Amewu im Interview: „Das ganze Game hat sich verändert“
Der Rapper aus Berlin veröffentlichte zuletzt 2009 sein Album „Leidkultur“ und wurde von der Szene und den Fans gleichermaßen für seine scharfsinnige Philosophie und die komplexe Rap-Technik gefeiert. Trotzdem zog sich Amewu in den darauf folgenden Jahren zurück und mied die Öffentlichkeit. In allererster Linie sieht er sich als Live-MC und dieser Leidenschaft ging er weiterhin mit Begeisterung nach. Aber der Promo-Zirkus der sozialen Medien, das ständige Rühren der Werbetrommel, all das frustrierte ihn. Die Szene und die Musikindustrie als ganzes war im Wandel und Amewu ging auf Abstand. Er bereiste die Welt, gab Workshops und trat hier und da mit einzelnen Singles und Features für geschätzte Kolleg:innen in Erscheinung.
2020 zeichnete sich dann ein Ende der Durststrecke ab. Amewu veröffentlichte „Lisas Migräne“ und damit die erste Single für sein erstes Album nach über zehn Jahren. Es folgte „Amewuga“, eine Reflektion von Amewus Herkunft und der Bedeutung hinter seinem Künstlernamen, der gleichzeitig auch sein tatsächlicher ist. Dieser Song legte schon nahe: Auf „Haben oder Sein“ wird es nicht nur Conscious Rap und Boom-Bap geben. Stattdessen streut Amewu immer wieder auch zeitgenössischen Einflüsse ein und lässt seine Liebe für den britischen Grime-Sound durchblicken.
Lyrische Höchstleistung
Doch auch wenn sich auf musikalischer Ebene einiges verändert und weiter entwickelt hat, präsentiert Amewu mit seiner neuen Platte genauso seine gewohnten Stärken. Der Rapper beobachtet, analysiert und kritisiert sich selbst und die Gesellschaft um ihn herum, wie wir konsumieren und wie wir miteinander umgehen. So heißt es auf dem Titeltrack „Haben oder Sein“: „Vielen Menschen geht es darum, was sie kriegen / Dafür was sie tun, mir geht es darum, was ich mache / Denn ich definiere mich darüber, wer ich bin / Nicht was ich habe, haben werde oder hatte“. Diese scharfsinnigen Gedanken verklärt er immer wieder mit spirituellen Bildern und lädt mit rasanten Flows dazu ein, die Songs mehrmals zu hören und zu durchdringen.
Im Interview spricht Amewu über seine langjährige Pause und Ängste, die mit seinem Comeback verbunden waren. Außerdem geht es um seine aktuelle Rolle im Theaterstück „Rückkehr nach Reims“ an der Schaubühne sowie seine Haltung zu Konsum und Kapitalismus.
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