Zwischen Freak und Normalo: Dissy und Mine befinden sich in einem Zwiespalt
Jeder kennt dieses Gefühl: Getriggert durch soziale Medien und dem ständigen Reflex ausgesetzt, sich mit anderen zu vergleichen, fühlt man sich oft so, als wäre das eigene Dasein nicht genug. Sei es durch den zu gewöhnlichen Job, die zu normale Kleidung oder das zu passive Verhalten in Gruppen – Manchmal wünscht man sich, jemand anderes zu sein. Als exzentrische Person geht man gedanklich gerne in die andere Richtung: „Bin ich zu viel? Bin ich zu laut? Falle ich zu sehr aus der Reihe?“ bilden nur die Spitze des Fragen-Eisbergs eines Misfits. Genau mit diesen unausgesprochenen, polar gegensätzlichen Gedanken setzt sich der neue Song namens „freak.“ von Dissy und Mine auseinander. „Ich hab‘ mitgelacht beim Barbecue / zwischen Normalos mit Zalando-Schuhen / Mach einen normalen Track mit Autotune / Und bin einer unter Tausend / Doch manchmal fühl‘ ich mich wie’n Mann vom Mond / Leicht abgedriftet oder asynchron / Du dagegen, du bist makellos / Kommst mir entgegen und ich sage stumm / Ich wär‘ so gerne ein Freak / Nur damit du mich siehst“.
Auf einem reduzierten Beat, der auf einem verzerrten Voice-Sample basiert, besingen und berappen die beiden den Zwiespalt, mit dem sie sich tagtäglich konfrontiert fühlen. Die beiden Ausnahme-MusikerInnen übertragen die Bipolarität des Textes auch auf die Musik. So wechseln sich krachende und brutale Passagen im Instrumental und der Vocal-Performance mit sanften Momenten ab, um die oben beschriebene Ambivalenz auf allen möglichen Ebenen zu transportieren. Fazit: Dissy und Mine erfrischen uns mit einer neuen und spannenden Songidee, die bis zur letzten Instanz konsequent durchgezogen wurde.
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