Wenn Rapper das Tanzbein schwingen: 10 virale Moves aus der Hip Hop-Szene
Wer auf ein Hip Hop-Konzert geht, bekommt oft einen klassischen Anblick zu sehen: Ein Meer von erhobenen Händen, um vorzugsweise in der Hook dem darbietenden Rapper mit rhythmischem Auf-und-Ab-Winken Tribut zu zollen. Wer eher Rap-Fan der neuen Schule ist, findet sich dagegen vielleicht in einem wilden Moshpit, entlehnt aus Genres wie Metal oder Punk, und riskiert ein blaues Auge in der besinnungslosen Rage. Aber auch zwischen diesen beiden Welten hat der Hip Hop viel zu bieten, um bei Live-Events oder im Club in Bewegung zu kommen. Wie kaum eine andere Szene verstehen sich Künstler und Fans bestens darauf, ihr Genre mit neuen viralen Dancemoves zu versorgen. Über genau diese möchten wir euch mit dieser Liste einen vagen Überblick verschaffen – verortet im US-amerikanischen Rap-Geschehen der letzten Jahre, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Lil Uzi Vert // Futsal Shuffle
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Den Anfang macht gleich das jüngste Phänomen auf dieser Liste, ein Song, der sich wie ein Slogan für eine Wahlkampagne liest: „Futsal Shuffle 2020“. Aber dieser Eindruck ist gar nicht soweit weg von der Intention des Interpreten, Lil Uzi Vert. Schon im ausgehenden 2019 veröffentlichte der Rapper ein Snippet zum quirlig-elektronischen Song, zu dem er eine eigene Shuffle-Interpretation tanzte. In den folgenden Wochen animierte Lil Uzi geschickt seine Fans dazu, den Futsal-Shuffle aufzugreifen, reagierte auf ihre Videos und kündigte an, dass er mit diesem Tanz 2020 dominieren wolle. Dabei hatte er von Anfang an die klare Absicht, einen viralen Trend loszutreten – und augenscheinlich ist ihm das gelungen. Wer bisher noch nichts von dem Phänomen mitbekommen hat oder sich bezüglich der genauen Ausführung unsicher war, bekommt jetzt ein Tutorial vom Meister selbst: Erst heute veröffentlichte Lil Uzi Vert das Musikvideo zu „Futsal Shuffle 2020“.
Soulja Boy Tell’Em // Soulja Boy
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Vom neuesten Tanz geht es zum ältesten in unserer Liste. Zum Großteil haben wir uns zwar auf Songs aus der vergangen Dekade beschränkt, aber wie könnte man Soulja Boy mit seinem ikonischen „Crank That“ außen vor lassen? Der Song erschien bereits 2007 als Debut-Single für den damals jungen Künstler und wirkt rückblickend wie eine Meisterleistung in Sachen Marketing. Das liegt zum einen natürlich am eingängigen Song, der mit seinem Steelpan-Sound und dem lang gezogenen „Youuuu“ schon zum Tanzen aufruft. Aber Soulja Boy Tell ‚Em geht auch das zugehörige Musikvideo smart an, inszeniert darin den Tanz als virales Internet-Phänomen – und beschwört damit umgehend herauf, dass er ein solches wird. Dabei stecken Videoplattformen wie Youtube zum Zeitpunkt der Veröffentlichung von „Crank That“ noch in den Kinderschuhen, umso beachtlicher also, dass der Streich gelingt und bald Hörer und Tänzer auf der ganzen Welt von links nach rechts bouncen.
2 Milly // Milly Rock
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Den letzten Konkurrenten ausschalten, „Victory“! Aufspringen vom Streamer-Sessel und los geht es: Die Handflächen schwingen abwechselnd hin und her, als würde man einem unsichtbaren Gegenüber einen Ohrfeigen-Hagel verpassen. Die Rede ist vom Milly Rock, den wir in den letzten Jahren vor allem von animierten Fortnite-Figuren oder den zugehörigen Twitch-Streamern als Siegestanz gesehen haben. Noch bevor der Entwickler Epic Games die Moves in sein beliebtes Videospiel einbaute, war der Tanz in der Hip Hop-Szene ein gängiger Begriff. Die bekanntesten Referenzen stammen wohl von 6ix9ine mit „Gummo“ oder Playboi Carti, der den Trend in die Hook für seinen Hit „Magnolia“ einbaut: „In New York I Milly Rock, hide it in my sock“. Diesen Song könnten wir hier verlinken, tatsächlich würde man damit aber wohl dem tatsächlichen Erfinder unrecht tun. Der nennt sich passenderweise 2 Milly und veröffentlicht schon 2014 einen Trap-Banger mit dem Namen „Milly Rock“, in dem er den Tanz an seinem Block demonstriert.
DaBaby // Bop
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DaBaby macht nicht erst seit dem vergangenen Jahr Musik, trotzdem hatte der Rapper 2019 einen historischen Lauf. Angefangen mit seinem Durchbruch-Hit „Suge“, schaffte es DaBaby bei Veröffentlichung seines zweiten Albums „Kirk“ jeden einzelnen Song des Projekt in den Billboard Top 100-Charts zu platzieren. Neben seinem zugegeben repetitiven, aber effizienten Flow schickt sich der Künstler außerdem an, auch einen eigenen Tanzmove zu etablieren. Der nennt sich wie der Titel des zugehörigen Songs schlicht und einfach „Bop“ – macht aber mehr her, als dieser simple Name vermuten lässt. Begleitet von dumpfen Bässen und Schlangenbeschwörer-Flöten erheben Rapper und Crowd im Video synchron eine Faust und machen rhythmische Klopf-Bewegungen, während das Gewicht von der einen auf die andere Seite verlagert wird.
Bobby Shmurda // Shmoney Dance
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Da macht man schon den Überhit schlechthin mit zugehörigem Dancemove – und sitzt im Knast während das Ding in den folgenden Jahren durch die Decke geht. Die Rede ist vom New Yorker Bobby Shmurda, der aktuell die letzten Monate einer jahrelangen Haft wegen Waffenbesitz und geplantem Mord absitzt. Der Rapper ist sicher eine fragwürdige Persönlichkeit, aber trotz oder vielleicht gerade wegen dieses Umstands finden sich sagenhafte 600 Millionen Klicks auf seinem Straßen-Video zu „Hot N#gga“. Neben vielen Gangsigns, Finger-Pistolen und ähnlichem gibt es von Bobby Shmurda aber auch eigene Dancemoves – inzwischen bekannt als „Hot Boy Dance“ oder „Shmoney Dance“. Besonders beachtlich: Im Vergleich zu anderen Tanz-Trends zeigt Shmurda einiges an Hüfteinsatz!
Drake // Hotline Bling/ Kiki-Challenge
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Drake ist ein Name, der in dieser Liste nicht zum letzten Mal auftaucht und eigentlich noch öfter genannt werden könnte. Stattdessen fassen wir an dieser Stelle gleich zwei Songs zusammen, die das Internet umgehend zu Memes verarbeitet hat. Zum Einen wäre da natürlich „Hotline Bling“ – man liebt es oder man hasst es, aber man hat es ganz sicher im Ohr und das ikonische Video dazu im Kopf. So richtig benennen kann man diesen Tanz gar nicht, den Drizzy auf skurrile Weise im farbig angestrahlten Studio-Setting zum Besten gibt. Da steckt viel von den schon genannten Moves drin, ein bisschen Milly Rock, ein bisschen Hüften-Schaukeln à la Bobby Shmurda, aber Drake performt all das mit dem Swag eines angetrunkenen, von sich selbst überzeugten Onkels im Strickpullover, geht in die Hocke, zuckt zum Beat zusammen und irgendwelche Sachen mit seinen Händen. Der zweite Tanz ist da schon leichter zu beschreiben, schließlich gibt es eine eigene Challenge zum Super-Hit „In My Feelings“. Initiator ist dabei Instagram-Comedian Shiggy, der mit dem Hashtag #DoTheShiggy zum Nachahmen seiner Choreographie auffordert. Dem Aufruf folgen schnell auch Stars wie Footballer Odell Beckham Junior und aus den ursprünglich spontanen Moves formt sich ein festes Muster heraus: Gefilmt aus einem fahrenden Auto tanzt man zur eingängigen Hook von „In my Feeligs“ und formt ein pulsierendes Herz zu Drakes romantischen Bemühungen: „Kiki, do you love me?“
Silento // Whip/Nae Nae
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Wer schon immer mal ein Lenkrad hart herumreißen wollte, ohne die Konsequenzen eines Totalschadens in der Leitplanke ertragen zu müssen, sollte sich mal an Silentos „Watch me“, besser bekannt als „Whip/Nae Nae“, versuchen. Schließlich besteht eine Hälfte der titelgebenden Hook aus einer Luft-Lenkrad-Bewegung, angelehnt an den amerikanischen Slang-Begriff „Whip“, also Auto. Was zur Hölle ein „Nae Nae“ ist, bleibt offen, aber viele der Dance-Moves die One Hit-Wonder Silento im Text durchdekliniert haben kryptische Namen – von Stanky Leg bis Duff. Ebenso Erwähnung findet Soulja Boys „Crank That“ – Mit diesem Neuzeit-Klassiker kann „Watch me“ in Sachen Einfluss längst gleich ziehen.
Stormzy // Vossi Bop
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Die Haltung leicht vornüber gebeugt, eine Hand auf die Brust, die andere weit vom Körper gestreckt – so geht er, der virale „Vossi Bop“-Tanz, den Stormzy zum Titel seines Erfolgshits erwählt hat. Auch wenn die Moves dafür bereits aus dem Jahr 2015 stammen, so richtig hebt der Tanz natürlich erst dank Stormzy ab, schließlich ließ der englische Rapper davor einige Zeit lang nicht von sich hören und die Erwartungshaltung war dementsprechend hoch. Statt wie gewohnt mit Grime oder Uk Drill zu hantieren, flext Stormzy auf „Vossi Bop“ so lässig wie auch hungrig über einen schnellen Beat mit kalten Klavier-Loops und verwischten Kicks, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Von DaBabys US-Variante unterscheidet sich der Vossi Bop sichtlich, aber auch er hat es in die Choreographien zahlreicher Dance-Crews geschafft.
Blockboy JB // Shoot Dance
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Wie versprochen taucht Drake in dieser Liste jetzt ein zweites Mal auf – wenn auch nur als Feature. Schließlich ist der Pop-Rap-Gigant bekannt dafür, Newcomer überraschend von Null auf Hundert ins Rampenlicht zu stellen, so auch geschehen mit Blockboy JB und dem gemeinsamen Song „Look Alive“. Drake kann Melodien, Drake kann Ohrwürmer, aber auf diesem Track zeigt er sich von seiner raueren Seite. Musikalisch begleitet von wenigen Moll-Akkorden und simplen Drums von Produzent Tay Keith feiern sich die beiden Rapper im Video – und führen gleich einen neuen Tanz vor, der natürlich inzwischen auch seinen Einzug ins Fortnite-Repertoire gefunden hat. Blockboy JB’s Erfindung nennt sich nach einem Song von 2017 „Shoot“: Mit zurück gelehntem Oberkörper bounced man auf einem Bein, während das andere vor und zurück kickt und die Arme sich ähnlich bewegen.
Migos // Dab
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Viele werden bisher mit Stirnrunzeln einen kontroversen Move vermisst haben und natürlich möchten wir euch den nicht vorenthalten: Der berühmt-berüchtigte Dab. Es gab eine Zeit, da war dieser Trend so allgegenwärtig, dass es weh tat. Lehrer, Eltern, Politiker, Profi-Fußballer – jeder meinte dabben zu müssen. Dabei wurde der Move berreits 2015 von den Migos mit dem Song „Look at my dab“ popularisiert, nachdem er nach Aussage des Rap-Trios schon einige Zeit in ihrem Umfeld im Trap-Mekka Atlanta kursierte. Ob bei szenefremden Dabbern als hilfloses Armewedeln, bei „Panda“-Rapper Desiigner als unkontrolliertes Zucken oder bei den Migos wie ein elegant verstecktes Niesen in die Armbeuge – der Dab kennt viele Formen, die aber alle zu recht für die nächste Zeit übersättigt sind.
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Dazu große Reportagen über die Vaporwave-Szene in Deutschland, die extreme Metal-Szene in Subsahara-Afrika oder das Rap-Projekt „HaftBars“ in einer Berliner Jugendstrafanstalt.