Wegen politischen Äußerungen: Alphaville vom Glücksgefühle-Festival ausgeladen
Eigentlich sollten Alphaville am Freitag beim Glücksgefühle Festival auf dem Hockenheimring auftreten. Zwei Tage vor Festivalbeginn kam nun allerdings die Absage – und die sorgt für deutlich weniger Glücksgefühle bei der Band. Wie Alphaville in einem Statement bekanntgaben, habe der Veranstalter ihnen mitgeteilt, man dulde „keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art“ auf der Bühne und wolle deshalb von einem Auftritt der Band Abstand nehmen. Sänger Marian Gold reagierte scharf und bezeichnete die Entscheidung als „Maulkorberlass“. Die Band sehe darin eine Einschränkung von Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit.
Mittlerweile haben auch die Veranstalter Stellung bezogen. Das Festival verstehe sich demnach als „komplett unpolitisch“ – unabhängig davon, aus welcher politischen Richtung Äußerungen kämen. Alphaville seien zuvor bereits bei zwei anderen Veranstaltungen desselben Veranstalters aufgetreten. Nachdem es beim ersten Auftritt zu politischen Aussagen von der Bühne gekommen sei, habe man die Band vor weiteren Shows gebeten, darauf zu verzichten. Vor dem Glücksgefühle Festival sei diese Vorgabe erneut kommuniziert worden, eine Einigung habe man diesmal jedoch nicht erzielen können. Konkret soll sich Marian Gold bei vergangenen Konzerten unter anderem gegen rechtsradikale Tendenzen sowie für Freiheit, Toleranz und Demokratie ausgesprochen haben.
Festival-Mitveranstalter Markus Krampe hatte bereits im August erklärt, das Glücksgefühle Festival solle den Besucherermöglichen, den Alltag und damit auch die Politik für ein Wochenende hinter sich zu lassen. Klingt zunächst nach maximaler Eskapismus-Garantie – führt in diesem Fall aber dazu, dass eine Band kurz vor ihrem Auftritt ausgeladen wird, weil sie sich auf der Bühne für demokratische Werte positionieren möchte. Ein Festival, das ausdrücklich keine Politik zulassen will, zieht damit jedenfalls selbst eine ziemlich deutliche Grenze. Alphaville kündigten an, sich davon nicht beeindrucken zu lassen: Die Band wolle sich auch weiterhin für Freiheit, Toleranz und Demokratie einsetzen.
Update 04. September 2026
Inzwischen hat das Glücksgefühle Festival seine Entscheidung zurückgenommen. Veranstalter Markus Krampe bezeichnete die Ausladung von Alphaville als Fehler, entschuldigte sich öffentlich und lud die Band wieder ein. Zudem betont er, Mitveranstalter Lukas Podolski sei nicht in die Entscheidung involviert gewesen. Für Alphaville kommt die Kehrtwende allerdings zu spät: Marian Gold erklärte, man nehme Entschuldigung und Wiedereinladung zwar zur Kenntnis, die vorherigen Äußerungen hätten jedoch eine Atmosphäre geschaffen, in der die Band nicht mehr auftreten wolle. Die vereinbarte Gage soll stattdessen an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden.
Mittlerweile äußern sich auch immer mehr Musiker zu der Kontroverse. Felix Jaehn kritisierte die Entscheidung deutlich, ebenso Culcha Candela. Zartmann kündigte in seiner Instagram-Story ein politisches Statement bei seinem eigenen Glücksgefühle-Auftritt an, während Bausa und Ski Aggu jeweils „Forever Young“ in ihren Stories teilten. Bereits zuvor hatte Campino Marian Gold bei einem Konzert der Toten Hosen auf die Bühne geholt und gemeinsam mit ihm den Alphaville-Hit gespielt.
Beauty & the Beats zieht sogar direkte Konsequenzen: Der DJ hat seinen geplanten Auftritt beim Glücksgefühle Festival komplett abgesagt. Sich für Demokratie, Vielfalt und Menschenrechte und gegen Rechtsextremismus auszusprechen, sei für ihn keine Parteipolitik, sondern Zivilcourage. Nun bleibt spannend, welche Folgen die Kontroverse für das Festival selbst hat – ob weitere politische Statements auf den Bühnen folgen und ob noch andere Acts Konsequenzen ziehen.
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