Musik für Motten, Grönland & warme Melodien
Hallo zusammen!
Wir beginnen mit den guten Nachrichten: Der Januar ist endlich vorbei. Nach (gefühlt) 13 Wochen voller Eisregen, Schneestürmen und Weltpolitikwahnsinn kann man sich seit Sonntag ein wenig glaubhafter einreden, dass die ersten Tage, an denen wir abends mit Spätibier am Kanal sitzen werden, gar nicht mehr soooooo weit entfernt sind.
Und, großer Plot-Twist: Wir machen jetzt einfach mit den guten Nachrichten weiter und blenden hier mal die apokalyptisch eingefärbten Kommentare zur aktuellen Performance der Menschheit aus, die wir sonst so gerne in diese Newsletter-Intros packen.
Heute klappt es nämlich ganz gut, sich von der Popkultur ablenken und einlullen zu lassen. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden die Grammys verliehen und wenn man sich die dort versammelten Musiker:innen und Produzent:innen so anschaute, musste man schon feststellen: In Sachen Popmusik läuft es gerade ziemlich gut. Die Live-Auftritte waren in den meisten Fällen extrem gelungen und die Shortlist der Awards war lange nicht mehr so gut und so divers wie in diesem Jahr.
Die Grammy-Verleihung wurde bisweilen auch politisch – unter anderem Bad Bunny und Billie Eilish äußerten sich über das brutale Vorgehen gegen eingewanderte Menschen in den USA. Und die Grammys machten eines mal wieder deutlich: Fast alle Artists – allen voran Gewinner:innen wie Lady Gaga, Olivia Dean, Kendrick Lamar, Bad Bunny oder Billie Eilish – haben eigentlich einen eher liberalen Blick auf die Welt und Acts, die bei Donald Trump und seinen konservativen Kulturkämpfern gefeiert werden, haben hier keinen Platz. Was nicht an politischer Ausgrenzung liegt, sondern einfach daran, dass sie Kackmucke machen. Wir finden, man muss diese Erkenntnis viel öfter highlighten, weil sie auch in der heimischen Musiklandschaft bestätigt wird: All diese rechten bis rechtskonservativen Marktschreier, die ständig von der Überlegenheit ihrer Kultur faseln, kriegen selbst nix geschissen, was das irgendwie bestätigen würde. Das wird man ja noch mal sagen dürfen …
Schlotte und laurin malen ihr „2002“ Albumcover
Schlotte und Laurin haben im Oktober 2024 ihre erste gemeinsam Single rausgebracht. Und für unser Draw-Your-Cover-Format könnte der Single-Titel nicht passender sein, nämlich „Andy Warhol“. Gemeinsam haben die beiden dann an viel neuer Musik gewerkelt und so erschien im Dezember 2025 die „2002“-Platte. Und damit sind die beiden auch direkt in unser Studio geschneit, um das Cover ganz analog auf die Leinwand zu bringen. Wie in der Musik finden Schlotte und Laurin auch beim Malen die perfekte Symbiose. Noch bevor es überhaupt losgeht und die Uhr anfängt zu ticken (die beiden haben nur 15 Minuten Zeit!), erklärt Laurin, dass Schlotte der analoge Part ist, während er selbst über die Jahre zum Computer-Freak geworden ist.
Unsere Liebslingssongs der Woche
Eines der Lieder, das uns durch die eisig-windigen Tage brachte, ist „Delfine“ von Badeparadies: Nicht nur, weil Titel und Artist nach Sommer klingen, sondern auch weil der instrumentale, viele Haken schlagende Electro-Sound schon recht doll nach warmen Festivalnächten oder Afterhournachmittagen klingt. Diese Mieze ist nicht mit Mieze Katz zu verwechseln, die seit Jahren mit der Band Mia unterwegs ist. Diese Mieze hier ist eine spannende Rap-Newcomerin, die sich mit ihrer lässig-toughen Debüt-Single „Ey Mieze“ an die Seite von Acts wie Ikkimel, Mariybu oder auch Kitty Kat stellt. Ex-One-Direction-Member Zayn Malik feiert mit der Ballade „PILLOWTALK“ 10 Jahre Jubiläum. Der klingt genauso, wie es der Titel verspricht. Und wo wir thematisch gerade schon ein wenig horny und raunchy unterwegs sind: Zsá Zsá hat auch eine neue Single namens „pornstar“ veröffentlicht – die aber ein lasziv-selbstbewusster Track über Cash, durchzechte Nächte und ihre Girlfriends ist. Last but not least legen wir euch die neue Girli-Single ans Herz. „Slap On The Wrist“ ist ein starkes Statement im Pop-Punk-Gewand, oder wie Girli selbst erklärt: „‘Slap On The Wrist‘ ist für jede Frau, die schon mal mit dem Schlüssel in der Faust nach Hause gegangen ist, weil sie weiß, dass diese Welt sie nicht schützen wird.“
Album der Woche: Souly – Moth Music

Mit „traence“ vollzog Souly 2025 einen mutigen stilistischen Wandel, der anfangs polarisierte, sich aber schnell als voller Erfolg erwies und bereits eine Woche nach Release auf Platz 1 der Charts landete. Zwischen Hyperpop, Neo-Trap, Cloud-Rap und experimentellen Sounds entstand ein hypnotisches Album, das Souly selbst als „Musik für Motten“ beschreibt – ein Konzept, das nun mit „Moth Music“ konsequent weitergeführt wird. Ursprünglich als schnelle Antwort auf „traence“ geplant, erscheint das Projekt sieben Monate später als eigenständiges, drittes Studioalbum und bewusste Schwesterplatte, getragen von derselben kreativen Phase und einem nächtlich-düsteren Grundgefühl. Klanglich knüpft Souly nahtlos an „traence“ an, erweitert den Sound aber durch starke Features wie Lucio101, Fimiguerrero, Boondawg und Produktionen von Bazzazian. „Moth Music“ ist damit kein Deluxe, sondern der gezielte Schlusspunkt einer Ära – Musik für Nachtaktive, für Motten, und ein Abschluss, der neugierig auf alles macht, was als Nächstes kommt.
Short der Woche: Neues Album von Kekht Aräkh
Das neue DIFFUS Print-Magazin
Titelstory: Ikkimel
Auch im Heft: Noah Kahan, Baran Kok, Josi, Robyn, Philine Sonny und Apsilon.
Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.