Warm Graves entführen uns mit „Neon“ auf eine psychedelische Sound-Odyssee
Unendliche, tiefschwarze Weiten. Hier und da glimmen ein paar verlorene Himmelskörper in weiter Ferne. Diese Bilder flimmern durch das Kopfkino, wenn man in den Sci-Fi-Rock der Band Warm Graves eintaucht. Die drei Mitglieder der Gruppe stammen aus den USA, Italien und Deutschland und fanden sich 2012 in Leipzig zur Band zusammen. Zwei Jahre später gingen sie mit ihrem Debütalbum „Ships Will Come“ an den Start, ein über sieben Stücke gespanntes Paradebeispiel eines Konzeptalbums.
Die Musik von Warm Graves klingt dabei eher atmosphärisch als konkret: Weite, offene Soundflächen und repetitive Drum-Grooves treffen auf weißes Rauschen und dramatische Orgeln. Ihre Einflüsse sind vielfältig, aber klar erkennbar: Post-Punk der 80er, Krautrock-Bands wie NEU!, aber auch die schleppende Erhabenheit des Post-Rocks. Auffällig ist der hallige Chorgesang, der die Songs zugleich ausfüllt und entschleunigt.
Nachfolger in Aussicht
Acht Jahre nach der ursprünglichen Veröffentlichung des Albums erscheint „Ships Will Come“ nun erstmals auf den gängigen Streaming-Plattformen. Außerdem bekommt das Projekt in naher Zukunft eine Vinyl-Neuauflage spendiert. Aber in der Zeit nach der Veröffentlichung ihres Debüts waren Warm Graves keineswegs untätig. Noch 2022 soll der Nachfolger zu „Ships Will Come“ erscheinen. Um die Wartezeit zu verkürzen, veröffentlicht die Band schon jetzt mit „Neon“ einen ersten, beinahe zehnminütigen Appetizer.
Warm Graves – Neon
Ein klanglich-visuelles Epos
„Neon“ empfängt uns mit einem satten Schlagzeug-Loop und klingt damit spürbar elektronischer als das bisherige Schaffen der Band. Dumpfe Synthesizer dröhnen wie ein Raketenstart, Arpeggios steigen flimmernd auf ins unbekannte Schwarz. Die Chöre, die „Ships Will Come“ prägten, werden ersetzt durch eine einzelne Stimme, die wie aus weiter Ferne zu uns durchdringt. Dieses musikalische Epos mit einer Spielzeit von neuneinhalb Minuten könnte zäh erscheinen, aber dafür passiert viel zu viel, denn Warm Graves wissen genau, wann sie die repetitiven Grooves mit Variationen auflockern müssen.
Dazu kredenzt uns die Band in ihrem Video psychedelische Bilder, Mikroskop-Aufnahmen und Computeranimationen, immer wieder gefiltert durch den verschachtelten Blick eines Kaleidoskops. Song und Video greifen auf hypnotische Weise in einander und vermitteln von Minute zu Minute mehr den Eindruck, dass wir als Zuschauer:innen gerade einem klanglich-visuellen Exodus der Menschheit ins Weltall beiwohnen.
Anstehende Konzerte von Warm Graves:
18.11.2021 Katovice, Ars Cameralis Festival (w/Anika)
20.11.2021 Mannheim, Maifeld Derby Special
25.11.2021 Berlin, Line-Check Festival @ Monarch
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