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Miriam trifft Junge Arbeiter: Über das Aufwachsen in Stuttgart, Rap-Einflüsse und Gastarbeiter-Geschichte

Posted in: UNTERGRUND
Tagged: Junge Arbeiter

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Das Schwabenland ist eine der Keimzellen des deutschen Hip-Hop. Freundeskreis, CRO, RIN – die Liste der Rap-Artists die aus Stuttgart und Umgebung stammen, könnte noch Ewigkeiten weitergehen. Für die Newcomer Junge Arbeiter – also Theo, Marcel und Mo – spielt dieser Herkunftsort ebenso wie das Aufwachsen als Nachkommen kurdischer, türkischer und griechischer Gastarbeiter:innen eine zentrale Rolle. Von dieser Kreuzung rappen sie auch in ihrem Track „Echte Player“: „Dikka, ich bin Stuttgarter, mach Flous so wie der Neckar“.

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Der Ort, an dem alles begann, ist der Kindergarten von Marcel und Mo in Gäufelden, Nebringen. An einer Wand inmitten dieses friedlichen Flecks Erde, an dem sich die beiden kennengelernt, entsteht auch ihr erstes Graffiti-Tag: „385i 61“. Eine Hommage der damals 14-jährigen an die türkische Provinz Trabzon und Rapper Nimo, beides kulturelle Einflüsse der Jungen Arbeiter. Mit 14 lernen die beiden dann auch Theo kennen, in – wie sollte es anders sein – einem Hip-Hop-Laden in Böblingen.

Musikalische Anfänge mit 2pac und Nimo im Ohr

Zwischen Stuttgart, Gäufelden und Böblingen erzählen die drei von ihren ersten musikalischen Begegnungen. Ältere Cousins zeigen ihnen die Musik von 2pac, Biggie und Snoop Dogg. Das wiederum inspiriert Marcel seine ersten englisch-klingenden Fantasielines auf ein Taschentuch zu schreiben. Von der Musik von anderen süddeutschen Rappern wie Nimo, Dardan, Olexesh und Haftbefehl inspiriert, beginnen die Jungen Arbeiter schließlich ihre eigenen Songs zu schreiben, in ihrem eigenen kleinen Studio hinter einem Nagelstudio fangen sie an, aufzunehmen. „Und irgendwann haben wir dann gemerkt: Hey das, was wir machen, das ist übertrieben krass“, erzählt Marcel.

Mit dem Mercedes-Stern des Automobil-Werks Sindelfingen im Hintergrund erklären die drei, was der Kern ihrer musikalischen Identität ist: „Junge Arbeiter erklärt schon unsere Mentalität. Da geht’s nicht nur um Sindelfingen, sondern da geht’s auch um den Ursprung. Dass unsere Vorfahren, also unsere Opas, hierhergekommen sind. Wir sind alle hier in dritter Generation“, so Marcel. Und Mo ergänzt: „Bei Junge Arbeiter geht’s allerdings nicht nur um die Gastarbeitergeneration, sondern es geht um die dritte Generation, um unsere Generation, um das Miteinander. Am Ende des Tages komme ich nicht aus der Türkei, sondern ich komme von hier, ich komme hier aus dem Süden.“  

Dankbarkeit für die Community

Im letzten Jahr hat das Newcomer-Kollektiv dann eine Block-Party auf dem Dach der Shell-Tankstelle in Böblingen geschmissen. Um etwas an die Community zurückzugeben: „Es war auch geil, weil hier alle Generationen vorbeigekommen sind. Es sind die Kinder gekommen, es sind die Cousins von uns gekommen und auch unsere Onkels. Und davor gabs hier so Pop-Ups und so nicht“, schwelgt Mo in Erinnerung. Deshalb planen die drei auch weitere Block-Partys in der Zukunft. Genauso wie Singles, ein Mixtape und Live-Auftritte. Eins ist den Jungen Arbeitern bei ihrer Musik besonders wichtig, erzählt Marcel: „Wir versuchen auch das, was wir mitbekommen haben, so weiterzupflegen. Gerade so, ob es jetzt jüngere sind oder egal halt Jungs, die du so auf der Straße siehst. Diese Begegnungen, das ist am Ende des Tages das, was wir erreichen wollen.“

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