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10 deutsche Acts, die wir zum ESC 2022 schicken würden

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Am „großen ARD ESC-Tag am 4. März“ zeigt sich beim Vorentscheid „Germany 12 Points“, wer Deutschland im Finale des Eurovision Song Contest 2022 in Turin vertritt. Der Titel ist natürlich eine ziemlich hochnäsige Wunschvorstellung, denn die Öffentlich-Rechtlichen waren in den letzten Jahren erstaunlich gut darin, eher daneben zu greifen. Wobei die Performance von Jendrik im letzten Jahr schon herrlich irre war (die tanzende Hand!). Aber erinnert sich noch jemand an Ben Dolic? S!sters? Oder Cascada? Zum Glück eher nicht. Jetzt, wo Måneskin im letzten Jahr mal wieder ein wenig Rock’n’Roll in die Sache gebracht und gezeigt haben, dass der ESC nicht nur unterhaltsamer Trash sein muss, kann man ja mal ein wenig rumspinnen, wenn wir da gerne mal sehen würden. Hier kommen 10 in Teilen ernst gemeinte Wünsche von der gesammelten DIFFUS-Redaktion. 

Seeed

Die Herren um Peter Fox würden sich natürlich niemals in diesem Szenario sehen, aber wenn es eine Band gibt, die der ganzen Welt zeigen kann, das Deutschland nicht nur sauerkrautig, schlagerverliebt und schunkelig drauf ist, dann ja wohl SEEED. Das haben sie übrigens schon mal zu Beginn ihrer Karriere auf der World Stage des Glastonbury Festivals geschafft, wo sie hunderte Engländer hart verwirrt haben, als sie sagten, dass sie aus Berlin seien. Außerdem wissen SEEED, wie man die wirklich großen Bühnen bespielen kann, was bei der pompösen Inszenierung des ESC, generell ein, nun ja, Wettbewerbsvorteil ist.

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Finch

Das Kontrastprogramm zu SEEED wäre dann wohl Finch. Machen wir uns doch nix vor: Neben Krautrock, den man im Ausland fast mehr verehrt als hierzulande, waren international erfolgreiche deutsche Musikexporte lange Zeit geradezu klischeehaft deutsch. Man denke nur an den Siegeszug des rollenden Rammstein-Rs, das sogar in Moskau durch die endlosen Straßen und in Chile durch den Regenwald rollt. Geben wir also dem ESC-Publikum den Deutschen so, wie man ihn vom Sommerurlaub kennt: (vor-)laut, immer leicht angesoffen, bisschen verbrannt auf der Nase und geradezu schmerzhaft direkt. Das Konzept (und eigentlich auch den Sound) von „Ehrliche Weihnachten“ könnte man doch auch ganz gut für eine Prise „Dunkeldeutschland Drip“ beim ESC nutzen, und mal ganz ehrlich über die Schattenseiten des ESC-Imperiums zu rapsingen. Wobei Finch natürlich auch noch einige lyrische Schattenseiten in seinem frühen Oeuvre auszuleuchten hätte …

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Zoe Wees

Eine Künstlerin, die sich bereits so international anhört, dass viele gar nicht über ihre deutsche Herkunft Bescheid wissen, ist Zoe Wees. Die Hamburger Newcomerin hat im vergangenen Jahr von Auftritten im amerikanischen Fernsehen bei Jimmy Fallons Late Night Show bis hin zu den New Music Awards einiges abgerissen und wäre eine Bereicherung für den ESC. Warum? Ganz einfach, weil Lena Meyer-Landrut 2010 mit ihrer reduzierten, völlig auf Musik konzentrieren Performance bewiesen hat, dass man nicht bei dem ganzen Show-Zirkus mitmachen muss, um Erfolg zu haben. Aufrichtige Texte und tiefgehende Gefühle können da vollkommen ausreichen – und davon bringt Zoe Wees eine Menge mit.

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Leopold

Eines sollten wir an dieser Stelle klären: Wir wollen uns hier nicht über diesen ehrwürdigen Contest erheben oder ihn gar verlachen. Der ESC und das riesige Publikum, das er jedes Jahr erreicht, sind immer noch und immer wieder erstaunlich. Einen großen Anteil daran hat die LGBTQ+-Community, die in den letzten Jahren auch in schwachen Ausgaben mit ihrer Begeisterung dafür gesorgt hat, dass der ESC trotzdem eine Party werden kann. Da wäre es also mehr als naheliegend eine der schillerndsten Acts der queeren Szene ins Rennen zu schicken. Bühne frei also für Leopold, der eh ein viel größeres Publikum verdient hätte und mit Songs wie „James Dean“ und mit seinem Bühnencharisma auf jeden Fall international punkten könnte. 

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BLOND

Schillernde Bühnenoutfits, selbstbewusste Performances und Songs, die im Ohr bleiben – drei Begriffe, die nicht nur mit dem ESC in Verbindung gebracht werden, sondern genau so auch mit der Chemnitzer Band BLOND. Das Trio versteht etwas davon, auf der Bühne seinen Spaß zu haben und schafft es scheinbar ganz nebenbei auch noch, auf natürliche Art Feminismus auszustrahlen und in seinen Songs Aufmerksamkeit auf wichtige Themen zu lenken. Warum also nicht die Indie-Pop Truppe zum Grand Prix schicken, um den Leuten zu zeigen, worauf es neben dem Show-Spektakel noch ankommt?

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Milky Chance

Milky Chance wissen, was es bedeutet von 0 auf 100 durchzustarten. Mit ihrem Hit „Stolen Dance“ haben sie 2013 quasi über Nacht die Welt erobert – da sollte Europa doch ein Leichtes sein. Das Kasseler Duo steht für melancholischen Gitarren-Pop in Kombination mit entspannten Beats und könnte die Portion Indie zum ESC bringen, die uns in den letzten Jahren gefehlt hat. Und zudem bringen die beiden Jungs auch einen kleinen Wettbewerbsvorteil mit, denn als einer der erfolgreichsten deutschen Exportschlager dürften Milky Chance in den meisten Ländern schon eine solide Fanbase haben – 12 Punkte für Deutschland also!

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Shirin David

Kein Frage, Shirin David hat sich spätestens seit der Veröffentlichung von „Bitches Brauchen Rap“ ihren Status als deutschlandweite Queen of Rap gesichert. Mit so viel Power, Attitude und messerscharfer Bars im Gepäck, bringt Deutschraps-Barbie sicherlich auch die wichtigsten Bedingungen mit, um auf der schillernden ESC Bühne eine gute Figur abzugeben und Deutschland mal von einer ganz anderen Seite zu zeigen. Einziges Manko: Die fehlende Bühnen-Erfahrung. Doch wie wir Miss David kennen, sind glamouröse Inszenierungen ja eine ihrer leichtesten Übungen. Dann heißt es wohl: Extra DirTea einpacken und ab in den Flieger zum diesjährigen ESC-Standort Turin, denn Shirin David ist gekommen, um nicht weniger als 12 Punkte jedes Landes nach Deutschland zu holen. 

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Kraftklub

Jahr für Jahr stellt sich doch beim ESC auch die Frage: Wieso schicken wir da immer wieder Leute hin, die kein Schwein kennt? Klar, selten sind auch Rohdiamanten wie Lena Meyer-Landruth dabei, doch wie wäre es mal mit absolut-erprobten Live-Experten wie Kraftklub? Die Chemnitzer Boys sind nicht ohne Grund fünffache 1Live-Krone-Gewinner und luchsen gefühlt jedes Jahr spannenden Newcomer-Bands in diversen Live-Kategorien die Preise ab. Und nachdem Kummer seine Karriere als Solo-Künstler wieder aufgegeben hat, hätte er doch eigentlich wieder Zeit für ein bisschen Band-Action. Unsere Vorschläge für einen ESC-Song: „Songs für Liam 2.0“, „500K“ in der TikTok-Version und „Ihr müsst nach Berlin“.

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Alice Merton

Der ESC lebt von seinem internationalen Charme und den vielen verschiedenen Kulturen, die eine nach der anderen über den Bildschirm flimmern. Warum also nicht eine Künstlerin hinschicken, die ihre Kindheit und Jugend in gleich vier verschiedenen Ländern verbracht hat und schon ordentlich auf dem Globus rumgekommen ist? Die Rede ist von Alice Merton. Ihre Lebensgeschichte beinhaltet Stationen in New York, Kanada, England und natürlich Deutschland, wo die Sängerin geboren ist. Mit dieser Vita ist es kaum verwunderlich, dass ihr leichtfüßiger Pop einiges an internationalem Appeal mitbringt. Songs wie „No Roots“ oder „Why So Serious“ haben längst bewiesen, dass Alice Merton auch über die Bundesgrenzen hinaus sehr gut ankommt – und vielleicht auch beim ESC-Publikum punkten könnte. 

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Herbert Grönemeyer

Klar, beim ESC präsentieren sich wohl doch zumeist die jungen und flippigen Hüpfer der jeweiligen Länder und messen sich: Jede:r möchte bunter, pompöser, abgefahrener als die Konkurrenz sein. Doch wenn wir mal auf dem Boden der Tatsachen bleiben, dann gibt es doch eigentlich nur einen, auf den wir uns in Deutschland kollektiv einigen können und das ist Herbert Grönemeyer. Der Pop-Titan ist mit Evergreens wie „Mensch“, „Männer“, „Mambo“ oder „Bochum“ selbst zum Teil deutscher (Musik-)Geschichte geworden und hat dabei stets eine Message. Immer wieder positioniert sich der geborene Niedersachse gegen Rechts und nutzt seine Reichweite für politisches und soziales Engagement. Außerdem konnte er sich mit „Zeit, dass sich was dreht“ ja schon an einem WM-Song probieren – was wiederum bedeutet, dass ein ESC-Song nur der nächste nachvollziehbare Schritt ist. Mit Herbert hätten wir also nicht nur Stimme, Herz und Hirn im Gepäck, sondern auch die deutschen Hit-Schnüffelnase!

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