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A Beef History: Meek Mill vs. Drake

Posted in: Features

„Hört auf mich mit Drake zu vergleichen! Er schreibt seine Raps nicht selbst. Deswegen postet er auch mein Album nicht, weil wir das herausgefunden haben! … Er hat nichtmal den Verse auf meinem Album geschrieben und wenn ich das gewusst hätte, hätte ich ihn runter genommen. Ich verarsche meine Fans nicht!“ -Meek Mill via Twitter

Meek Mill – R.I.C.O. (feat. Drake)

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Angefangen hat der Streit zwischen Drake und Meek Mill mit einer Serie von Tweets im Jahr 2015, abgesetzt von Meek Mill, in denen er Drake des Ghostwritings bezichtigte. Zu der Zeit bewegten sich Meek und Drake auf einem ähnlich kommerziellen Level und waren dementsprechend direkte Konkurrenten. Nichtsdestotrotz haben beide auf dem Album „Dreams Worth More Than Money“ in Form von „R.I.C.O.“ kollaboriert. In den Writer-Credits zum Song ist ein gewisser Quentin Miller vermerkt, der auch maßgeblich an den Texten von Drakes Mixtape „If You’re Reading This, It’s Too Late“ mitgearbeitet hat.

In der Retrospektive ist Quentin Miller die geheime Schlüsselfigur des gesamten Konflikts von Meek Mill und Drake. Es existieren diverse Reference-Tracks (Tonspuren eines Ghostwriters, die einem Künstler zur Orientierung dienen) von ihm, welche die Anschuldigungen von Meek Mill untermauern. Neben Meek Mill hat auch Funkmaster Flex, seines Zeichens legendärer Hiphop-Radiohost bei Hot97, Drake ins Visier genommen. Flex, der angeblich im Besitz besagter Ghost-Spuren von Miller war, fungierte während des ganzen Beefs als eine Art Hype-Man, der versuchte, ordentlich Quote für seinen Sender zu ergattern. Spoilerwarnung: Er hatte, abgesehen von einer ominösen Demo-Version von „10 Bands“, keine relevanten Leaks parat. Unter normalen Umständen bedeuten solche Beweise den Tod für die Glaubwürdigkeit eines Rappers, besonders wenn er in seiner Musik mit seinen Fähigkeiten als Texter und mit seinem vermeintlichen Pionierstatus polarisiert. Aber da haben Meek und Flex die Rechnung ohne Drake gemacht.

Drake – Charged Up

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Drei Tage nachdem die Vorwürfe von Meek Mill aufkamen, veröffentlichte Drake im Rahmen seiner Beats 1/OVO Soundradio-Show den Diss-Song „Charged Up“ und teilte ordentlich gegen Meek Mill aus, ohne ihn jedoch beim Namen zu nennen. Er bezeichnete sein Feature mit dem Rapper aus Philadelphia mit geschickten Wortspielen als großzügige Wohltat und belächelte die „ach so erdrückenden Beweise“ von Funkmaster Flex. Die breite Öffentlichkeit befand den Song allerdings für zu schwach, ähnlich wie Meek Mill, der den Song auf Twitter als „weich wie eine Babylotion“ bezeichnete. Von einer angemessenen Antwort war jedoch auch nach geschlagenen vier Tagen keine Spur. Nachdem Quotengeier Funk Flex angekündigt hatte, dass er den Drake-Diss von Meek Mill noch am selben Tag exklusiv präsentieren würde. Spoilerwarnung: Er hat den Song nicht am selben Tag veröffentlicht, stattdessen tauchte über Nacht der „Back to Back“ Freestyle von Drake auf und der hatte es in sich.

Drake – Back to Back

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Der Titel „Back to Back“ bezieht sich auf die Toronto Blue Jays, ein Baseball Team aus Drakes Heimatstadt, die in der World Series 1993 die Philadelphia Phillies schlugen und sich somit quasi „back to back“ den Titel 1992 und 1993 erkämpften. Das Cover zum Song zeigt den Spieler Joe Carter, der den entscheidenden Zug zum Sieg spielte. Jetzt kommen wir zum wirklich brisanten Teil des Ganzen, denn auf „Back to Back“ hat sich Drake selbst übertroffen. Jede Line gegen Meek Mill trifft genau dort, wo es dem überaus stolzen Rapper wehtut. Er geht auf die Starpower von Meeks damaliger Freundin Nicki Minaj ein, verspottet Meek wegen seiner Freiheitsstrafen und hackt darauf rum, dass „Back to Back“ schon der zweite Diss innerhalb von vier Tagen sei. Und das alles, obwohl Meek angeblich der überlegene Texter sein soll. Wie akribisch der Beef von Drake geplant wurde, erkennt man vor allem an folgender Passage:

You gon’ make me step out of my fckin’ frame* You gon’ make me buy bottles for Charlamagne You gon’ make me go out of my fckin way* I waited four days ngga, where y’all at* I drove here in the Wraith playing AR-AB I’m not sure what it was that really made y’all mad But I guess this is what I gotta do to make y’all rap „Charlamagne tha God“ ist ein renommierter Radiohost bei POWER105 und verschworener Feind von Funkmaster Flex und Hot97. Er ist bekannt dafür, respektlose Fragen zu stellen, unpopuläre Meinungen zu vertreten und 2015 war er die Speerspitze der Drake-Hater in Amerika. Doch so perfide wie Drake in Beef-Angelegenheiten nunmal ist, hat er sich die Feindschaft zwischen den beiden Radiohosts zunutze gemacht und hat Charlamagne, ganz nach dem Motto: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund“, zu einem meinungstragenden Verbündeten gemacht. Das I-Tüpfelchen war ein Paket mit sechs Dom Pérignon Flaschen, die am gleichen Morgen auf dem Arbeitsplatz von Charlamagne standen, anbei ein kleiner Zettel mit den Worten: „Let’s be Friends, Aubrey Graham“. Der polarisierende Radiohost hat den Beef anschließend richtig zusammengefasst: „Drake spielt Schach, während Meek Vier gewinnt spielt“. Dieser Move war in der öffentlichen Wahrnehmung der finale Sargnagel für Meek Mill. Kurz darauf erschien zwar dessen Antwort „Wanna Know“, aber der Zug war schon lange abgefahren. Für Meek Mill war in der folgenden Zeit Schadensbegrenzung angesagt, denn das Internet explodierte regelrecht vor Memes. Zu allem Überfluss hatte sich „Back to Back“ innerhalb kürzester Zeit auch noch als Club-Banger etabliert, ist gechartet und hat Drake sogar eine Grammy-Nominierung beschert.

„You going to make me buy bottles for Charlamagne“ Drake living his raps.

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Die allgemeine Faszination über diese Auseinandersetzung hat viele Gründe. Die ganzen Zusammenhänge, Beziehungen und Hierarchien wurden von Drake einmal durch den Fleischwolf gejagt. Der eindeutig unterlegene MC bringt innerhalb von vier Tagen zwei Disssongs, während sich der etablierte Battle/Street-Rapper Meek Mill auf Twitter die Finger wund tippt und den armen Quentin Miller in einem Sneaker-Store attackiert, weil er lieber für Drake statt Meek schreiben möchte. Quentin Miller spricht sich daraufhin eindeutig für Drake und gegen Meek Mill aus. Die sonst so klar Stellung beziehende Nicki Minaj steht zwischen den Stühlen und positioniert sich eher halbherzig auf Meeks Seite. Drake-Feind Charlamagne macht eine Kehrtwende und promotet „Back to Back“ mit einem riesigen Radiosender im Nacken. Drake hat bei einer Live-Performance sogar einen dritten Disssong namens „3Peat“ angekündigt, der es leider nie in die Öffentlichkeit geschafft hat.

„He don’t want that 3Peat“

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Wirklich verblüffend wird es aber erst wenn man sich die Langzeitnachfolgen des Beefs auf die Karrieren der beiden ansieht. Klar, Meek Mill musste sehr viel Spott schlucken und hatte ein paar sehr harte Jahre, nicht zuletzt wegen seiner Zeit im Gefängnis und seinem ewigen, unfairen Kampf gegen das amerikanische Rechtssystem. Doch zumindest musikalisch war er, trotz aller Widrigkeiten, nie komplett weg vom Fenster. Mittlerweile hat er seine Nische gefunden, ist das Gesicht für die riesige Kampagne gegen die unmenschliche Justiz in Amerika und wird von Jay-Z und Beyoncé unterstützt. Drake hingegen hat seitdem immer wieder mit Ghostwriting Anschuldigungen zu kämpfen, mit denen ihm sein unglaublicher Erfolg kleingeredet wird. Der Streit mag zwar begraben sein, doch dieser Vorwurf wird Drake für immer verfolgen.

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