DIFFUS

Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen Rammstein

Posted in: News

Triggerwarnung: Der nachfolgende Artikel behandelt Themen der sexualisierten Gewalt, die auf die Lesenden erschütternd oder verstörend wirken können. Bitte sei dir dieser Sache bewusst und nimm von diesem Artikel gegebenenfalls Abstand, um Reaktionen der Panik, der Angst oder Retraumatisierungen zu verhindern. Nähere Informationen dazu sowie Hilfsangebote werden auf der Seite des Weißen Rings (https://weisser-ring.de) bereitgestellt.

Am 22. Mai 2023 haben Rammstein ihre „Europa Stadion Tour“ mit einem Konzert in der litauischen Hauptstadt Vilnius begonnen. Die Irin Shelby Lynn erhebt seit dem Konzert in Posts auf Twitter und Instagram Vorwürfe gegen Till Lindemann und seine Crew – es sei zu sexualisierter und physischer Gewalt gekommen.

Konzertbesucherin erhebt Vorwürfe

Shelby Lynn sei von einer Mitarbeiterin der Band ausgewählt worden, mit anderen Frauen in einem separaten Bereich vor der Bühne stehen zu dürfen. Bei Rammstein sei dies seit einigen Jahren gängige Praktik und unter dem Schlagwort „Row Zero“, also Reihe Null, bekannt. Zusätzlich habe man Fotos der Frauen gemacht und ihnen Zugang zu Pre- und Aftershow Party rund um das Konzert versprochen. Zusammen mit anderen jungen Frauen soll Shelby Lynn zu einer Party mit der Band vor dem Konzert eingeladen worden sein, bei der Till Lindemann Tequila verteilt habe. Auf ihrem Instagram Kanal beschreibt Shelby Lynn, dass sie während einer Konzertpause hinter die Bühne geführt worden sei, wo es ihrer Aussage nach zu Sex mit Lindemann kommen sollte. Als die Frau dies verneint habe, habe der Sänger aggressiv reagiert.

Am nächsten Tag sei sie mit blauen Flecken aufgewacht, Bilder von Verletzungen postete die Frau bei Twitter. Da sie sich an den Abend nur noch bruchstückhaft erinnern könne und mehrere Tage lang unter Herzrasen, Schüttelfrost und Übelkeit gelitten habe, vermute sie, am Konzerttag gegen ihren Willen unter Drogen gesetzt worden zu sein. Shelby Lynn bezieht sich hierbei auf das sogenannten „Spiking“, dabei schüttet eine Person einer anderen Person ohne deren Wissen eine Substanz ins Getränk, um die Person wehrlos zu machen. 

Shelby Lynn habe Anzeige erstattet. In den vergangenen Tagen hätten sich weitere Frauen bei ihr gemeldet, die bei Rammstein-Konzerten ähnliche Erfahrungen gemacht haben sollen. Auf ihren Social Media-Accounts zeigt Shelby Lynn angebliche Chatverläufe. Auf Reddit werden die Vorwürfe mehrerer Frauen zusammengetragen.

Rammstein bestreiten die Vorwürfe

Rammstein bestreiten die Vorwürfe. Auf Twitter teilte die Band in der Nacht zum 29. Mai 2023 mit: „Zu den im Netz kursierenden Vorwürfen zu Vilnius können wir ausschließen, dass sich was behauptet wird, in unserem Umfeld zugetragen hat. Uns sind keine behördlichen Ermittlungen dazu bekannt.“

Weitere Berichte

Am 02. Juni berichtete der NDR nach einer gemeinsamen Recherche mit der Süddeutschen Zeitung über neue Vorwürfe gegen Till Lindemann. In diesem Artikel könnt ihr die anonymisierten Aussagen zweier Frauen lesen, die von mutmaßlichen sexuellen Handlungen berichten, denen sie nicht zugestimmt hätten. Darin heißt es: „Die beiden Frauen äußern sich anonym vor der Kamera und haben ihre Aussagen an Eides statt versichert. Den Reporterinnen und Reportern liegen zudem weitere Aussagen von Zeuginnen an Eides statt sowie zahlreiche Chat-Protokolle vor, die Teile der Vorwürfe unterstreichen. Fragen von NDR und SZ zu konkreten Vorwürfen ließen sowohl Lindemann als auch die Band inhaltlich unbeantwortet.“

Die Band verfasste am 03. Juni ein weiteres Statement, in dem sie versicherten, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen. „Wir verurteilen jede Art von Übergriffigkeit“, heißt es, und alle, die Anschuldigungen erhoben haben, sollten erhört und nicht vorverurteilt werden. Gleichzeitig wünschen sie sich aber auch, persönlich nicht vorverurteilt zu werden.

Nachtrag vom 07. Juni 2023: Am 6. Juni lud die Influencerin Kayla Shyx ein 37-minütiges Video auf YouTube hoch, in dem sie ihre eigenen Erfahrungen bei einem Rammstein-Konzert schilderte sowie die Berichte anderer angeblich Betroffener vortrug. Sie selbst sei mit einer Freundin bei einem Konzert der Band gewesen und dort von einer Frau namens Alena Makeeva für eine Aftershowparty angeworben worden. Nach der Show seien sie dann aber von Makeeva nicht auf die eigentliche, größere Aftershowparty geführt worden, sondern auf eine „,more private party with Till‘“, wie Makeeva es genannt habe. Dafür seien sie in einen Raum gelotst worden, in dem bereits mehrere junge Frauen auf Sofas gesessen hätten. Die Handys hätten sie abgeben müssen. Einige der anwesenden Frauen hätten laut Shyx schon zu diesem Zeitpunkt benommen gewirkt, so als sei ihnen KO-Tropfen oder ähnliches ins Getränk gemischt worden.

Als Shyx, ihre Freundin und zwei der Frauen dann kurz auf die Toilette gegangen seien, habe einer der Frauen von ihrer Erfahrung erzählt. Sie sei schon früher am Abend von Makeeva zum Konzert und einer Pre-Party vor der Show eingeladen worden. Bei dieser Pre-Party hätten ebenfalls Frauen in einem Raum gesessen, Till Lindemann sei aufgetaucht und habe sich eine der Frauen ausgesucht, die ihn in der Mitte des Konzerts unter der Bühne oral befriedigen solle. Als Shyx und ihre Freundin kurz danach gehen wollten, habe Makeeva sie erst gedrängt, dazubleiben und ihnen immer wieder etwas zu trinken angeboten, bis sie ihnen dann doch erlaubt habe zu gehen. Shyx fasst zusammen, was sie an diesem Abend erfahren habe: „Diese Alena rekrutiert Mädchen zu der Afterparty, die alle maximal 30 sind, potentiell minderjährig. Es wird nicht kommuniziert, dass es eine After-Afterparty mit Till privat ist, es wird kommuniziert, dass es eine normale Party ist. Und selbst wenn man aktiv nachfragt, ob’s in die Richtung Sex geht, so wie in Shelbys Fall, wird dir gesagt: ,Nein.‘“

Hier wäre eigentlich etwas eingebettet. Du hast aber Embed und Tracking deaktiviert.

Zur Optimierung unseres Angebots nutzen wir Cookies, Google Analytics und Embeds von Seiten wie YouTube, Instagram, Facebook, Spotify, Apple Music und weiteren. Mit dem Klick auf "Jetzt aktivieren" stimmst du dem zu. Mehr Informationen findest du in unserer Datenschutzerklärung.


Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.