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Klaas trifft Beatsteaks: „Please“, gemeinsame Vergangenheit und politische Lage

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Ohne hier unnötig hoch stapeln zu wollen, kann man direkt eingangs mal festhalten: Die Beatsteaks genießen in der deutschen Rock-Landschaft Legendenstatus. Zumindest gibt es nicht so viele andere Bands, die sich über 30 Jahre nach ihrer Gründung noch verstehen und aktiv Musik machen, geschweige denn an zwei Tagen back to back die Berliner Wuhlheide abreißen, wie es am kommenden Wochenende der Fall sein wird.

Nicht ganz 30 Jahre, aber doch eine beachtliche Zeit lang, kennt Arnim Teutoburg-Weiß, der Sänger der Gruppe, Klaas Heufer-Umlauf. Schon bei Viva wurden die damals noch jungen, unerfahrenen Beatsteaks von dem ebenso jungen, unerfahrenen Moderator interviewt  – und auch ein paar Dekaden später war Klaas sofort Arnims gewünschter Gesprächspartner, um über das neue Beatsteaks-Album „Please“ zu sprechen. Gesagt, getan!

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„Ich kenn die so lange, dass ich da noch gar nicht wusste, dass die aus Berlin kommen! Ich dachte, die kommen aus den USA oder aus Kanada!“, erinnert sich Klaas eingangs über seine ersten Eindrücke von den Beatsteaks. Und es stimmt: Wenn man sich zeitlose Hits wie „Hand in Hand“, „I Don’t Care As Long As You Sing“ oder „Gentleman of the year“ anhört, hat man wirklich nicht das Gefühl, man höre hier gerade ein paar Berliner Lokalhelden zu. Aber die Beatsteaks haben ihre Horizont noch nie besonders eng abgesteckt: Zu ihren Anfängen Mitte der 90er war die Band besonders von Nirvana beeinflusst, eines ihrer ersten Konzerte war dann dank eines Musikwettbewerbs gleich als Voract für niemanden geringeres als die Sex Pistols. 

Da-da-da!

Schon in seiner Kindheit und Jugend in der DDR war Arnim fasziniert, von der Pop-Kultur, die er aus Westdeutschland mitbekam: „Ich bin erst über Bands, die den Pop-Olymp erklommen haben, in den Underground gerutscht. Ich bin ein Kind der 80er Jahre, die Neue Deutsche Welle und besonders Trio fand ich faszinierend. Faszinierend, wegen der Art und Weise, wie sie mir in der ZDF Hitparade gegenüberstanden, im Vergleich zu den Leuten, die da sonst waren. Das war vom Spirit her meine erste Begegnung mit dem Punk.“ Eine besonders einschneidende Zäsur kam dann durch die Wende: „Überall brachen die durch, die eigentlich immer im Underground waren. Und diese Reise spülte mich dann auch irgendwann in einen Proberaum in der alten Schönhauser, wo ich dann die anderen Pfeifen kennengelernt habe“.

Ein riesen Geschenk

„Die anderen Pfeifen“, das sind damals Peter Baumann, Stephan Hirche, Alexander Rosswaag und Bernd Kurtzke, die die Band schon gründen, bevor sie wenig später Arnim Teutoburg-Weiß kennenlernen. Als er dazu stößt, jagt er seine neuen Freunde zügig auf die Bühne und ins Studio – mit Erfolg. Die Beatsteaks landen beim renommierten Punk-Label Epitaph Records und begleiten schon in den ersten Jahren große Bands wie Bad Religion, Die Toten Hosen oder Die Ärzte auf ihren Touren.

Rosswaag und Hirche gehören inzwischen nicht mehr zur Band, dafür sitzen inzwischen Thomas Götz am Schlagzeug und Torsten Scholz am Bass. Gemeinsam bilden die fünf ein Gespann, für das Arnim tiefe Dankbarkeit empfindet: „Wir haben da was gefunden, bei dem wir aus fünf Kräften was machen können, das den Leuten gefällt. Das dauerte lang, bis wir das alle erkennen und wertschätzen konnten, dieses Riesen Geschenk – weil das ist es“.

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Eine gesunde Portion Streit

Dabei gab es natürlich auch die klassischen Ups und Downs, die zu einer richtigen Rockstar-Karriere dazugehören, und dadurch natürlich auch immer wieder Meinungsverschiedenheiten und Reibereien zwischen den verschiedenen künstlerischen Egos. Sich solchen Konfrontationen zu stellen und daraus gestärkt hervorzugehen empfindet Klaas als großes Qualitätsmerkmal: „Das ist eine große Form von Freundschaft: Wenn man jemandem einräumt, dass man mit ihm streitet, dann heißt das, das man sich gegenseitig ernst nimmt und dass man sich wichtig ist und dass man irgendwo rauskommt am Ende.“ Eine schwierige, aber wichtige Aufgabe, die auch Klaas aus „Arbeitsfreundschaften“ mit Tommi Schmitt, Joko Winterscheidt oder Jakob Lundt kennt. 

Fast eine Stunde lang unterhalten sich Arnim und Klaas während unserer Titelstory. Dabei klären sie, warum Spaß bei der Arbeit genauso wichtig wie Streit ist, wie man mit Jugendzentren gegen die aktuelle politische Lage ansteuern kann und was ein Aufenthalt auf der Fusion damit zu tun hat. Außerdem geht es darum, wie es ist, wenn die Fans mit einem Erwachsen werden und wie sie es geschafft haben, sich mit ihrem neuen Album „Please“ auch nach 30 Jahren Bandgeschichte nicht zu wiederholen. 

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