Zartmann wünscht, er wäre nur „Ein Anruf entfernt“ von ihr
Glücklicherweise hat Zartmann seine treue Anhänger:innenschaft während seiner musikalischen Enthaltsamkeit über seine Social-Media-Kanäle mit seinem einzigartigen Charme und seinem Humor bei Laune gehalten – und das, obwohl er eigentlich in einer unangenehmen Bredouille steckte. Laut einem TikTok-Video von Zartmann wurde er nämlich von seinem ehemaligen Manager betrogen und scheinbar vor zwei Jahren dazu verleitet, einen Vertrag zu unterschreiben, der ihn im Nachhinein in eben erwähnte Release-Abstinenz gezwungen hat und gleichzeitig einen rechtlichen Strich durch Zartmanns eigene Tour gemacht hat.
Anfang dieses Jahres verkündete das „2 Blocks“-Multitalent dann, dass er endlich sämtliche rechtliche Hürden gemeistert habe, und begann, seine Comeback-Single „Ein Anruf entfernt“ anzuteasen. Kürzlich hat Zartmann nun endlich seine Musik-Rückkehr offiziell gemacht, besagten neuen Song veröffentlicht und damit eindrucksvoll bewiesen, dass er sich während seines Release-Exils musikalisch ordentlich weiterentwickelt hat. „Ein Anruf entfernt“ ist nämlich eine waschechte Melancholie-Hymne, die sich mit ihrer simplen Instrumentalisierung und den kratzig-schönen Gesängen von Zartmann irgendwo zwischen Bedroom-Indie und Art Pop bewegt.
Zwischen Sehnsucht und Akzeptanz
Inhaltlich beschäftigt sich Zartmann mit dem bittersüßen Gefühl, das einen manchmal überkommt, wenn man an eine verflossene Liebe denkt: „Ich werd’ wohl nie verstehen / wie kann etwas, was so wehtut, einem so fehlen / Würdest du mit mir reden? / Kurz so tun als wäre nichts gewesen?“ Mit diesen verletzlichen Fragen bringt Zartmann seine Gefühle auf den Punkt und zeichnet gleichzeitig ein schemenhaftes und doch eindeutiges Bild von der Vergangenheit. Zurück im Hier-und-Jetzt sieht die romantische Situation für ihn ziemlich blau aus, denn in so ziemlich jeder Zeile schwebt unterschwellig mit, wie viel Abstand und Entfremdung schon zwischen Zartmann und seiner verflossenen Liebe herrscht. Doch auch mit wachsender Distanz werden die starken Gefühle des Künstlers nicht wirklich weniger. Selbst wenn er andere Frauen in sein Leben lässt, stößt er sie weg, sobald sie ihm und der Vorstellung von seinem glücklichen Leben mit seiner Verflossenen zu nahe kommen. Schlussendlich stellt sich der Künstler die Frage, warum die beiden nicht mehr miteinander reden, ohne zu einer Schlussfolgerung zu kommen. Wie die große Amy Winehouse schon schmerzlich feststellen musste: „Die Liebe ist ein Spiel, bei dem es nur Verlierer gibt“ und vielleicht gilt es diese gefühlte Wahrheit als Herzschmerz-Betroffene:r früher oder später zu akzeptieren. Der Weg zur Akzeptanz ist allerdings mit jede Menge Aufs und Abs gepflastert und irgendwie bekommt man das Gefühl, dass sich „Ein Anruf entfernt“ als ein klares Auf für Zartmann entpuppen wird.
Das etwas andere Comeback
Passend zum gefühlvollen und intimen Song, ist das Video zu „Ein Anruf entfernt“ erstaunlich unaufgeregt für den ersten großen Aufschlag. Zartmann selbst zufolge war das allerdings vollkommen beabsichtigt: „Nachdem ich ein Jahr lang keine Musik veröffentlichen konnte, wollte ich, dass mein Comeback nicht so ausfällt, wie viele es wahrscheinlich erwartet haben. Mir war es wichtig, ein ruhiges, zurückgezogenes Video entstehen zu lassen, welches auch dem Song gerecht wird. Deshalb sind wir zehn Stunden nach Italien (Südtirol) gefahren. Wir sind um 05:45 Uhr aufgestanden und haben den ganzen Tag gedreht. Die Natur sah unglaublich aus.“ Unglaubliche Natur trifft es tatsächlich ziemlich gut, denn die Tiroler Alpen sind ein ganz fabelhaftes Fleckchen Erde, durch das Zartmann (stellenweise mit einem süßen Hund an seiner Seite) tanzt. Auch wenn er augenscheinlich keinen Empfang dort hat, wird er von seinen Gefühlen zu seiner Angebeteten heimgesucht. Um diese Situation visuell darzustellen, wurde die weibliche Darstellerin im Video wirklich sehr mit Bedacht eingesetzt und man bekommt fast das Gefühl, als wäre sie lediglich eine Manifestation von Zartmanns Sehnsucht, fast wie eine Fata Morgana der Alpen.
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