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What’s Poppin? Frühjahrsputz bei Tyler, The Creator

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Neue alte B-Sides von Tyler, The Creator

Tyler, The Creator ist jemand, auf den sich, im Rap-Kosmos und weit darüber hinaus, alle einigen können. Schon seine Anfänge im Kreis von Odd Future waren faszinierend und brachten dem heute 32-jährigen eine treue Fangemeinde. Damals waren der junge Rapper und sein Kollektiv noch von einigen Kontroversen umgeben und waren für ihren Hang zur Provokation bekannt, doch mit dem Alter ist auch die Reife eingekehrt. Tyler ist ruhiger und besonnener, aber nicht weniger freigeistig geworden. Seine letzten drei Alben „Flowerboy“, „Igor“ und „Call Me If You Get Lost“ könnten verschiedener kaum sein, doch der Konsens für alle drei fällt gleich aus: Prädikat „Sehr gut“. Zuletzt ließ „Call Me If You Get Lost“ 2021 mit seiner rumpeligen Produktion und den Ansagen von DJ Drama viele Rap-Herzen höher schlagen – und nun gibt es erneut Grund für einen beschleunigten Puls.

Denn Tyler, The Creator hat gestern via Twitter eine erweiterte Version des Albums angekündigt: „Call Me If You Get Lost: The Estate Sale“ soll schon am kommenden Freitag erscheinen und mit einigen unveröffentlichten B-Sides aufwarten. Mit „Dogtooth“ gibt es eine davon schon jetzt zu hören. Zwischen warmen Piano-Chords und DJ Dramas Geschrei lehnt sich Tyler zurück und flext mit seinen Rap-Skill und seinem Lifestyle. Dazu gehört auch eine Prise von seinem verschmitzten Humor – denn den hat Tyler im Lauf der Jahre nie verloren: „She can ride my face, I don’t want nothing in return / Because if she get off, then I get off, that’s my concern“.

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„Lil Pump 2“: Comeback oder Bauchplatscher?

Beinahe möchte einem Lil Pump ja Leid tun. Sein Song „Gucci Gang“ ist mit Sicherheit einer bekanntesten Rap-Hits aller Zeiten und gemeinsam mit Capital Bras „Nur noch Gucci“ ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Verkäufe von Fake-Bauchtaschen, -Schlappen und -Snapbacks der Luxusmarke. Aber trotz seiner einstigen Popularität und Relevanz für die Popkultur verschwand der Rapper aus Florida nach seinem Selftitled-Debütalbum irgendwie in der Versenkung – wie von J. Cole auf „1985“ prophezeit. Da war noch der Hype um die kontroverse Kanye West-Kollaboration „I Love It“, aber folgende Projekte „No Name“ schienen an der breiten Öffentlichkeit irgendwie vorbeizugehen.

Nun erschien kürzlich „Lil Pump 2“ – der Nachfolger zum großen Debüt und ein neuer Comeback-Versuch. Dafür tut man sich dann sogar auf zwei Songs nochmal mit dem langjährigen Wegbegleiter Smokepurpp zusammen und münzt ansonsten das Pump’sche Erfolgsrezept auf zeitgenössische Sounds um. Der prägnante Flow und die simplen Hooks funktionieren auf „Pull Up“ auch im Rage Rap-Gewand, inwiefern man das über „Pump Rock x Heavy Metal“ sagen kann ist eher streitbar. Der Ausflug nach Flint gemeinsam mit Rio Da Yung Og steht Lil Pump dagegen erstaunlich gut und in „I Don’t Mind“ mit Young Boy Never Broke Again klingt dann fast ein weniger Teezo Touchdown-Weirdness durch. Insgesamt fand ich „Lil Pump 2“ erstaunlich kurzweilig und unterhaltsam – um den eisernen Thron des Rap-Games streiten im Jahr 2023 aber wahrscheinlich andere Kandidaten.

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6lack ist zurück, als wäre er nie weg gewesen

Auch wenn die goldene Ära des Genres vielleicht eher in der Vergangenheit liegt, ist R&B auch im Hier und Jetzt ein sehr beliebter Sound, vor allem in den USA, wo er geboren wurde. Spricht man dabei über aktuelle Szenegrößen, führt an 6lack (gesprochen: „Black“) kein Weg vorbei. Schon seit 2016er Debüt „Free 6lack“ und darauf enthaltene Hits wie „PRBLMS“ oder „Ex Calling“ katapultierten den Rapper, Sänger und Produzent aus Atlanta in die plötzliche Bekanntheit. Diese erhielt er sich auch mit dem Nachfolger „East Atlanta Love Letter“ sowie überraschenderweise auch über die Funkstille der folgenden Jahre, denn seit 2018 mussten Fans ohne weitere Album-Releases von 6lack auskommen.

Das holt er nun allerdings nach: Am Freitag erschien mit „Since I Have A Lover“ sein drittes Studioalbum – und wird bisher angenommen und abgefeiert als wäre 6lack nie weggewesen. Auf der mit 19 Songs etwas überladenen Tracklist halten sich rappigere Cuts und klassische R&B-Nummern die Waage. Vom dunklen, 808-lastigen Sound seiner Anfäng hat sich der Musiker dabei ein wenig gelöst, neu sind rhythmische Gitarren-Spielereien, die beinahe ein Indie-Feeling erzeugen. Das trifft insbesondere auf den Titeltrack „Since I Have A Lover“ zu, der fellow Frank Ocean-Stans vielleicht auch an dessen frühe Projekte wie „Nostalgia Ultra“ oder „Channel Orange“ erinnert. 

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NLE Choppa gewinnt Lil Wayne für „Ain’t Gonna Answer“

Auch wenn ich längst kein Fan bin, komme ich nicht umhin, den unermüdlichen Hustle von NLE Choppa zu respektieren. In einer Zeit, in der viele Newcomer:innen nur für die Dauer eines einzigen Hits in unser Blickfeld gespült werden und dann wieder verschwinden, hält sich der junge Rapper aus Memphis schon erstaunlich lange weit oben in den einschlägigen Playlists. Beinahe wöchentlich schickt NLE Choppa neue Songs in die Welt, die trotz diese umfangreichen Outputs jedes Mal von Millionen gehört werden. Und unter diesen Millionen befindet sich augenscheinlich auch kein geringerer als Lil Wayne, der NLE Choppa nun auf „Ain’t Gonna Answer“ mit einem raren Feature beehrt hat.

Weezy befindet sich ja selbst gerade mitten in der Promophase für sein langersehntes „Tha Carter VI“, die er kürzlich mit dem DMX-Tribute „Kant Nobody“ eingeläutet hat. Für ein Feature mit einem der hottesten Nachwuchs-Talente scheint aber trotzdem Zeit zu sein, zumal ihm NLE Choppa entgegenkommt, was Style und Produktion angeht. Der Beat zu „Ain’t Gonna Answer“ mischt Choppas energetischen, schnellen Trap-Sound mit Old School-Elementen wie Scratching, dramatischen Streichern und clubbigen Stripclub-Claps und Vocal Chants, wie man sie von den DJ Mustard-Instrumentals der 2000er kennt. Darauf liefern beide Rapper ab, NLE Choppa hat Hunger in der Stimme und auch der mittlerweile 40-jährige Lil Wayne steht seinem Gastgeber in Nichts nach.

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Do25inco: Mexikanischer Rap aus Berlin

Zum Schluss noch ein Thema, dass auf den ersten Blick gar nichts in einer Kolumne für internationalen Rap zu suchen hat. Denn Do25inco, gesprochen Dos Cinco, ist (Wahl-) Berliner. Ursprünglich kommt der Rapper und Veranstalter allerdings aus dem Umland von Mexico City, wo er schon als Kind dank alter Kassetten auf dem Flohmarkt mit Hip-Hop infiziert wird. Der Einfluss seines Cousins verstärkt dieses Interesse nur noch weiter, Do25inco beginnt selbst zu rappen und zu schreiben, begeistert sich für Graffiti und schmeißt eigene Konzerte und Partys. Seine Karriere nimmt an Fahrt auf und bald spielt der Rapper nicht nur Shows in Südamerika, sondern schnuppert auch europäische Luft, zum Beispiel auf dem Fusion Festival.

Ein Jahr nach seinem Auftritt dort steht die Entscheidung fest: Do25inco zieht nach Berlin, um hier seinen Rap-Traum weiter zu verfolgen und ein neues Netzwerk aufzubauen. So hat er die Kreativ-Agentur Barrio Archives sowie das Kollektiv Tacos mit Cumbia, inklusive einer gleichnamigen Partyreihe, die lateinamerikanische Musik mit Berliner Clubkultur vereint. Außerdem geht es natürlich auch in Sachen eigener Musik weiter und so hat Do25inco Anfang März seine neue EP „Paisa“ veröffentlicht, die in Zusammenarbeit mit dem Berliner Produzenten Geegee entstanden ist.

Gemeinsam entsteht auf den drei Songs ein psychedelischer Sound zwischen mexikanischer Folklore, Boom-Bap und modernem Trap. „El Camino“ lässt dabei Westcoast-Synths durchklingen, die Videosingle „La Mancha 2“ könnte dagegen eher Fans von Bones oder den $uicideboy$ ansprechen. Obendrein gibt es als Service für das nicht-mexikanische Publikum Untertitel auf Englisch, die Einblicke geben, über was Do25inco da überhaupt rappt: Gang-Kultur und die harte Realität der Straße aus der Sicht eines Aussteigers im selbst gewählten Exil. 

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Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.