Synthesizer und Stadtlichter: 070 Shake streift in „Under the moon“ durch die Nacht
New Jersey hat nicht gerade das coolste Standing unter den amerikanischen Bundesstaaten und geht oft im Schatten der angrenzenden Metropolen New York und Washington D.C. unter. Im musikalischen Kontext wird New Jersey aber gerade an die vorderste Front getragen und zwar vom Kollektiv 070, allen voran 070 Shake. Wie alle Mitglieder widmet die Rapperin und Sängerin ihren Namen mit dem Zip-Code ihrer Heimat, seit 2015 produziert sie unter diesem Pseudonym Musik. Und die sollte man hören, denn 070 Shake macht vieles anders und genau so viel richtig. Das erkennt auch schnell Pusha T, seines Zeichens Rapper und Chef des einflussreichen Labels Good Music. Über ihn entsteht ein Signing sowie ein Draht zu Kanye West, der zu dieser Zeit auf seinem Anwesen in Wyoming an den neuesten Alben der Good Music-Crew werkelt. Auch er scheint beeindruckt von der jungen Frau mit der reifen Stimme, Beiträge von ihr finden sich folglich auf den von Kanye produzierten Alben von Pusha T und Nas. Am meisten Aufsehen und Respekt verschafft ihr der doppelte Auftritt auf West‘s eigenem Album „ye“: Gleich zwei Songs, „Ghost Town“ und „Violent Crimes“, werden von 070 Shake veredelt.
Kanye West – Violent Crimes
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Die Arbeit mit Kanye West in Wyoming verändert 070 Shake‘s Blick auf ihre eigene Musik und weckt gänzlich neue Ambitionen in ihr. Das zeigt sich in den raren Singles, die sie verstreut in diesem Jahr veröffentlicht hat. „Nice to have“ und „Morrow“ lassen sich nicht auf Genre festlegen, präsentieren unerwartete Gitarren-Elemente in der basslastigen Produktion. Die ist in ihren Rhythmen noch im Hip Hop verankert, über den neuesten Song von 070 Shake lässt sich das nicht mehr sagen. Statt Trap-Rhythmen aus der 808 gibt es Throwback-Sound und knisternde VHS-Optik. Peitschende 80er-Snares und eine zugehörige Bassline begleiten 070 Shake in „Under The Moon“ beim nächtlichen Umherstreifen. Das klingt schon beinahe nach Band-Sound und stößt Hip Hop-Puristen vielleicht vor den Kopf, zeigt aber umso beeindruckender wie vielseitig die Künstlerin ihre kehlige Stimme einsetzen kann, die hier weit von Zeile zu Zeile hallt. In der Hook wächst die Instrumentalisierung mit virtuosen Synthesizer-Schichten an, Soundtrack für 070 Shake‘s krpytisches Versprechen unter dem Himmelszelt: „What happened under the moon/ It stays under the moon“.
070 Shake – Under The Moon
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