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Warum Markus Söder keine bad b*tch ist

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Hallo zusammen!

Wir schreiben hier ja oft über das Zusammenspiel von Pop und Politik. Mal im Guten, mal im Schlechten. Wir glauben schließlich daran, dass guter Pop politisch sein kann – und manchmal sein muss. Außerdem prägt die Politik das wirtschaftliche und kulturelle System, dass Popmusik hervorbringt, vertreibt und verkauft. Und schließlich ist es natürlich eine politische Frage, wer in diesem System unterstützt und sichtbar gemacht wird. Ein Themenfeld vernachlässigen wir dabei oft recht bewusst: Politker:innen, die sich mit Hilfe der Popkultur bei einem jungen Publikum anbiedern wollen. Das ist nämlich meisten so cringy und peinlich, dass wir vor Scham im Erdboden versinken wollen. Gestern bekamen wir allerdings mal ein Beispiel auf die For-You-Page gespült, dass wir euch nicht vorenthalten wollen. Der Urheber: Markus „Ich schieb mir jeden Tag eine Weißwurst und einen Döner in den Hals und fotografiere mich dabei“ Söder, oder besser Markus „Ohne Auto, Maschinenbau und Chemie ist Deutschland eine Dame ohne Unterleib“ Söder. Der bayrische Ministerpräsident und CSU-Parteivorsitzender sprang auf einen TikTok-Trend auf, den wir eigentlich ausdrücklich begrüßen. Seit einigen Wochen geht nämlich der Song „Ain’t in L.A.“ von der slowakischen Sängerin, Tänzerin und Songwriterin Adéla viral. Sie kennt man vielleicht zuerst aus der Netflix-Show „Dream Academy“, die am Ende die Band KATSEYE hervorbrachte. Adéla war eine der toughesten, besten und spannendsten Bewerberinnen, wurde aber recht brutal abserviert. Außerdem machte die Regie sie in einigen Szenen zur Bitch, die sie nie war. Im Gegenteil: Sie, die immer doppelt so hart trainierte, half immer den Jüngeren. 

Danach könnte man auf TikTok verfolgen, wie sich Adéla so langsam aufrappelte. Erst trotzig, dann entschlossen kündigte sie an, weiter an ihrem Traum zu arbeiten, Musik zu machen. Ihre erste EP „The Provocateur“ produzierte sie noch independent. Die war mit das Spannendste, was man 2025 in Sachen Pop sehen und hören konnte: Musikalisch trafen bei ihr Britney und Hyperpop aufeinander, visuell verband Adéla Provokation, Einflüsse ihre Ballerina-Ausbildung und eine bewusste Hypersexualisierung, die in ihrer Überhöhung und teilweise satirischen Brechung ebenjene Sexualisierung im Pop anklagte. Als die EP rauskam, hatte das Label Captiol / Universal schon angebissen. Bevor bald ihr Debütalbum „Prima“ erscheint, geht aber nun eben die Single „Ain’t in L.A.“ steil. In dem Song geht es um junge Frauen und Mädchen wie sie: Popstars in the making, die noch in der Provinz, in „uncoolen“ Städten oder wie in ihrem Fall damals in Bratislava in der Slowakei hängen und von der großen Karriere träumen. Der Chorus ist bestes Empowerment, tough und empathisch zugleich getextet. Im Pre-Chorus heißt es: „And she’s all that / ‚Cause she knows she’s beautiful, uh / And she’s taught that / Her dreams don’t live at home.“ Und im Chorus: „Maybe tonight, we don’t gotta run away / It’s all a lie, the baddest bitches ain’t in L.A.​ / Enjoy the ride, I know that you might wanna escape / It’s all a lie, the baddest bitches ain’t in L.A.“ Die Kampagne dazu setzt auf Plakate, die man selbst mitgestalten konnte. Darauf standen dann Sachen wie „The baddest bitches are in Oer-Erkenschwick“. Oder: „The baddest bitches are in Kassel.“ Adéla betonte in einigen Interviews explizit, dass „Ain’t In L.A.“ auch eine Hymne auf all die Migrant:innen ist, die in einem fremden Land struggeln, und nicht akzeptiert werden, obwohl sie oft härter arbeiten (müssen) als alle anderen. 
Parallel dazu nahm der von Adéla und ihrem Team gestartete TikTok-Trend Fahrt auf, in dem sich Menschen, oft und meistens junge Frauen, betont cool in ihrer vermeintlich uncoolen Heimat inszenierten und dazu texteten: „Not everyone can be in LA, someone has to hold it down in …“

Tja, und jetzt ratet mal, wer bei diesem Trend aufgesprungen ist: Markus Söder. In diesem Clip winkt und weißwurstelt er durch ein Bierzelt, während zwei Reihen sehr junger Frauen in Dirndl links und recht von ihm Spalier laufen. Das Ganze ist so unlustig, falsch und missverstanden, dass wir einerseits laut schreien möchten – und andererseits wieder zu genau wissen, warum viele Politiker niemals die jungen Menschen erreichen werden, die sie eigentlich erreichen müssten. Dieses Anbiedern ist jedenfalls einfach nur peinlich – und tut einer Künstlerin wie Adéla und ihrer Message unrecht. 

Mit Caro Schaeffler in der Gemäldegalerie: Über Selbstbilder, Modeln und den Weg zur Musik

Caro Schaeffler bewegt sich schon lange zwischen verschiedenen kreativen Welten. Als Model und Creatorin steht sie vor der Kamera, als Kommunikationsdesignerin hat sie sich intensiv mit Gestaltung beschäftigt – und mittlerweile erzählt sie als Musikerin ihre ganz eigenen Geschichten. Dabei lassen sich diese Bereiche bei ihr kaum voneinander trennen. Kunst, Fotografie, Mode und Musik greifen ineinander und ergeben eine Ästhetik, die sich durch ihre Songs genauso zieht wie durch ihre visuelle Welt. Für unser neues DIFFUS-Porträt verbringen wir einen Tag mit Caro Schaeffler in Berlin. Dabei sprechen wir über ihren überraschenden Weg zur Musik, die Schattenseiten des Modelns, Selbstzweifel und darüber, wie sie persönliche Gefühle in Songs und Bilder übersetzt.

Unsere Lieblingssongs in dieser Woche

Fontaines D.C. machen mit ihrer neuen Single „Marianne“ eines ziemlich deutlich: Sie sind keine (reine) Post-Punk-Band mehr. Hier wird es poppig, sphärisch, britisch, Madchester-ig und im besten Sinne pathetisch. Wir finden schon lange, dass wir mehr Lieder über Freundschaft und weniger (schlechte) Lieder über Liebe brauchen: Props also für amelie und ihre Hymne „Hoes before Bros“. Etwas spät in der Saison, aber noch gut für die Kategorie Sommerhit, kommt HEADJET„Mittelmeer“, das sich eine ganz schlichte Sache wünscht: ein Berlin direkt am Mittelmeer. Könnte noch klappen, wenn wir unseren Planeten weiter so durchf…. Die Wienerin laela sorgt für die Heartbreak-Vibes, die in dieser Rubrik ja nicht fehlen dürfen: „lautgedacht“ ist wundervoll zärtlich gesungen und nagt schon nach dem ersten Hören am Herzen. Last but not least noch ein Sommer-Soul-Banger von Jungle„Sunshine“ scheint die Sonne dermaßen aus dem Hintern, dass wir nach jedem Hören sofort in die Spree springen wollen.

Album der Woche: LOTTE – Lotte

„Lotte“ von LOTTE ist vor allem ein Album über Veränderung, ohne dass Lotte dafür alles über Bord werfen muss, was ihre Musik bisher ausgemacht hat. Liebe, Sehnsucht und Freiheit bleiben die großen Themen, klingen diesmal aber persönlicher, verspielter und musikalisch deutlich freier. So fühlt sich das vierte Album tatsächlich ein bisschen wie ein zweites Debüt an – nur mit all den Erfahrungen, die LOTTE auf dem Weg dorthin gesammelt hat.

Cover neues DIFFUS Magazin

Das neue DIFFUS Print-Magazin

Titelstory: Ikkimel

Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.