lässt. Parallel dazu öffnet sich der Song und im Hintergrund mimen unruhige Arpeggios das Plätschern von Regentropfen.
Bemerkenswert ist auch das Musikvideo zum Song. Hier sehen wir Xing im nächtlichen Berlin, wie sie in der menschenleeren S-Bahn sitzt und durch verlassene Stationen streift. Der körnige Analog-Look passt perfekt zur handgemachten Musik von Xing und lässt die Hauptstadt in neuen (alten) Farben erstrahlen.
Xing gibt sich auf „Rain“ sehr ausdrucksstark und mit einer Reife, die ihr Alter um einiges übersteigt. Andere Künstler:innen würden wahrscheinlich jahrzehntelang experimentieren, um auf diesen Sound zu kommen, Xing liefert ihn dagegen mühelos gleich zu Beginn ihrer Karriere.
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