Was geht bei NEUNUNDNEUNZIG? Kryptische Singles und Radio-Promo
Dass die österreichische Musiklandschaft immer mit einem Fuß in der Zukunft steht, wissen wir nicht nur durch Falco und Bilderbuch. Auch das Duo Neunundneunzig beweist Kreativität – und veröffentlicht seit April exklusiv über den Untergrund-Radiosender „Radio Bukarest“ seine neuen Songs. Während „Eternal Winter Nye“ mit seinen Synths düster daherkommt, ist „Favorit“ ein ganz klares Liebeslied, voller Hoffnung. In dem sanften Gitarrensong mit Hip-Hop-Elementen gesteht Danzinger 99: „Ich will nur, dass du weißt: Ich bin immer gern bei dir!“.
Neunundneunzig zeigen ihre Vielseitigkeit
Mit „comeback d9 prime era“, der schon länger in Einzelteilen in den Weiten des Internets unterwegs war, macht das Wiener Duo nun nochmal ein paar neue Genres auf. Als würden Amandus 99 und Danzinger 99 mit ihrem Comeback als Kollektiv doppelt unterstreichen wollen, dass sie in keine Schublade zu stecken sind. Nach einem happy Hardcore-Eurodance-Intro und der Bitte: „Bitte, bitte ruf mich doch zurück oder heb ab“, hört man einen Hund bellen. Der kafkaeske Song endet schließlich mit melancholischem Bass und der Selbsterkenntnis: „Vielleicht waren wir zu schnell und vielleicht ist es zu spät“ und greift damit sowohl melodisch als auch thematisch die Vorgängersingle „Favorit“ auf.
Zwischen Hoffnung und Isolation
Nun wird diese mysteriöse Phase genreübergreifender Singles und exklusiver Radio-Promo mit einem Doppelrelease noch einmal aufgemischt. Nachdem mit den bisherigen Releases der Kopf irgendwo zwischen Wolken und Sternen war, nimmt uns die neue Single „USA“ direkt mit in ein Raumschiff. Zumindest lassen das Intro und Outro darauf schließen und auch das Singlecover könnte das vermitteln. Wo vorher Verliebtsein und zumindest etwas Zweisamkeit war, geht es jetzt ums Auseinanderdriften und Isolation: „Du wirst so weit weg sein wie die USA von hier“. Durch den runtergebrochenen Hip-Hop-Beat fühlt sich auf einmal alles, was auf den vorherigen Singles aufgebaut wurde, ganz weit weg an. Der Snippet von „Rettung P Cayman S“, der B-Seite der neusten Single, war schon in der letzten Folge „Radio Bukarest“ zu hören. Es schließt sich der Kreis. Das Raumschiff zerschellt, atmosphärische Wave Drums untermalen die Tragödie.
Was sich anfühlt wie eine Theatervorstellung auf den Ohren, ein Drama in drei Akten, mit sich abwechselnden Szenen, Tempi und Instrumenten, ist der Weg zum zweiten Album des Kollektivs Neunundneunzig. Durch die Nutzung verschiedener Genres, Höhen und Tiefen, durchlebt man beim Hören die zerbrechende Beziehung, mit den unterschiedlichen Emotionen und Gedanken der Neunundneunziger. Mit all diesen verschiedenen Ebenen, der Radio-Promo und den rumgeisternden Snippets, fühlt sich der Weg zum Nachfolgeralbum ihres Debüts „99 in dein Herz“ an wie eine melancholische Schnitzeljagd. Ob es hier in Richtung Konzeptalbum geht und wie diese mysteriöse Reise weitergeht, bleibt auf jeden Fall spannend. Aber dafür ist eine Schnitzeljagd ja schließlich bekannt.
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.