Album der Woche: Blond – Ich träum doch nur von Liebe
Das Blond – aka Nina, Lotta und Johann – nicht einfach nur eine Band sind und eines ihrer Konzerte nicht einfach nur eine gute Show, wird direkt mit dem ersten Track ihres neuen Albums klar. Chorale Gesänge und Blond-Anbetungen leiten das 12-Track-Album ein. Es ist eine Religion und eine Messe. Nur halt weniger LGBTQIA+-feindlich. Blond beten für mehr Gleichberechtigung, gegen das Patriarchat und für allgemein mehr Liebe.
Ein Aufruf zu Liebe
„Ich träum doch nur von Liebe“, ist die Parole des Albums. Und das in allen möglichen Facetten. Ob es da einfach um Extase geht wie in „so hot“, Selbstliebe (auch in Form der Selbstbefriedigung) wie in „Ich wär so gern gelenkiger“ oder Geschwisterliebe, die sie in „Lotta und Nina“ besingen. Genauso abwechslungsreich wie die Liebesvariationen ist auch der Sound der LP.
Ein Genre-Korsett ist nichts, in das sich Blond reinzupressen versuchen. Lieber mal machen, worauf man gerade so Bock hat und was die Message des Tracks am Besten reflektiert. Kaum verwunderlich also, dass sich im Endergebnis von poppigen, über beinahe balladigen und sogar Malle tauglichen Melodien alles auf dem Album findet. Langweilig wird es definitiv nicht!
Blond spielen mit Ironie wie eh und je
Wer Blond kennt, weiß, dass eine Sache natürlich auf keinen Fall fehlen darf: Zynismus und Ironie. Einen etwas frech-rotzigen Ton würden es manche nennen – und mit manche sind in diesem Fall Boomer gemeint. Dabei verstehen Blond es gewieft, ihre Lyrics so zu wenden, dass eine klare Message dabei rum kommt und die Bitterkeit, die dieser innewohnt, mit einer geballten Ladung Glitzer und Empowerment übersät wird. Denn mal ehrlich, wer hat jemals behauptet, dass Rebellion keinen Spaß machen darf?
How to Feminismus mit Blond:
Dass es trotz allem Situationen gibt, in denen die Machtverhältnisse – auch innerhalb der eigenen Band – ins Wanken geraten können, machen Blond in „Bare Minimum“ klar. Hier singt Johann davon, wie es ist der einzige Cis-Mann in der Band zu sein. Da kann man noch so für Gleichberechtigung einstehen, am Ende werden einem dann ja doch auch die Erwartungen von außen auferlegt. In dem Song erzählt er davon, dass er Props dafür bekommt, dass er es mit zwei Girls in der Band aushält, dass er nicht mehr Geld verlangt als die beiden es tun und ähnliches. Naja, allein sowas ist dann wohl Zeichen genug, dass es „Ich träum doch nur von Liebe“ an Aktualität nicht mangelt. Auch wenn der Schein das manchmal anders erahnen lässt, trügt er nunmal. „Titten-Tassen und Viva la Vulva Wein“, reichen dem Feminismus nicht aus. Wer daran nochmal erinnert werden muss, hört sich „Girl Boss“ an!
Die Messe endet
Zum Ende dichten die drei dann einfach mal „If You’re Happy And You Know It“ zu ihren Gunsten um und rufen die Blondinator zum Mitmachen auf. Damit sind die Gebete dann auch beendet und alle hoffentlich wieder ein bisschen reflektierter oder zum Nachdenken angeregt. Falls das nicht der Fall ist, dann gerne einfach nochmal von vorne hören.
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