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Westside Cowboy sind unser neuer Bandcrush aus UK

Wir haben die Theorie, dass dieser Song nur dafür geschrieben wurde, dass man sich augenblicklich in Westside Cowboy schockverliebt. Mal schauen, ob das bei euch auch so gut funktioniert, wie bei uns vor einigen Monaten:

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Ach, wie wir es lieben: Das euphorisch-schiefe Einsingen, die wuchtigen Drums, die verschiedenen Stimmfarben, dieser Melodietaumel und dieser Text, der romantisch, aber niemals cheesy ist. Und dann diese letzte Minute, in der sich auch Aoife Anson-O’Connell voll reinwirft mit ihrer Stimme.

Vier Freunde aus Manchester

Aber der Reihe nach: Westside Cowboy sind keine Enkel von Kid Rock und auch kein Westcoast-Rapper mit Cowboyhut und Pistolengürtel – wie man bei ihrem Namen vermuten könnte. Sie kommen aus dem britischen Hinterland, fanden sich vor einigen Jahren an der Uni in Manchester erst als Freundesclique und gründeten dann die Band im Jahr 2023. Sie setzt sich zusammen aus Jimmy Bradbury (Vocals, Gitarre), Reuben Haycocks (Vocals, Gitarre), Aoife Anson O’Connel (Vocals, Bass) und Paddy Murphy (Vocals, Drums).

Gerade touren sie mit Geese durch Europa – und irgendwie passt das ziemlich gut zusammen. Zum einen, weil Loren Humphrey, der Produzent ihrer aktuellen EP „So Much Country ‘Till We Get There“, auch mit Geese arbeitete und das gefeierte Soloalbum von deren Sänger Cameron Winter produzierte. Zum anderen aber auch, weil Westside Cowboy – zumindest in ihrer Heimat – gerade einen ziemlichen Hype erleben. Das merken wir schon daran, dass zwei Tage vor unserem Zoom-Gespräch eine „NME“-Titelstory erscheint, der britische „Rolling Stone“ sie feiert und sie ihr Interview ein wenig verspätet antreten mussten, weil: „Wir haben gerade bei der BBC eine Session aufgenommen und das hat ein wenig länger gedauert.“

Aber dann sitzen Aoife Jimmy im BBC-Studio im Call und sind die euphorischsten, sympathischsten und witzigsten Interviewpartner:innen, die man sich wünschen kann. Hier das Beweisfoto:

Aoife Anson-O’Connell und Jimmy Bradburry im Talk direkt nach ihrer BBC-Radio-Session.

Do YOU believe the hype?

Wer dieser Tage britische Musikmedien liest, findet den Bandnamen Westside Cowboy oft in Verbindung mit Worten wie „most buzzed“ oder „hype“. Was uns zur perfekten Einstiegsfrage führt: „Do YOU believe the hype?“ Aoife sagt: „Uh, nee. Hype und Buzz sind gefährliche Wörter. Manchmal fühlen sie sich wie Giftpfeile an, die andere auf dich schießen. Aber es stimmt schon: Viele Leute waren bisher sehr lieb zu uns, und es ist doch schön, dass sie Spaß an unserer Musik haben. Wir versuchen aber, trotz unseres gerade recht vollen Terminkalenders, immer noch dieselben zu bleiben …“ Dann nimmt Jimmy den Faden auf: „… und einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir sind immer noch wir. Wir spielen unsere Lieder. Wir werden langsam besser darin. Wir freuen uns, wenn sich das rumspricht, aber diese Hype-Ding wollen wir nicht zu sehr an uns ranlassen.“ Bevor Aoife schließlich den Gedanken so zu Ende bringt: „Wir wünschen uns eher etwas Langes und Beständiges. Bei einem Hype schwing ja immer schon gleich die Frage mit: Wann kommt der Absturz?“

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Die beiden antworten ein bisschen so, wie sie singen. Bei ihnen darf jede*r mal ans Mikrofon – und tatsächlich macht das einen großen Reiz ihrer Live-Auftritte aus. Jimmy sagt dazu: „Ich liebe es, wenn alle singen, was heutzutage anscheinend für viele weird ist.“ Aoife ergänzt: „Wir bekommen viele Kommentare von Leuten, die sagen: ‚Das ist wirklich seltsam. Ihr singt alle. Das ist unglaublich.‘ Und wir denken dann so: ‚Äh. Klar. Singen kann doch jede*r. Ihr müsst nur den Mund aufmachen.‘ Traut euch Leute, es ist es okay!“

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Wie klingt eigentlich Britainicana?

Wer die Musik von ihnen beschreiben will, landet schnell bei einer Genrebezeichnung, die sich die Vier selbst ausgedacht haben: Britainicana – was natürlich ein Amalgam aus dem Wort Britain und dem Genre Americana ist. Tatsächlich haben auch wir beim ersten Hören gedacht, sie seien todsicher eine Band aus dem mittleren Westen der USA. Jimmy verrät: „Das war eine Idee, die unserem Drummer Paddy auf der Toilette eingefallen ist. Ich glaube, das war in der zweiten Woche unserer Bandhistorie.“ Aiofe erzählt, dass sie sich schon drüber freuen, dass viele Musikjournalist:innen dieses Wort aufgreifen. Aber: „Das Einzige, was uns daran nervt sind die Leute, die es falsch interpretieren und uns dann das Gefühl geben, sie verstünden mehr von unserem eigenen Genre als wir. Klar, Paddy hatte die Idee, weil wir alle Americana mögen. Auch amerikanischer Folk ist ein wichtiger Einfluss für uns. Aber einige Kritiker meinen, wir nennen es so, weil wir als Engländer Americana spielen. Das ist doch Quatsch. Würden wir das tun, würden wir das Americana nennen. Bei Britanicana hingegen sind all diese Einflüsse komplett verdreht und zu etwas sehr Englischem geworden. Darauf sind wir sehr stolz.“

Jimmy wundert sich auch darüber, weil: „Unsere Wurzeln sehe ich eher in der englischen Folk-Musik und vielleicht im Rock ‘n’ Roll und Skiffle der frühen 50er Jahre, als in amerikanischen Sachen. Ich erkläre es immer so: Wir versuchen immer wieder, sehr amerikanisch zu sein und scheitern grandios daran – das ist Britainicana.“

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Hier wird das Wort gleich noch ein bisschen interessanter, denn die Band will damit auch die seltsame Prägung durch amerikanische Popkultur in ihrer Jugend zum Ausdruck bringen. Das wurde ihnen klar, als sie gemeinsam mal über Serien wie „The End Of The F**king World“ oder „Sex Education“ sprachen. „Es gab damals so ein paar Serien“, sagt Aoife, „die direkt nach diesem Nostalgie-Hype um ‚Stranger Things‘ starteten und die explizit in England spielten. Aber dann waren die Autos, die Referenzen, die eingespielten Songs und die Mode irgendwie total amerikanisch.“ Man habe nie so recht gewusst, wo und wann die eigentlich spielen sollten. „Die Referenzen sind offensichtlich, aber irgendwie total random und ein wenig schief. Da ist die Einrichtung aus den 70ern, alle fahren amerikanische Spritschleudern, die Kulisse ist durch und durch britisch, dazu läuft Hank Williams, aber alle haben schon Smartphones.“

Jimmy ergänzt: „Man ist am Ende total orientierungslos, weiß aber, wo alle Referenzen herkommen. Wir fanden dieses Gefühl sehr passend als Metapher für unsere eigene Teenagerzeit: Wir sind in der britischen Provinz aufgewachsen, aber im Fernsehen liefen immer diese Coming-of-Age-Klassiker wie ‚Zurück in die Zukunft‘ oder ‚Ferris macht blau‘. Die fanden wir cool. Dann haben wir versucht, uns wie sie anzuziehen, aber das passt mitten in England nun so gar nicht, und man sah am Ende ein bisschen cool und sehr bescheuert aus.“

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Ein infektiöser Bandvibe

Wer die Band live sieht oder mit Teilen von ihnen spricht, merkt schnell, dass sie einen geradezu infektiösen Bandvibe haben. Das war auch am gestrigen Abend so, als wir sie im Vorprogramm von Geese in Zürich live erleben durften. Schon der Bühnenaufmarsch sah aus, als hätten Westside Cowboy so richtig Bock auf das, was sie da zusammen tun. So sollte es natürlich immer sein, aber wer schon einige Bands gesehen hat, weiß ja, dass das nicht immer der Fall ist. Mal wird arrogant rumgepost und -geschnöselt, mal sitzt die Sonnenbrille im dunklen Club besser als das Gitarrenspiel, mal spürt man eine Fußballmannschaft ungelöster Bandkonflikte mit im Raum.

Auch dieses Thema amüsiert und verwirrt Jimmy und Aoife eher, als wir sie auf ihre Bandchemie ansprechen und die Tatsache, dass sie nicht nur die Gesangspflichten durch Vier teilen, sondern auch sämtliche Songwriting-Credits und damit auch die Tantiemen.

Als wir ihnen eigentlich sagen wollen, dass sie klingen wie eine Band, die Spaß hat, an dem, was sie da tun, nutzt Jimmy eine etwas lange Atempause nach dem Wort Band und sagt lachend: „Oh, danke. Das ist eine der besten Kritiken, die wir seit langem bekommen haben. ‚Es klingt wie die Musik einer Band.‘ Das ist großartig.“  

Aber er weiß schon auch, was wir meinen: „Ich glaube, das ist die erste Band – und ich war schon in vielen –, in der es sich so anfühlt, als wäre wirklich alle in gleichen Teilen involviert. Alle bringen ihre eigenen Ideen ein. Meistens sind es Reuben oder ich, die den ersten Kern einer Songidee einwerfen, oder gelegentlich auch Aoife. Das sind in den meisten Fällen aber nur ein paar Zeilen Text und drei Akkorde oder so. Sobald das in den Schmelztiegel kommt, gehört es niemandem mehr. Und dann wird es zu Westside Cowboy.“ Aoife bestätigt, dass Jimmy und Reuben so etwas wie die Essenz eines Songs mitbringen, aber: „Es passiert sehr selten, dass ein Song so aufgenommen oder live gespielt wird, wie er anfangs von einer Person eingebracht wurde.“ Für sie klänge es wie eine „zwischenmenschliche und geschäftliche Katastrophe mit Ansage“, wenn man dann auch noch die Credits aushandeln müsste.

Jimmy meint: „Wir haben uns erst letztens noch darüber unterhalten, wie seltsam wir es finden, wenn bei einer Band nur der Sänger oder der Gitarrist in den Credits steht. Ich frage mich: Warum zum Teufel bist du dann in einer Band? Dann sei doch ein Solo-Artist und hole dir Mietmusiker. Das macht doch sonst keinen Sinn. Ich finde es wirklich irgendwie schräg, wenn die Credits sagen: ‚Die anderen bringen nicht viel mit. Es ist alles ich. Es ist MEIN Song.‘“  

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Erst Freundschaft, dann Bandkarriere

Dass diese Mechanik nie wirklich zur Debatte stand, liegt wiederum in der Tatsache begründet, dass die gemeinsame Freundschaft den Impuls auslöste, die Band zu gründen. Aoife meint dazu: „Es gibt natürlich Ausnahmen, aber ich denke, man sollte befreundet sein, bevor man beschließt, mit anderen Leuten Musik zu machen. Ich konnte anfangs noch nicht mal Bass spielen, als wir die Band gründeten. Mit einer anderen Bassistin klängen Westside Cowboy vielleicht etwas tighter, aber es würde sich nicht richtig anfühlen.“

Jimmy, der schon einige Bands durch hat, ist der Meinung, dass man sowieso erst als Freundes-Clique miteinander klarkommen sollte: „Dann weißt du, dass du viel Zeit miteinander verbringen kannst. Ich war in ein paar Bands, bei denen es so losging, dass jemand sagte: ‚Wir machen einen Gruppenchat und suchen einen Termin für eine Proberaum-Session.‘ Und ich sagte: ‚Wir gehen erstmal in den Pub. Wenn wir es alle in den Pub schaffen, dann schaffen wir es auch zur Probe.‘ Eine dieser ‚Bands‘ hat es nie in den Pub geschafft – und wurde nie eine Band.“

Den Beweis, dass Westside Cowboy nicht nur uns mit ihrer Euphorie anzünden konnten, sahen wir dann bei besagtem Zürich-Konzert: Schon nach zwei Songs hatten sie große Teile des Geese-Publikums im Sack, und es machte wirklich eine riesige Freude, die vier in Action zu sehen. Deshalb unsere Empfehlung für die nun kommenden Geese-Konzerte in Köln, München, Berlin und Hamburg: Solltet ihr zu den glücklichen Menschen zählen, die ein Ticket ergattern konnten, kommt unbedingt schon zur Vorband und geht vielleicht wie wir mit einem neuen Bandcrush nach Hause.

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